Raubüberfallserie 2019 in Dorsten: Ein Berg von Akten, aber keine Spur

mlzTäter auf freiem Fuß

Die Staatsanwaltschaft Essen quält sich durch einen Aktenberg. Den hat eine Ermittlungskommission zur Raubüberfallserie in Dorsten zusammengetragen. Tatverdächtige gibt es aber nicht.

Dorsten

, 31.07.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dorsten war 2019 ein Schauplatz für wiederholte Raubüberfälle. Neunmal wurden Supermärkte und ein dm-Laden sowie Tankstellen und Imbissbude von bewaffneten Männern überfallen. Ein Täter konnte gefasst werden und wurde im Mai verurteilt.

Bei den anderen Taten verliert sich die Spur zu den Räubern: „Für keinen der Überfälle konnte bisher ein Täter ermittelt werden. Auch kann man weder positiv feststellen noch ausschließen, dass es sich immer um denselben Täter oder eine zusammenarbeitende Tätergruppe gehandelt hat“, sagt die Essener Pressestaatsanwältin Anette Milk auf unsere Anfrage.

Täter waren umtriebig zwischen Mai und Dezember

Zwischen Mai und Dezember 2019 hielten Unbekannte die Öffentlichkeit mit ihrem brutalen und wiederholten Heimsuchungen von Geschäften in Atem. Am 5. Juni war der dm-Markt an der Händelstraße Ziel eines Unbekannten, am 18. Mai und 10. August der benachbarte Rewe-Markt. Am 19. September war Netto in Barkenberg an der Reihe, am 23. Oktober Edeka Weierstahl auf der Hardt. Zuletzt überfiel ein Unbekannter einen Imbissbetrieb in Wulfen (25. Oktober).

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Bei einem Vorstoß an der Aral-Tankstelle an der Dülmener Straße beließ es der Täter beim Versuch. Die Ermittlungskommission lieferte der Staatsanwaltschaft Essen zudem Unterlagen für einen Überfall auf eine „Markant“-Tankstelle in Wulfen.

Im benachbarten Schermbeck wurde ein Mann festgenommen

Auch im benachbarten Schermbeck versuchte ein 23-Jähriger am 16. Dezember 2019 sein Glück. Er wurde gefasst, nachdem er einen Supermarkt an der Weseler Straße überfallen hatte. Aufgrund von konkreten Zeugenhinweisen konnte die Polizei den Räuber kurz nach der Tat vorläufig festnehmen.

Die Ermittlungskommission der Polizei in Recklinghausen überprüfte in diesem Zusammenhang, ob es Parallelen zu den in Dorsten verübten Straftaten gibt. Anette Milk sagt dazu: „Bei dem Überfall auf dm am 5. Juni gab es die Besonderheit, dass dort zwei Männer aus Schermbeck in den Fokus der Ermittler geraten waren. Gegen einen war sogar ein Haftbefehl ergangen. Zwischenzeitlich ist der Tatverdacht aber wieder entfallen.“

Die Opfer durchlebten angstvolle Momente

So stehen die Ermittler wieder am Anfang. Wer ist für die Überfälle verantwortlich gewesen? Eine Frage, die sich insbesondere auch die Opfer stellen, die Minuten des Schreckens und der Angst durchlebten, als die maskierten und bewaffneten Täter vor ihnen standen.

Ein 32-jährige Dorstener wurde im Mai nach seinem bewaffneten Überfall auf den Netto-Markt an der Bochumer Straße zum Maßregelvollzug verurteilt.

Ein 32-jähriger Dorstener wurde im Mai nach seinem bewaffneten Überfall auf den Netto-Markt an der Bochumer Straße zum Maßregelvollzug verurteilt. © Claudia Engel (A)

Lediglich ein Mann verbüßt gerade seine Freiheitsstrafe wegen räuberischer Erpressung, nachdem er im Dezember 2019 in seiner Dorstener Wohnung verhaftet worden war. Der 32-Jährige legte vor Gericht eine Geständnis ab. Er hatte den Netto-Supermarkt an der Bochumer Straße überfallen und 300 Euro erbeutet.

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