Technik-Streit: Fronten zwischen Stadt Dorsten und Gymnasium Petrinum verhärtet

mlzDigitalpakt

Moderner soll der Schulunterricht in Dorsten werden, digitaler vor allem. Doch ausgerechnet das Gymnasium Petrinum hält die Pläne der Stadt für einen Rückschritt. Die Fronten sind verhärtet.

Dorsten

, 02.11.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Burkhard Bell schaltet die Dokumentenkamera ein, legt ein Buch darunter, und wenig später ist die Aufgabe für alle Schüler auf einem großen Bildschirm an der Wand zu sehen. Der Mathematik-Lehrer des Gymnasium Petrinum bittet eine Schülerin an die grüne Tafel, um die Aufgabe zu lösen, während er mit den Mitschülern über den richtigen Ansatz diskutiert. Wenig später schließt ein Schüler sein Smartphone an die Kamera an und stellt eine Präsentation vor, die er zu Hause gemacht hat.

Einfache Technik, interessanter Unterricht

Vor zwei Jahren sind sechs Klassenräume des städtischen Gymnasiums mit dieser Technik ausgerüstet worden. „Die kann jeder bedienen“, meint der Lehrer. „Der Unterricht ist modern und macht Spaß“, sagen Schülersprecher Paul Kahla und seine Stellvertreterin Paula Jakiel. „Wir Eltern sind froh, dass die Schule mit der Zeit geht“, bestätigt die stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende Annabelle Bockamp. „Das ganze Kollegium hatte sich ohne Gegenstimme für diese Ausstattung ausgesprochen.“

Jetzt soll am Gymnasium wie an allen städtischen Schulen digital aufgerüstet werden. Ein Förderprogramm von Bund und Land macht es möglich. Das Petrinum möchte weitere Dokumentenkameras und Monitore, die Stadt will für alle Schulen sogenannte „Whiteboards“ anschaffen. „Ein Rückschritt“, sagen sie am Petrinum. „Ein Fortschritt“, glaubt die Stadtverwaltung.

Das Petrinum möchte keinen einheitlichen Standard

Die Fronten sind verhärtet. „Im Vorfeld sind leider Bemühungen gescheitert, das Petrinum mit auf den Weg zu nehmen, der mit allen anderen städtischen Schulen entwickelt wurde“, bestätigte Stadtsprecher Christoph Winkel auf Anfrage. Er verweist auf die Medienkonzepte aller Schulen, aus denen die Verwaltung „ein Konzept für die IT-Ausstattung und den Ausbau der IT-Infrastruktur der städtischen Schulen erarbeitet hat mit dem Ziel, einen einheitlichen und nachhaltigen Standard festzulegen“.

Es geht um „weiße Tafeln in Verbindung mit einem Nahdistanz-Hybrid-Beamer“, die die Stadt nach einer Testphase an zwei Schulen nun flächendeckend installieren möchte. Die klassische grüne Tafel ist Vergangenheit. Die „Whiteboards“ gibt es am Petrinum bereits, aber „sie sind wartungsintensiv und fehleranfällig“, sagen Lehrer und Schüler übereinstimmend. Mal fehlt ein Update für die Software, dann ist ein Stecker defekt oder der Digitalstift funktioniert nicht.

Technik-Streit: Fronten zwischen Stadt Dorsten und Gymnasium Petrinum verhärtet

Die stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende Annabelle Bockamp und Schülersprecher Paul Kahla bemängeln, dass die Whiteboards am Petrinum kaum genutzt werden können, weil sie "selten funktionieren". © Stefan Diebäcker

Die Stadt hält dagegen. Das neue System sei nicht vergleichbar mit dem alten. Und: „Nur durch einheitliche Hardware sind die folgenden Wartungs- und Supportaufgaben zu vertretbaren Kosten wahrnehmbar“, sagt der Stadtsprecher. „Je homogener die Gerätelandschaft in den Schulen ist, desto effizienter sind die Wartungs- und Supportabläufe.“

Dokumentenkameras und Monitore am Petrinum müssen laut Burkhard Bell allerdings „überhaupt nicht gewartet werden“.

Schulpflegschaft hat die Politiker eingeladen

Der Schulausschuss befasst sich am 13. November mit dem städtischen Medienentwicklungsplan. Einen Kompromiss sieht der Beschlussvorschlag der Stadt, der erst in der kommenden Woche öffentlich gemacht wird, offenbar nicht vor. Deshalb hat die Schulpflegschaft die Politiker am nächsten Dienstag (5. November) in die Schule eingeladen, damit sie sich ein Bild vom Unterricht machen.

Annabelle Bockamp geht es dabei nicht um eine Technikdiskussion. „Kern des Unterrichts bleibt der abwechslungsreiche, spannende und nachhaltige Dialog zwischen Lehrern und Schülern. Dafür ist die klassische Tafel als zweite Arbeits-, Diskussions- und Dokumentationsfläche unerlässlich.“

Bislang hat laut Annabelle Bockamp lediglich die SPD zugesagt.

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