Supermarkt-Manager aus Dorsten zockt hochwertige Marken-Bekleidung ab

mlzGerichtsprozess

Drei Jahre lang ließ sich ein Projektmanager einer Supermarktkette von Herrenausstattern mit teuren Textilien beliefern - die Rechnungen zahlte er nie. Jetzt wurde ihm der Prozess gemacht.

Dorsten

, 20.05.2020, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei seinen Outfits zeigte der 48-Jährige Stil und Geschmack: Die Anzüge von „Hugo Boss“, die Schuhe von „Lloyds“, die Hosen von „Pepe Jeans“. Und auch sonst waren es zumeist hochwertige Markentextilien, die der Dorstener im Internet orderte: von Strellson, von Hilfiger, von Joop.

Weniger Stil zeigt er allerdings beim Begleichen der Rechnung: nämlich gar keinen. Und das brachte dem technischen Projektmanager einer großen Supermarktkette einen dicken Strafprozess vor dem Dorstener Schöffengericht ein.

27 Taten, 8000 Euro Schaden

Gleich 27 Betrugsdelikte listete die Anklage der Staatsanwaltschaft auf. Zumeist ließ sich der Dorstener unter falschen Angaben von Herrenausstattern Dutzende von Bekleidungsstücken liefern, bis hin zu Krawatten, Gürteln und Socken. Drei Jahre lang, für insgesamt 15.000 Euro. Was ihm nicht passte, schickte er retour. Das, was er behielt, bezahlte er jedoch nicht. Schaden insgesamt: mehr als 8000 Euro.

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Warum ein gut verdienender Mann und Pferdebesitzer überhaupt ein solches Abzockverhalten an den Tag legte, wollte Richterin Lisa Hinkers von dem Angeklagten wissen. „Mir ging es lange Zeit psychisch schlecht, bis hin zu Depressionen“, antwortete der 48-Jährige.

Großer Schuldenberg

Die Ehe war in die Brüche gegangen, den selbst restaurierten Bauernhof mit Pferdestall musste der Angeklagte aufgeben. Hinzu kamen weitere Probleme mit der Familie, eine problematische Liebesbeziehung und eine Krebserkrankung, die dazu führte, dass er zu 70 Prozent schwerbehindert sei.

„Ich habe ein halbes Jahr so gut wie nichts gemacht, wochenlang fast ohne Schlaf in einem dunklen Zimmer gelebt“, schilderte der Angeklagte. Zwischenzeitlich hatte sich ein Schuldenberg in Höhe von 40.000 Euro angehäuft. „Die Textilien habe ich aber alle für mich selbst bestellt und nicht, um sie weiterzuverkaufen“, betonte er.

Hochzeitstermin geplatzt

Jetzt habe er einen guten Job, „jetzt führe ich ein anderes Leben“, so der Mann. Mit Freunden und seiner derzeitigen Lebensgefährtin habe er einen Finanzplan aufgestellt. „Ich habe angefangen, die Schulden abzubezahlen.“ Und prägend sei die U-Haft gewesen, die er antreten musste. „Wegen der ist sogar mein geplanter Hochzeitstermin geplatzt.“

Während die Staatsanwältin eine Haftstrafe in Höhe von zwei Jahren und drei Jahren forderte, appellierten seine beiden Anwälte, Milde walten zu lassen: Ansonsten könne er den finanziellen Schaden nicht wieder gutmachen, zumal sein derzeitiger Arbeitgeber trotz der begangenen Betrugstaten weiter zu dem Angeklagten steht.

Zwei Jahre auf Bewährung

Das Schöffengericht ließ sich erweichen: Zwei Jahre auf Bewährung, die Schadenssumme muss er in Monatsraten in Höhe von 200 Euro abzahlen.

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