Dorstener Tierärztin behandelt vierbeinige Patienten mit Cannabis-Wirkstoff

mlzCBD-Öl

Ein Joint für den kranken Hund? Natürlich nicht. Aber Tropfen aus der Cannabispflanze, die könnten Bello wieder auf die Beine helfen. Davon ist Tierärztin Dr. Susanne Ewens überzeugt.

Dorsten

, 07.03.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Bello wegen seiner Arthrose gar nicht mehr rausgehen mag oder der leicht demente Waldi Herrchen und Frauchen abends mit seiner Unruhe nervt, könnte vielleicht eine kleine Portion Cannabis helfen. Natürlich nicht in Form eines berauschenden Joints, sondern als öliger Tropfen.

CBD-Öle sind schon länger in Mode

CBD-Öle sind schon seit einiger Zeit „in Mode“ und haben jetzt auch die Tiermedizin erreicht. Die Dorstener Tierärztin Dr. Susanne Ewens ist von den positiven Wirkungen der CBD-Öle für ihre tierischen Patienten überzeugt.

Weil sie möchte, dass ihre vierbeinigen Kunden ein möglichst hochwertiges Produkt bekommen und das auch so individuell und passend dosiert ist wie möglich, will sie sich nicht länger auf Beschaffung und Eigenverordnung durch die Tierbesitzer verlassen.

Die Öle fürs Tier gibt es exklusiv bei Dr. Susanne Ewens

Sie ist eine Kooperation mit dem Dorstener Markus Kremer eingegangen, der gerade einen exklusiven Handelsvertrag für eine Hausmarke des weltweit agierenden Unternehmens Elexinol abgeschlossen hat. Neben den Human-Produkten unter dem Markennamen CBD-Box vertreibt Kremer auch die CBD-Öle für Tiere, die es in Dorsten nur bei Susanne Ewens in ihrer Praxis an der Droste-Hülshoff-Straße gibt.

Das ist CBD

Weibliche Hanfpflanze Cannabidiol ist ein natürlicher Bestandteil der Hanfpflanze, die bereits seit Jahrtausenden medizinisch genutzt wird. Es wird aus der weiblichen Hanf-Pflanze gewonnen. 1940 entdeckt, ist CBD eines von bisher 113 bekannten Cannabinoiden, die in der Cannabispflanze vorkommen.

Die erklärt die Anwendungsgebiete für CBD-Öle: „Das Cannabidiol wirkt entkrampfend, entzündungshemmend, angstlösend und gegen Übelkeit. Ob es anti-psychotisch wirkt, wird noch untersucht.“ Studien deuteten derzeit eher darauf hin, dass CBD-Öl das Immunsystem unterdrückt. Dr. Susanne Ewens: „Deshalb habe ich so meine Zweifel an dem Werbeversprechen, CBD-Öle wirkten als Immunstimulanz, mit dem in großen Anzeigenkampagnen derzeit Menschen zu Online-Bestellungen animiert werden sollen. Bewiesen ist die immunstimulierende Wirkung bisher auf jeden Fall weder für Menschen noch für Tiere.“

Ein Hanf-Produkt ohne Rausch und Abhängigkeitspotenzial

Fest stehe dagegen, dass Cannabidiol nicht abhängig mache und keinen Rausch verursache, weil es ohne die psychoaktive Substanz THC daherkomme.

Hanfgewächs

Psychoaktive Wirkung Die Cannabis-Pflanze gehört zur botanischen Gattung der Hanfgewächse (Cannabaceae) mit psychoaktiven Wirkstoffen. Die stärkste Wirksubstanz ist Tetrahydrocannabinol (THC).

Damit Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Benommenheit, Durchfall oder Schlafstörungen möglichst gar nicht erst auftreten, sei die passende Dosierung besonders wichtig. CBD-Öle für Tiere, von denen Markus Kremer drei Geschmacksrichtungen (neutral, Rind, Huhn) im Angebot hat, haben eine Konzentration von maximal zehn Prozent.

Von den bis zu fünf Meter hohen Hanf-Pflanzen werden die Blütenspitzen verwendet. Getrocknet und gepresst wird der Wirkstoff Cannabidiol (CBD) extrahiert und als Nahrungsergänzungsmittel verkauft.

Von den bis zu fünf Meter hohen Hanf-Pflanzen werden die Blütenspitzen verwendet. Getrocknet und gepresst wird der Wirkstoff Cannabidiol (CBD) extrahiert und als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. © picture alliance/dpa

Mit einem Tropfen fünfprozentiger Lösung fängt Susanne Ewens die Behandlung an. Das sind 2,5 mg Cannabidiol pro Tropfen. Zum Vergleich: In der Palliativmedizin liegt die Maximaldosis bei Krebspatienten bei 800 Milligramm pro Tag. Die Konzentrationen für das humanmedizinische Produkt reichen von 5 bis 20 Prozent.

Kein Arzneimittel, aber Nahrungsergänzung

CBD-Öle sind rezeptfrei zu haben, sie unterliegen nicht dem Arzneimittelgesetz, sondern gelten als Nahrungsergänzung. Ein großer Teil wird online vertrieben, in Apotheken gibt es die Tropfen mitsamt Beratung.

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Nach einer Woche mit einem Tropfen pro Tag hält Susanne Ewens Rücksprache mit dem Tierhalter. „Dann schauen wir, wie es dem Patienten geht und erhöhen gegebenenfalls vorsichtig die Dosis.“ Bei einer chronischen Erkrankung sollte man nach etwa drei Wochen erkennen können, ob sich die Beschwerden des Tieres gebessert haben. Diese Zeitschiene gelte in etwa auch für Menschen.

„Ein bisschen Geduld sollte man schon mitbringen, wenn man es mit CBD-Öl versucht“, empfiehlt die Tierärztin. Dieser Rat galt auch für ihre Mutter, der sie das Mittel gegen ihre Polyneuropathie (Nervenschmerzen) verordnet hat. Die erwägt nun, den demnächst mal wieder fälligen Cortisonzyklus wegen der deutlichen Besserung ihrer Beschwerden abzusagen.

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