Sven Volmering scheiterte vor vier Jahren beim Wiedereinzug in den Bundestag. Jetzt tritt er erneut für die CDU an - seine wohl letzte Chance. © privat
Bundestagswahl 2021

Sven Volmering (CDU) und die wohl letzte Chance auf den Bundestag (mit Videos)

Sven Volmering möchte zurück in den Bundestag. Dorthin, wo er zwischen 2013 und 2017 für die CDU war. Das würde sogar seine Töchter freuen, obwohl sie ihren Papa dann wohl weniger sehen.

Annalena (7) und Marie (5) haben in den letzten Jahren vergleichsweise viel Zeit mit ihrem Vater verbracht, sollte man meinen. Denn nachdem Sven Volmering (45) vor vier Jahren den Wahlkreis gegen Michael Gerdes (SPD) so knapp wie nie zuvor verlor und – anders als 2013 – auch der Listenplatz nicht reichte, unterrichtete der Christdemokrat wieder am Mariengymnasium in Bocholt, war nachmittags und meistens auch abends zu Hause.

Sven Volmering setzt alles auf eine Karte

„Sie würden sich trotzdem freuen, wenn es für mich wieder nach Berlin geht“, versichert Sven Volmering. Es ist wohl seine letzte Chance auf ein Mandat in der Hauptstadt. Auf einen Listenplatz hat der Christdemokrat bewusst verzichtet. „Der nutzt wahrscheinlich sowieso nichts“, sagt er. Volmering setzt alles auf eine Karte. Verliert er das Spiel, ist zumindest seine bundespolitische Karriere wohl beendet.

Sven Volmering hatte lange an der Niederlage vor vier Jahren zu knabbern. „Von einer Sekunde auf die andere war Schluss“, erinnert er sich. „Der Stecker war gezogen, es ging von 100 auf 0.“ Der 45-Jährige hatte das damals einkalkuliert („Man bekommt ja die Stimmung während des Wahlkampfes mit“), aber wenn der Moment tatsächlich eintritt, „ist das noch mal etwas anderes“.

„Ich hätte es gerne weitergeführt“

Der gescheiterte Kandidat fühlte sich leer, musste sich sammeln, interessierte sich wenig für Politik, wie er sagt. „Man wird ja relativ schnell verabschiedet aus dem Bundestag, und dann will man mit Berlin auch erst mal nichts mehr zu tun haben.“ Rückblickend könne man ja auf viele Sachen, die man erreicht habe, stolz sein, „aber ich hätte es auch gerne weitergeführt“.

Sven Volmering (M.) ist seit einigen Wochen auf Wahlkampftour und hat u.a. der Lebenshilfe in Dorsten einen Besuch abgestattet. © privat © privat

Es ging also nach einer Pause und einem Familienurlaub in Zell am See im folgenden Februar zurück in den Schuldienst. Als „Strafversetzung“ hat Sven Volmering das nie empfunden. Dass sein Spezialgebiet, die digitale Bildung, in der Coronakrise an Bedeutung gewinnen würde, konnte er damals nicht ahnen, aber er fühlte sich nachträglich bestätigt, dass in diesem Bereich – Virus hin oder her – schon viel mehr hätte passieren müssen.

Sport, Lektüre und alle „Star Trek“-Folgen

Jeden Tag 10.000 Schritte – Sven Volmering hat sein Leben abseits der großen Politik genutzt, um sich fit zu machen. Er hat endlich mal alle „Star Trek“-Folgen gesehen, viele Bücher gelesen, neue Aufgaben in der Schule bekommen. Einen Leistungskurs in Geschichte hat er direkt übernehmen dürfen, aber der „Berlin-Beauftragte der Schule“ wollte er nicht sein. „Ich brauchte die Zeit, den Abstand.“

An politischen Angeboten hat es nicht gemangelt. Viermal hätte er in den letzten Jahren Bürgermeisterkandidat werden können. Zwei Kommunen im Münsterland, eine im Ruhrgebiet und eine im Sauerland fragten an, Sven Volmering lehnte jedes Mal ab. Die Rückkehr als CDU-Kandidat für den Bundestag war indes „ein schleichender Prozess“.

Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff, ein enger Freund, hatte seine Finger im Spiel, Ehefrau Judith gab Rückendeckung, die politischen Freunde in Dorsten, Bottrop und Gladbeck wollten ihn – auch mangels Alternativen – unbedingt. Und dann war irgendwann klar, dass es Sven Volmering zum vierten Mal angeht in einem Wahlkreis, der für die CDU „eigentlich uneinholbar“ sei.

Sowi-Leistungskurs bis zum Abitur führen

Wenn es am 26. September doch klappt, werden das seine Schüler zwar „cool finden“, meint der CDU-Kandidat, aber sein Sowi-Leistungskurs wird sich auch Sorgen machen. Den wollte Sven Volmering im nächsten Jahr zum Abitur führen. „Das würde trotzdem klappen“, glaubt er. Die Koalitionsverhandlungen werden dauern, bis es dann wirklich dauerhaft nach Berlin geht, könnte es Frühjahr werden. „Ich habe versprochen, dass ich mich bis zu den Prüfungen weiter kümmern würde.“

Annalena hingegen gewinnt Papas möglichen Umzug auch etwas Positives ab. „Früher hast du mit uns gespielt, wenn du aus Berlin gekommen bist“, hat sie mal gesagt. „Jetzt korrigierst du ständig Klausuren.“

Über den Autor
Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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