„Tennislehrer-Skandal“: Mutter (32) schickte Missbrauchsfotos - dreieinhalb Jahre Haft

mlzLandgericht Essen

In einem Missbrauchs-Prozess gegen eine weitere Sex-Partnerin des früheren Dorstener Tennislehrers hat das Essener Landgericht eine Gefängnisstrafe verhängt - nach dem Urteil flossen Tränen.

Essen/Bottrop/Dorsten

, 09.03.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weil sie einem früheren Dorstener Tennislehrer Fotos von eigenen Missbrauchs-Übergriffen auf ihre kleine Tochter zugespielt hat, steht eine Verkäuferin (32) aus Bottrop jetzt vor dem Trümmern ihrer Taten. Das Essener Landgericht verhängte am Montag dreieinhalb Jahre Haft.

Sexuelle Handlungen an der damals dreijährigen Tochter

Die Angeklagte hatte im Prozess sofort zugegeben, sich in der ersten Jahreshälfte 2017 immer wieder mit dem damaligen Tennislehrer eines Dorstener Vereins getroffen zu haben. Im Laufe der Zeit habe sie dann dem Drängen des Tennislehrers nachgegeben und ihm mehrere Fotos von zuvor von ihr vorgenommenen, sexuellen Handlungen an ihrer damals dreijährigen Tochter zugeschickt. „Ich bekenne mich schuldig und bereue meine Taten“, sagte die 32-Jährige. „Erst im Nachhinein ist mir bewusst geworden, wie blöd ich damals gewesen und auf einen solchen Idioten reingefallen bin.“

Motiv war wohl ein Mix aus Verliebtheit und Blauäugigkeit

Kennengelernt hatte die Angeklagte den Dorstener Tennislehrer über ein Dating-Portal. Als Motiv für ihre Missbrauchstaten (unter anderem zwei Selfies mit abgelichteten Zungenküssen mit der Dreijährigen) beschrieb die 32-Jährige sinngemäß einen Mix aus Verliebtsein und Blauäugigkeit.

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Die Auswertung der Mobiltelefone des Tennislehrers und der Verkäuferin hatte ergeben, dass es mehrere Sex-Treffen in Bottrop gegeben hatte, bei der das Mädchen zumindest auch in der Wohnung gewesen ist. Dass die Dreijährige auch bei Sex im Raum gewesen sein könnte, stritt die Angeklagte vor Gericht vehement ab. „Ich habe ihm von Anfang an klar gesagt, dass ich das nicht will.“

Die wohl fühlbarste Strafe hatte die 32-Jährige bereit im Februar 2019 erhalten, als die Kriminalpolizei und das Jugendamt vor ihrer Tür gestanden hatten. Die Angeklagte verlor das Sorgerecht. Das Mädchen lebt nun bei ihrem leiblichen Vater.

Tennislehrer steht ein zweiter Prozess bevor

„Ich habe das Wichtigste verloren, was ich besessen habe: Mein Kind“, sagte die Angeklagte. „Damit ist mir der Boden unter den Füßen weggezogen worden.“

Einem ersten Prozess war der frühere Dorstener Tennislehrer im Februar 2019 wegen Anstiftung zum sexuellen Missbrauch zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Laut Urteil hatte der 39-Jährige in sieben Fällen Chatpartnerinnen dazu gebracht, ihre eigenen Kinder sexuell zu missbrauchen. Gegen den Ex-Tennislehrer wird seitdem intensiv weiter ermittelt.

Nach Angaben einer Kriminalpolizistin am Montag wurden weitere „über 90 Fallakten bundesweit angelegt.“ Eine Anklage für einen zweiten Prozess vor dem Essener Landgericht werde derzeit verfasst, hieß es.

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