Spitzel der DDR waren überall

Vortrag

Die "bittere Bedeutungslosigkeit" Dorstens als nicht vorhandenes Ziel der Stasi-Spionage resümierte Helmut Müller-Enbergs bei seinem Vortrag am Donnerstagabend im Alten Rathaus.

DORSTEN

von Von Ralf Pieper

, 15.04.2011, 16:23 Uhr / Lesedauer: 1 min
Erzählte launig und mit spitzer Zunge über die IM-Tätigkeit von Mitbürgern: Helmut Müller-Enbers.

Erzählte launig und mit spitzer Zunge über die IM-Tätigkeit von Mitbürgern: Helmut Müller-Enbers.

So lieferte zum Beispiel der Deutener Pfarrer mit dem Decknamen „Erich Neu“, den Deutenern als Josef Frindt in Erinnerung, Informationen über hochrangige Kirchenmitglieder. In drei Büchern liefert der in Haltern geborene Politologe und Autor Helmut Müller-Enbergs eine akribische Untersuchung und schonungslose Aufdeckung der IM-Tätigkeit für die Staatssicherheit der DDR. Informativ und auch unterhaltend präsentierte er den Dorstener Zuhörern am Donnerstagabend die Ergebnisse seines Studiums zahlloser Daten. Dabei konzentrierte er sich auf die Lippestadt selbst und auf benachbarte Städte. In Marl gab es einen „Spitzenagenten“, der bei den Chemischen Werken Hüls beschäftigt war. Er lieferte Informationen über neueste Verfahren zur Kunststoffherstellung. So konnten die Chemischen Werke ohne großen Forschungsaufwand in der DDR geklont werden. Das Ausspionieren von wissenschaftlichen und technischen Details stand bei der Stasi höher im Kurs als politische Informationen. Während 149 Agenten in der damaligen Regierungshauptstadt Bonn tätig waren, gab es im nahen Münster nur 16 Agenten. Bevorzugt bei der Stasi waren Spione mit bestimmten Hintergrund: Chefsekretärinnen bedeutender Firmen, Studenten mit einem Hang zu linken Strömungen  und Journalisten wegen ihrer Fähigkeit, Informationen herauszukitzeln. Helmut Müller-Enbergs machte deutlich, wie tief „inoffizielle Mitarbeiter“ ins Leben der Bundesrepublik eindrangen.

Seriös und fundiert machte er die Gefährlichkeit der Stasi und die extreme Überwachung durch den Repressionsstaat DDR deutlich. Bei seinem Vortrag ließ er aber auch immer wieder Sätze einfließen, die, trotz ernster Problematik, zum Schmunzeln verführten. So zum Beispiel eine offizielle Stellungnahme der Stasi zur Spionage-Tätigkeit: „Wir arbeiten nicht mit Spitzeln zusammen, sondern nur mit Patrioten“. 

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