Das landwirtschaftlich genutzte Grundstück am Kapellenweg soll nach Willen der Stadt nicht mehr bebaut werden. Darüber ärgern sich bauwillige junge Familien im Dorf Hervest. © Geonetzwerk Metropole Ruhr
Baugebiete

Tauschpläne der Stadt sorgen für Verdruss bei bauwilligen Bürgern

Die Stadt Dorsten will für das geplante Neubaugebiet an einer früheren Realschule drei „Tauschflächen“ nicht mehr bebauen. Einer der Vorschläge sorgt für Verdruss bei bauwilligen Familien.

Im Flächennutzungsplan der Stadt sind weitaus mehr Wohnbauflächen dargestellt als die Stadt laut Auflagen der Regionalplanungsbehörde ausweisen darf. „Insgesamt 34 Hektar zu viel“, laut Stadtbaurat Holger Lohse.

Konsequenz: Will sie irgendwo dort neue Wohnbau-Grundstücke zur Verfügung stellen, wo vorher eine Freifläche war, muss sie anderswo in derselben Größe Tauschflächen anbieten, die im Gegenzug nicht mehr bebaut werden dürfen. Und das sorgt jetzt für eine Menge Verdruss bei bauwilligen Bürgern in Dorf Hervest.

Drei Standorte im Auge

Denn da die Stadt im Marienviertel den Sportplatz der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Realschule und die umliegenden (Grün-)Fläche für ein neues Wohngebiet entwickeln will, muss sie anderswo Ersatz schaffen: Insgesamt 3,1 Hektar.

In Absprache mit dem Regionalverband Ruhr hat die Stadt drei Standorte im Auge: eine Fläche im Emmelkamp in Holsterhausen (1,8 Hektar), eine am Luner Weg in Hervest (0,7 Hektar) – und eine Fläche am Kapellenweg in Dorf Hervest.

Dass das Grundstück am Kapellenweg nach Willen der Stadt weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden soll, sorgt für Kritik bei bauwilligen Bürgern der jüngeren Generation in Dorf Hervest. Das wurde bei der jüngsten Sitzung des Dorstener Umwelt- und Planungsausschusses deutlich, in der die Politik nicht nur das neue Wohnviertel auf dem früheren Schulgelände auf den Weg bringen, sondern auch das „Tauschgeschäft“ absegnen sollte.

Auch die Bürger waren bei den Planungen für das Baugebiet an der Gerhart-Hauptmann-Realschule beteiligt © Claudia Engel © Claudia Engel

Zu Beginn der Sitzung meldete sich ein Bürger zu Wort, der sich darüber beklagte, dass es für junge Familien nun keine Chance mehr gebe, im Dorf Grundstücke zu erwerben, um bauen zu können. Seit Jahren sei kein Baugebiet mehr ausgewiesen worden. „Es gibt einige, die hier in der Feuerwehr oder in Vereinen verankert sind und unbedingt im Dorf leben und wohnen bleiben wollen.“

Stadtbaurat Holger Lohse erklärte, die Stadt sei bestrebt, möglichst innerhalb der jeweiligen Ortsteile Austauschflächen zu finden. „Ich stehe zu unseren Vorschlägen“, sagte er. Doch die Politik müsse entscheiden. „Man kann auch andere Flächen in Augenschein nehmen, wir sind noch ganz am Anfang des Verfahrens.“

CDU: „Noch Beratungsbedarf“

CDU-Sprecher Andreas Trotzer erklärte, dass seine Fraktion vor diesem Hintergrund noch Beratungsbedarf habe. Auch die anderen Parteien wollten sich noch nicht festlegen. So gab der Ausschuss zwar im Grundsatz der Flächennutzungsplanänderung für den Bereich der Gerhart-Hauptmann-Realschule statt. Der Auftrag an die Verwaltung, den Vorentwurf für das unter Mitwirkung von Bürgern und der „Initiative Zukunft Marienviertel“ geplante Baugebiet zu erarbeiten, wurde aber vertagt.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
Zur Autorenseite
Michael Klein

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt