Singender Seemann denkt nicht ans Aufhören

Fred Mauritz

Fred Mauritz hat viele Namen: Für die einen ist er "der Friedhelm", für andere "der singende Seemann". Eins steht aber für alle fest: Fred Mauritz ist ein absolutes Original. Am 22. Oktober wurde der passionierte Sänger 85 Jahre alt.

WULFEN

von Von Maren Volkmann

, 22.10.2011, 09:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein Schiff, kein Hafen, noch nicht einmal das Meer in greifbarer Nähe - Fred Mauritz ist zwar der singende Seemann, wohnt aber in einem ganz normalen, bodenständigen Viertel in Wulfen-Barkenberg. Wer sein Haus betritt, weiß sofort, welch blau-weißer Wind hier weht: Ein Schalke-04-Schal begrüßt die Besucher schon an der Garderobe.Klavier und Gitarren

Doch seine große Liebe, das ist und bleibt die Musik. In seinem Wohnzimmer stehen zahlreiche Gitarren und ein dunkelbraunes Klavier. Sie scheinen hier zum Inventar zu gehören wie die gemütlichen Stoffsessel und die hölzerne Schrankwand.

An der Wand hängt ein Lebkuchen-Herz mit der Aufschrift "Opa, du bist klasse". Fred Mauritz hat eine Tochter, zwei Söhne und sechs Enkel. "Und zweieinhalb Ur-Enkel", sagt er und schmunzelt in seiner typischen Lausbub-Manier. Bedeutet: Das dritte Ur-Enkelkind ist unterwegs.

Bevor Friedhelm Mauritz, wie er bürgerlich heißt, zum singenden Seemann wurde, war es ein langer Weg. Mit zehn Jahren tritt der gebürtige Wattenscheider der Hitlerjugend bei ("das war damals normal"). In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieg wird er als Soldat schwer verwundet und gerät in Kriegsgefangenschaft. Ende 1946 schließlich die Entlassung.

Motorenschlosser gelernt

Zurück im Ruhrgebiet macht er bei Hochtief eine Ausbildung zum Motorenschlosser. Nebenbei besucht er die Folkwangschule und die Schauspielschule - das künstlerische Fach reizt ihn schon damals. Er spielt in Kapellen und singt in Gesangsvereinen. Alles jedoch zunächst als Hobby. Sein großes Vorbild: Hans Albers. "Den hab' ich direkt geliebt", sagt Fred Mauritz. Nicht wegen seines Gesangs, sondern wegen seiner ganzen Art. "Die hab' ich mir total abgeguckt", sagt er.

Im Jahr 1951 heiratet Fred Mauritz seine Frau, die vor dreieinhalb Jahren starb. Schon damals spielt er mit dem Gedanken, Sänger zu werden. Hauptberuflich. Diesen Herzenswunsch behält er aber zunächst für sich.Seinen ersten Auftritt hat Fred Mauritz bei Humbert in Wulfen. Ein folgenschweres Konzert: "Berni Humbert sagte mir damals, dass er mir günstig ein Grundstück besorgen kann." Genaue Lage: Wulfen-Barkenberg. Dort, wo Fred Mauritz bis heute lebt.

Mitte der 70er-Jahre macht er seine Leidenschaft schließlich zum Hauptberuf, kündigt bei Hochtief. Als Freiberufler singt er unter anderem für den NDR und für Radio Bremen, macht sich als Hafensänger einen Namen. Es folgen Konzerte in Chicago, Toronto und Johannesburg. Durchschnittlich fünf Auftritte absolviert er in der Woche.

Humor als Freund

Seinen Künstlernamen hat er übrigens aus Zufall verpasst bekommen: Für einen Auftritt in Koblenz warben die Veranstalter mit eben diesem - "Fred Mauritz, der singende Seemann, ein Mann von der Waterkant". "Von da an hieß ich einfach so", erinnert sich Fred Mauritz.

Heute, etliche Jahre später, steht er immer noch auf der Bühne. Der Unterschied: "Früher bin ich von der Bühne runter und auf Tische gesprungen - da käm' ich mir heute ein bisschen albern vor", sagt Fred Mauritz. "Aber der Lausbub möchte ich bleibe, solange es geht." Sein Geheimrezept? "Man muss mit dem Herzen dabei sein", sagt der Sänger und Entertainer. "Und Humor ist mein Freund, ich kann über mich selber lachen."

Wer Fred Mauritz einen Besuch abstattet, muss nicht lange auf eine Gesangseinlage warten. Im Nu steckt das Mikrofon in dem Mischpult, ist die CD mit dem passenden Musik-Playback eingelegt. Dann verwandelt sich das Wohnzimmer in eine Konzertbühne. Dann ist Friedhelm Mauritz, 85-jährig, wieder Lausbub. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fred Mauritz spielt am Sonntag, 30. Oktober, 15 bis 18 Uhr, beim Senioren-Tanztee im Gemeinschaftshaus Wulfen.

 

 

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