Susanne Wenzel eröffnet den Spielzeugladen neu in der Recklinghäuser Straße

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Susanne Wenzel hat den Spielzeugladen von Ursula Schlüter übernommen und eröffnet Anfang April in der ehemaligen Altstadtbuchhandlung in der Innenstadt. Sie verrät, was Kunden dort erwartet.

Dorsten

, 22.03.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Jedes Kuscheltier, jede Rassel, jedes Mobile im Warenwirtschaftssystem erfassen – der Gedanke daran lässt Susanne Wenzel ihre blonden Locken schütteln. „Im Fachjargon heißt das Warenwirtschaftssystem das Tal der Tränen“, sagt die 56-Jährige lachend. Schrecken kann sie die ebenso komplizierte wie wichtige Software zur Führung ihres eigenen Ladens aber nicht. Und die Vorfreude vermiesen erst recht nicht. „Ich kann es kaum erwarten, endlich aufzumachen. Ich habe solche Lust auf diesen Laden.“ Denn mit ihrem eigenen Spielzeugladen geht für die Dorstenerin ein lang gehegter Traum in Erfüllung.

Susanne Wenzel eröffnet den Spielzeugladen neu in der Recklinghäuser Straße

Susanne Wenzel freut sich, den Dorstenern weiterhin hochwertiges Spielzeug anbieten zu können. © Jennifer Uhlenbruch

Jahrzehntelang war sie Kundin des Spielzeugladens in Dorsten. „Ich habe schon das Spielzeug für meine Kinder bei Ursula Bösing an der Borkener Straße gekauft“, erinnert sich Susanne Wenzel. Auch deren Nachfolgerin, Ursula Schlüter, blieb sie nach dem Umzug des Ladens an die Suitbertusstraße eine treue Kundin.

Über ihre Tochter erfuhr sie vor ein paar Monaten, dass die 62-Jährige nach 19 Jahren den Laden aus Altersgründen abgeben wollte. „Wer macht denn weiter?“, fragte Susanne Wenzel beim nächsten Besuch Ursula Schlüter und erfuhr: Es gab noch keine Nachfolgerin. „Dann mach ich es“, sagte Susanne Wenzel spontan. „Das war eine Herzensentscheidung. Ich habe das aber natürlich zu Hause mit meinem Mann besprochen und er unterstützte meine Idee sofort. Das wird gut, mach das!“ Auch die Tochter sagte: „Das wolltest du doch immer schon machen.“

„Dieser Laden ist mir vor die Füße gefallen“

Wollen und machen – ein großer Unterschied. „Denn dafür musste ich meine Komfortzone verlassen.“ Sprich: eine Festanstellung mit all ihren Sicherheiten aufgeben. 14 Jahre lang hatte Susanne Wenzel den Offenen Ganztag der Arbeiterwohlfahrt in Dorsten und Umgebung koordiniert. „Aber ich hatte wirklich ganz viel Lust auf was Neues. Und dieser Laden ist mir vor die Füße gefallen“, packte sie die Gelegenheit beim Schopfe. Außerdem wusste sie schnell: Auf Ursula Schlüter und ihr Fachwissen kann sie jederzeit zählen. „Wir stehen regelmäßig in Kontakt, treffen uns und waren zusammen auf Messen in Hamburg und Nürnberg.“

Von ihr kam auch die Idee, den Neustart in einem neuen Ladenlokal – in der ehemaligen Altstadtbuchhandlung an der Recklinghäuser Straße – zu wagen. Statt rund 80 stehen dort nun 140 Quadratmeter zur Verfügung. Kopfzerbrechen bereitet Susanne Wenzel der große Raum nicht. „Ich werde eine neue Ecke für Mamas einrichten mit Schals, Taschen und schönen Dingen, die sie sich selbst gönnen können“, verrät Susanne Wenzel.

Und eine Spielecke wird es geben. „Dort sollen die Kinder Spielzeug ausprobieren können.“ Da sie eine Zusatzausbildung in der Pädagogik nach Maria Montessori und nach Rudolph Steiner hat, möchte sie auch diesen Bereichen mit eigenen Angeboten Rechnung tragen. Geschenke für Kommunion und Konfirmation und das Geschirr der dänischen Marke „Green Gate“ wird es weiterhin geben.

Das Spielzeug muss schadstofffrei sein

Hochwertiges Spielzeug, für das die Kunden den Spielzeugladen schätzen, wird auch in den neuen Räumen im Fokus stehen. Die bekannten Marken wie Sigikid, Kapla, Spiegelburg und Co werden bleiben. „Das Spielzeug muss schadstofffrei sein, ästhetisch und es muss dem Kind die Möglichkeit geben, sich mit und an dem Spielzeug weiterzuentwickeln. Es darf die Fantasie nicht einschränken“, sagt Susanne Wenzel.

Wichtig sei ihr, dass es Spielzeug für jeden Geldbeutel zu kaufen gebe. „Es muss das kleine Mitbringsel zur Geburt geben und das große Weihnachtsgeschenk der Großeltern. Ich möchte auch Kunden mit weniger Geld ermöglichen, mehr als billiges Plastikzeug zu schenken.“

Zum Spielzeugkauf gehört Beratung

Vor der Konkurrenz aus dem Internet hat sie keine Angst. „Wenn ich für mein Kind das individuell richtige Spielzeug kaufen will, dann brauche ich Beratung. Beispiel: Im Internet steht unter den Artikeln gerne ‚fördert die Motorik‘. Ja welche denn? Die Feinmotorik, die taktile Wahrnehmung, die Auge-Hand-Koordination?“ Susanne Wenzel ist sich sicher, dass sie und ihre Mitarbeiterinnen – drei von ihnen arbeiteten schon bei Ursula Schlüter im Spielzeugladen – mit einer professionellen Beratung helfen können. „Parallel möchte ich meinen eigenen Onlineshop eröffnen. Hier können die Kunden sich sicher sein, dass sie gutes Spielzeug kaufen.“

Susanne Wenzel eröffnet den Spielzeugladen neu in der Recklinghäuser Straße

Noch kuscheln die Kuscheltiere in einer Kiste. Bald werden sie ihre Plätze im Regal einnehmen. © Jennifer Uhlenbruch

Bei der Auswahl ihrer Waren verlässt sich die neue Inhaberin des Spielzeugladens auf die Empfehlungen von Ursula Schlüter, vom Arbeitskreis Richtiges Spielzeug, dem sie mit dem Geschäft weiter angehören wird, und auf ihr persönliches Gespräch mit den Händlern auf Messen. „Nicht jedes kleine Familienunternehmen ist zertifiziert, weil jedes Zertifikat kostet. Wenn die Firmen aber trotzdem darauf achten, unter welchen Bedingungen und mit welchen Rohstoffen ihre Produkte hergestellt werden, kann ich sie dennoch mit gutem Gewissen verkaufen.“

Auch nach diesen Maßstäben ausgewählte Kinderkleidung will sie in ihrem Laden anbieten. „Aber erst einmal ein kleines Sortiment. Ich brauche Zeit, um mich mit ökologisch hergestellter Kinderkleidung auseinanderzusetzen.“

Abendlicher Weihnachtseinkauf für Eltern im November

Auch Ideen für Veranstaltungen im Laden hat sie. „Sicher ist, dass ich im November an zwei Abenden zum Weihnachtseinkauf einladen werde. Ich fand es als Mutter immer schwierig, für die Kinder die Geschenke zu kaufen. Sie sind ja immer dabei. Abends hat man vielleicht die Chance, wenn ein Babysitter kommt, sogar mit dem Partner zu kommen und zu überlegen, was man schenken will. Es soll gemütlich werden, mit Keksen und Glühwein.“

Auch mit einem Puppenspieler hat Susanne Wenzel schon Kontakt aufgenommen. „Er könnte erklären, wie man mit einer Handpuppe richtig spielen und ein Thema bearbeiten kann. Aber fest planen will ich das jetzt noch nicht, das ist zweitrangig.“

Im Fokus steht die Eröffnung des Ladens Anfang April. Zu einer richtigen Eröffnungsfeier möchte Susanne Wenzel allerdings nicht einladen. „Dann muss an dem Tag direkt alles rund laufen und wir stehen so unter Strom, das möchte ich nicht. Wir möchten einfach nur Spaß haben und schöne Dinge verkaufen, sehr schöne kleine Dinge mit einem großen Hintergrund. Denn wie sagte schon Einstein: ‚Das Spiel ist die höchste Form der Forschung‘.“

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