Südtiroler lernt in Rhade Landwirtschaft und spielt schon in der Schützenkapelle

mlzSüdtiroler Landwirt

In Rhade arbeitet ein Landwirt-Azubi aus Italien. Der Südtiroler ist schon voll integriert. Er spielte beim Neujahrskonzert der Schützenkapelle und lacht über eine TV-Kuppel-Show.

Rhade

, 25.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Was macht ein Südtiroler, der vom Bauernhof kommt, auf einem Hof in Rhade? Die Antwort darauf ist simpel: „Dazu lernen und über den Tellerrand schauen“, sagt Klaus Sigmund (19).

Der 19-Jährige kommt aus der Nähe der italienischen Stadt Brixen. Auf dem Hof der Eltern wird Weinbau betrieben und Forstwirtschaft. Außerdem hält die Familie 18 Milchkühe. Seit dem 1. August 2019 ist er Auszubildender im zweiten Lehrjahr beim landwirtschaftlichen Betrieb Krampe in Rhade.

Hier lernt der Südtiroler ständig Neues dazu und sieht die Unterschiede zur heimischen Landwirtschaft. „Hier ist die ganze Ausbildung schon eng an die Praxis geknüpft. Viele Höfe sind spezialisierter als bei uns. Auch eine Kalbung ist bei uns etwas Besonderes. Hier sind die Betriebe größer und es wird öfter gekalbt“, sagt der Klaus Sigmund. In Südtirol stehen die Betriebe überwiegend auf mehreren Standbeinen, während man sich in Deutschland eher spezialisiere.

Über den Tellerrand hinaus schauen

Aber warum genau kommt man nach Rhade, um Landwirtschaft zu lernen? „Ich wollte gerne über den Tellerrand hinaus schauen und etwas Neues lernen“, sagt der 19-Jährige. Auf dem Hof Krampe wurde er herzlich aufgenommen. Ausbilder und Landwirt Frank Krampe (43) ist mit seinem Azubi aus Südtirol zufrieden.

Südtiroler lernt in Rhade Landwirtschaft und spielt schon in der Schützenkapelle

Klaus Sigmund im Melkstand auf dem Hof Krampe in Rhade. © privat

„Sogar zum Probearbeiten kam er Anfang Juli letztes Jahr extra 900 Kilometer angefahren“, erinnert sich der Landwirt. Über den Studienfreund des Bruders kam Klaus Sigmund auf die Idee, in Deutschland Landwirtschaft zu lernen.

Eingelebt hat sich der 19-Jährige ziemlich schnell. Bereits im August probte er schon mit der Rhader Schützenkapelle und spielte das Flügelhorn auf dem Neujahrskonzert (DZ+).

Südtiroler lernt in Rhade Landwirtschaft und spielt schon in der Schützenkapelle

Klaus Sigmund (r.) ist voll und ganz in Rhade angekommen. Er spielte schon beim Neujahrskonzert der Schützenkapelle das Flügelhorn. © privat

Besonders gut versteht er sich mit seinem Arbeitskollegen, dem Gesellen auf dem Hof Krampe. „Die sind immer zusammen unterwegs und der Geselle kennt hier auch alles“, sagt Frank Krampe. Aber auch mit seinem Ausbilder versteht sich der 19-Jährige gut. Die zwei scherzen um die Wette und sind sich für keinen Spruch zu schade.

Südtiroler Redewendungen zum Schmunzeln

Und wie ist die Verständigung zwischen Azubi und Ausbilder so? „Eigentlich gut, da Klaus aus Südtirol kommt, ist seine Muttersprache Deutsch. Aber anfangs gab es schon ein paar Redewendungen, die bei uns eher ungewöhnlich sind“, erzählt Frank Krampe und schmunzelt.

Als Beispiel nennt er „Schuhe anlegen“, statt „Schuhe anziehen“. Im Stall stellte die Chefin mal die Frage, wo denn ihr Mann sei. Klaus Sigmund antwortete: „Der ist sich schon herrichten.“ Der Südtiroler Dialekt sorgt also doch für ein paar schöne Jokes im Hause Krampe.

„Bauer sucht Frau“ kritsch zu sehen und trotzdem lustig

Dass der angehende Landwirt gerne lacht, erkennt man auch daran, dass er nach eigener Aussage gerne „Bauer sucht Frau“ guckt. In der RTL-Trash-Sendung suchen seit Jahren regelmäßig Landwirte und Landwirtinnen nach Partnern.

Bei vielen unwissenden Verbrauchern entstehe dadurch zwar ein falscher Eindruck von der Landwirtschaft, bei Landwirten wiederum sorgt die Sendung für reichlich Gelächter. Wenn Klaus Sigmund gerade nicht Flügelhorn spielt oder „Bauer sucht Frau“ guckt, geht er gern ins Fitnessstudio.

Südtiroler lernt in Rhade Landwirtschaft und spielt schon in der Schützenkapelle

Auf dem Hof Krampe wurde vor zwei Tagen dieses Kälbchen geboren. © Laura Schulz-Gahmen

Vielleicht auch, damit er später nicht bei einer peinlichen Partner-TV-Börse mitmachen muss, denn der Südtiroler hat zwar viele Freunde in Rhade gefunden, allerdings keine Freundin, bisher.

Italienische Landwirtschaft versus deutsche Landwirtschaft

Wenn Klaus Sigmund die Landwirtschaft in Italien mit der deutschen Landwirtschaft vergleicht, kommt er zu dem Schluss, dass die italienische kleiner betrieben wird. Zu seinem Erstaunen sind die deutschen Ställe für die Tiere komfortabler, als er zunächst dachte. „Da gibt es Liegeboxen und Kuhbürsten für die Tiere im Boxenlaufstall und einen Spaltenroboter, der den Kuhmist selbstständig wegschiebt, ohne die Tiere zu stören.“

Südtiroler lernt in Rhade Landwirtschaft und spielt schon in der Schützenkapelle

Klaus Sigmund beim Anschieben des Kuhfutters im Stall. © Laura Schulz-Gahmen

In Deutschland habe die Tiergesundheits-Prävention einen hohen Stellenwert, denn durch die moderne Technik sei vieles vorab vermeidbar. In Südtirol werden kranke Tiere hingegen intensiv behandelt.

Italienisches Abitur gleicht deutschem Fachabitur

Klaus Sigmund hat in Italien die Fachschule besucht und sein Abitur in Wein- und Obstbau gemacht. Das italienische Abitur gleicht dem deutschen Fachabitur. Seine schulische Ausbildung umfasst auch einen Teil praktischer Erfahrung. Dreimal pro Woche wird nachmittags praktisch gearbeitet. Einmal pro Semester wird für zwei komplette Wochen Praxiserfahrung gesammelt.

Die Anerkennung des italienischen Abiturs zum gleichwertigen deutschen Fachabitur ging „ganz fix“, wie Frank Krampe erzählt. Ein weiterer Pluspunkt für Klaus Sigmund ist, dass er durch das Abitur die Lehre auf zwei Jahre verkürzen kann.

Auf dem Betrieb von Frank Krampe bleibt der Südtioler noch bis zum Ende Juli. Dann wechselt er, wie in der deutschen Lehre zum Landwirt üblich, den Betrieb. Es geht für Klaus Sigmund dann weiter auf einen Milchviehbetrieb in Erle.

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