Streit um Baumfällpläne: Anwohner sind auf die Stadt Dorsten sauer wegen eines Gutachtens

mlzBaum-Streit

Zur Kirschblüte ist der Alte Postweg die schönste Allee Dorstens. Doch die Stadt will die Bäume fällen und durch eine andere Baumart ersetzen. Jetzt äußern Anwohner Unmut über ein Gutachten.

Dorsten

, 15.02.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer im Frühjahr ist sie mit ihren rosafarbenen Blüten ein echter Hingucker. Aber schon bald könnte diese Zierkirschbaum-Allee am Alten Postweg Vergangenheit sein. Und darüber gibt es weiter Streit zwischen der Stadt und Anwohnern - und die Gräben werden tiefer.

„Vorgehen ist merkwürdig“

Grund ist eine nachträgliche Ergänzung zu einem Gutachten, das die Stadt in Auftrag gegeben hat. „Sehr merkwürdig“, findet Anwohner Hendrik Schulze-Oechtering das Vorgehen im Rathaus. „Man kann den Eindruck gewinnen, die Stadtverwaltung möchte im Nachhinein unbedingt für das Ergebnis sorgen, dass sie sich von vornherein gewünscht hat“, erklärt er.

Die Stadt möchte die komplette Baumreihe fällen lassen, um sie durch eine schmalere Japanische Zierkirschen-Variante mit weißen Blüten zu ersetzen. Die Anwohner wollen aber möglichst viele der 16 bestehenden Bäume erhalten und haben ihrem Unmut mit einer Unterschriftenliste Ausdruck verliehen.

Gutachten vorgelegt

Am Dienstag (19. Februar) muss der Bauausschuss um 17 Uhr in der Bibi am See (Gesamtschule Wulfen) darüber endgültig entscheiden. Im Dezember hatte die Politik einen Beschluss vertagt. Man wollte das avisierte Baum-Gutachten abwarten. Inzwischen hat der Baum-Sachverständige ein Gutachten vorgelegt. Darin heißt es: „Der untersuchte Baumbestand ist aufgrund der Baumart, des Standortes und des Zustandes erhaltenswürdig. Der Großteil der Bäume ist auch mittel- bis langfristig erhaltungsfähig.“ Nur fünf Bäume seien so krank, dass sie gefällt und ersetzt werden sollten.

So sähe die von der Stadt favorisierte schmale Kirschbaum-Variante aus.

So sähe die von der Stadt favorisierte schmale Kirschbaum-Variante aus. © Stadt Dorsten

Dieses Gutachten würde den Anwohnern in die Karten spielen. Doch dem Grünflächenamt reichten die Ergebnisse des Sachverständigen nicht aus. Wie die Stadt erklärt, hat sie anschließend bei dem Gutachter eine weitere Expertise erbeten, „da im Gutachten keine Aussagen zu freiraum- und städteplanerischen Aspekten behandelt wurden“.

Die von der Stadt erbetene Stellungnahme zu diesen Fragen legte der Gutachter Anfang Februar vor. Deren Inhalt empfinden die Anwohner „als Schlag ins Gesicht“. Denn nun schreibt der Gutachter: „Die Vitalität und das Erscheinungsbild der Mehrzahl der vorhandenen Bäume werden sich höchstwahrscheinlich in den nächsten zehn Jahren verschlechtern.“ Nachgepflanzte Bäume könnten sich in vorhandenen Baumscheiben nur schlecht entwickeln, schreibt er weiter. Daher sei eine Sanierung und Neubepflanzung der Baumscheiben zu empfehlen. Fazit: „Dafür müssen die vorhandenen Bäume gefällt werden.“

„Grünes Verbindungsband“

Dass Stadt und Politik sich mit dem Thema beschäftigen, hat damit zu tun, dass mit gut zwei Millionen Euro an Fördermitteln das Schölzbachtal nach Plänen des „Landschaftsbüros Drecker“ aufgewertet werden soll. Das Drecker-Konzept sieht dafür unter anderem ein neues „grünes Verbindungsband“ am Alten Postweg mit 21 neuen Bäumen vor. Dafür winken Zuschüsse: Im Zuge des Förderprojekts müsste die Stadt lediglich zehn Prozent der insgesamt 65.000 Euro teuren Kosten für die Umgestaltung selbst tragen.

Die Stadt bezeichnet die jetzigen Bäume als „überaltert“ und wegen der „beengten Straßenverhältnisse“ als „fachlich ungeeignet“ und führt ins Feld, dass sich durch die neue Baumreihe künftige Straßen- und Gehwegschäden vermeiden ließen. Zudem bekäme die Straße ein „einheitliches und gestalterisch ansprechendes Bild“.

„Sehen zu armselig aus“

Das sehen die Anwohner anders. Denn einige dieser schmalen Kirschbäume hat die Stadt bereits im benachbarten Schölzbach-Park angepflanzt, „die sehen uns zu armselig aus“, sagt Hendrik Schulze-Oechtering. Müssten Baumlücken aufgefüllt werden, wollen die Anlieger dafür unbedingt den Kirschbaum-Typ „Kazan“ haben, der schon jetzt die Straße zur Blütenzeit zu einer der schönsten Alleen in Dorsten macht. „Wir würden auch die Kosten für die Bäume und deren Pflege übernehmen.“

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