Stiefsohn muss wegen Totschlags fünf Jahre in Haft

Stiefmutter erstickt

Es war ein qualvoller Tod. Vor fünf Monaten hat ein 49-jähriger Mann aus Wulfen-Barkenberg seine Stiefmutter mit einem Kissen erstickt. Dafür hat ihn das Essener Schwurgericht am Donnerstag zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Dorsten/Essen

von Von Jörn Hartwich

, 28.11.2013, 18:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Er war zuletzt völlig verwahrlost“, sagte ein Bruder vor dem Essener Schwurgericht. Manchmal war es sogar so schlimm, dass der Angeklagte tagelang nichts zu essen hatte. Zuletzt hat er sich nicht einmal mehr gewaschen, nicht mehr rasiert, die Kleidung hing schlotternd über seinem ausgemergelten Körper. Auch die Haare hatte er sich schon seit über einem halben Jahr nicht mehr schneiden lassen. Die Ursache war offenbar eine schleichende Krankheit. Die Ärzte hatten schon vor Jahren Anzeichen einer Depression entdeckt, die sich immer weiter verschlimmerte.

„Er saß immer nur in seinem Kellerraum“, sagte sein Bruder. „Er ist da eigentlich sein ganzes Leben nicht rausgekommen.“ Am Abend des 6. Juni 2013 war der Ex-Bergmann schließlich wieder so hungrig gewesen, dass er zum Kühlschrank seiner alkoholkranken Mutter schlich. Als er von ihr ertappt und niedergemacht wurde, sah er Rot. „Der ganze Druck musste raus“, sagte Psychiaterin Maren Losch. Der Angeklagte sei rasend vor Wut gewesen. „Er nahm ein Kissen und drückte es seiner Stiefmutter so lange auf das Gesicht, bis er keine Kraft mehr hatte und die ganze Wut weg war.“

Nach der Tat war der Barkenberger mit dem Auto durch die Gegend gefahren. Dann hatte er sich selbst in die Psychiatrie eingewiesen. Vor Gericht sagte er unter Tränen: „Es tut mir so leid. Ich weiß auch nicht, wie es dazu gekommen ist.“ Die Richter werteten die Tat als Affekttat und gingen davon aus, dass der 49-Jährige nicht voll schuldfähig war. Das Urteil lautet auf Totschlag.

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