So geht es dem Wald rund um das Schloss Lembeck

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Stürme, Trockenheit und Hitze wirken sich auf den Wald aus. Rinden verbrennen, Borkenkäfer befallen Fichten. So kümmert sich Forstverwalter Martin Böckenhoff um den Wald bei Schloss Lembeck.

Dorsten

, 30.07.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Martin Böckenhoff kümmert sich um den Waldbestand des Grafen von Merveldt. Er ist der sogenannte Forstverwalter, der Großteil seines Reviers erstreckt sich rund um das Schloss Lembeck. Auf 700 Hektar Fläche wachsen gut fünfzig verschiedene Baumarten, Nadel- und Laubbäume machen je die Hälfte des Bestands aus.

Bäume fällen, um Wald zu schützen, nicht um Geld zu verdienen

Um die Ausbreitung der Borkenkäfer einzudämmen, müssen Bäume gefällt werden, die sich das Insekt als Kinderstube auserkoren hat. Mit Kettensägen und Axt gehen Alexander Marx und Frederik Albersmann ans Werk, um die ausgewählten Exemplare zu fällen. Vor 74 Jahren wurden sie hier gepflanzt.

Alexander Marx rückt der Fichte mit der Kettensäge zu Leibe. Danach wird Frederik Albersmann die Axt schwingen.

Alexander Marx rückt der Fichte mit der Kettensäge zu Leibe. Danach wird Frederik Albersmann die Axt schwingen. © Lydia Heuser

Eigentlich können sich Bäume gegen Borkenkäfer wehren, wenn sie vital sind. Sie bilden dann Harz, um den Käfer am Nisten zu hindern. Doch ohne Regen hat das Insekt leichtes Spiel und breitet sich immer weiter aus.

Geld verdienen Waldbesitzer aktuell nicht an Nadelholz. Der Forstverwalter erklärt, dass es allein um den Schutz der noch gesunden Bäume gehe. Das Holz wird auch nicht sofort weiterverarbeitet, etwa zu Bauholz zur Konstruktion von Dachstühlen.

„Der Holzmarkt ist bei den meisten Nadelbaumarten seit 2019 völlig übersättigt“, weiß der Forstverwalter. Die Stämme werden deshalb im Wald „gepoltert“, so nennt man das Stapeln des geernteten Holzes, die Lagerstellen der Abnehmer sind ohnehin voll. Teilweise setzt Böckenhoff auch Pflanzenschutzmittel ein, damit die Borkenkäfer sich nicht aufmachen können, um in weiteren Bäumen zu werkeln.

2017 verdienten Forstbetriebe noch 75 Euro an Fichtensägeholz pro Kubikmeter, die Zeiten sind aber erst mal vorbei. Für den Betrieb ist die Ernte ein Verlustgeschäft. „Momentan leg ich fünf Euro pro Kubikmeter drauf, für den Waldschutz.“

Nachhaltigkeit

  • „Den modernen Begriff Nachhaltigkeit gibt es im Forst schon seit 300 Jahren“, so Martin Böckenhoff. Die Graf von Merveldt‘sche Forstverwaltung setzte schon früh auf eine Durchmischung der Baumarten. Das kommt der heutigen Generation zupass.
  • Zwar haben Trockenheit und Hitze auch hier Folgen, aber bei Weitem nicht so dramatische wie etwa in großen Teilen des Sauerlands. Die Korsische Schwarzkiefer wachse zum Beispiel ganz gut unter den Bedingungen. Sogar Saatgut konnte der Forstbetrieb dieses Jahr von dem Nadelbaum verkaufen. Die Roteiche, die eigentlich aus Nordamerika stamme, aber schon seit 100 Jahren hier wachse, sei auch gut gerüstet.
  • Böckenhoff schätzt, dass er seit Friederike bis zum Jahresende etwa 20.000 Festmeter Schadholz aus dem Forst herausgeholt haben wird. Laut des Bundeslandwirtschaftministeriums werden im gleichen Zeitraum rund 35 Millionen Kubikmeter Schadholz in ganz NRW anfallen.

Nicht bloß Nadelbäume, sondern auch Buchen kommen mit dem Wetter nicht zurecht

Auch die Buchen bereiten Böckenhoff Sorgen. Am Rand des Waldes hat er zwei Exemplare markiert, die demnächst gefällt werden müssen, 100 und 190 Jahre alt sind die Riesen schon. Die Schäden sind auf den ersten Blick zu erkennen. Die Rinde wirkt wie aufgeplatzt. „An der süd-west zugewandten Seite ist der Stamm so heiß geworden, dass es zur Eiweißdegeneration der Rinde kam“, erklärt Martin Böckenhoff. Teilweise sind auf dem blanken Holz Spuren sogenannter „Sekundärinsekten“ erkennbar. „Das ist die erste Entwertung des Holzes“, so der Fachmann.

Der Stamm dieser Buche ist aufgeplatzt. Die Hitze war zu groß. Der Baum muss demnächst gefällt werden, da er ansonsten unkontrolliert umstürzen würde.

Der Stamm dieser Buche ist aufgeplatzt. Die Hitze war zu groß. Der Baum muss demnächst gefällt werden, da er ansonsten unkontrolliert umstürzen würde. © Lydia Heuser

Buchen mit ausgetrockneten Ästen.

Buchen mit ausgetrockneten Ästen. © Lydia Heuser

Nachhaltige Wiederaufforstung und Naturverjüngung

Eine andere Stelle im Wald bietet einen Blick in die Zukunft des aktuell geernteten Areals. Im Februar 2018 fegte Orkantief Friederike einen 90 Jahre alten Baumbestand einfach weg. Aufgeforstet wurde bereits im darauffolgenden November mit einer Laubholzkultur aus Eichen, Linden und Hainbuchen. Die Natur lieferte zusätzlich Lärchen, Birken, Kiefern und ein paar Buchen.

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Waldarbeiten im Graf von Merveldt'schen Forst

Manchmal schafft es die Natur fast ganz alleine wieder Wald wachsen zu lassen - der Experte spricht dann von „Naturverjüngung“. Böckenhoff entscheiden anhand des Standorts und der „Begleitflora“, ob er das Aussäen neuer Bäume der Natur überlassen kann. Nach dem „Windwurf“ habe er trotzdem „sauber machen müssen“. Das heißt, er holte die umgestürzten Bäume aus dem Waldgebiet, verarbeitet die toten Äste zu Mulch, das er auf dem Boden verteilte. Zunächst zeigten sich Fingerhut und Farn, es folgten Lärche, Fichte und Kiefer.

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