Todesdrama am Schloss Lembeck: Jetzt haben die Gutachter das Wort

mlzLandgericht Essen

Nach dem tödlichen Ehedrama an Schloss Lembeck haben Ermittler und Gutachter alles untersucht. Trotzdem bleiben Fragen.

Lembeck, Essen

, 16.02.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Reifenspuren, Kleidung, Haare, Kratzer im Lack: Es gibt fast nichts, was die Gutachter nach dem tödlichen Ehedrama auf dem Parkplatz von Schloss Lembeck nicht unter die Lupe genommen haben. Trotzdem bleibt der genaue Hergang der dramatischen Ereignisse von September 2018 weiter unklar.

Der 79-jährige Angeklagte hatte im Mordprozess am Essener Landgericht erklärt, dass er gar nicht bemerkt habe, dass er seine Ehefrau überfahren habe. Sie sei plötzlich auf der Beifahrerseite aufgetaucht, da habe er Gas gegeben, den Wagen nach links gezogen und sei weggefahren.

Dekra-Experte skeptisch

Diese Version hält ein Sachverständiger der Dekra allerdings für technisch unmöglich. „Es ist ausgeschlossen, dass eine Person, die sich an der Beifahrertür aufhält, derart unter ein Fahrzeug kommt, dass man ihr quer über den Rücken fahren kann“, sagte der Gutachter den Richtern am Freitag. „Es sei denn, man würde aktiv drunterkrabbeln.“

Selbst bei einem Volleinschlag des Lenkrads nach rechts würde eine Person bei einem Sturz nur 30 Zentimeter unter das Fahrzeug rutschen können.

Die aus seiner Sicht wahrscheinlichste Version ist deshalb die, die auch in der Anklage steht: Die Ehefrau des Angeklagten ist durch das Anfahren des Autos gestürzt. Sie habe aufstehen und sich in Sicherheit bringen wollen, sei dabei jedoch von dem nun rückwärts fahrenden Auto überrollt worden.

Eindeutig von Hinterrad überrollt

Dass es ein Hinterreifen war, der die 65-Jährige überrollt hat, steht fest. Das haben Untersuchungen des Landeskriminalamtes ergeben. Das Reifenprofil war auf der Rückseite der Jacke der Getöteten zu sehen gewesen.

Der Tod ist damals praktisch sofort eingetreten. „Es ist alles ganz schnell gegangen“, sagte Iliana Tzimers, Rechtsmedizinerin an der Uni Essen, den Richtern am Freitag. „Die Frau ist verstorben, weil sie sehr schnell sehr viel Blut verloren hat.“ Grund seien Einrisse im Herzbeutel gewesen. „Alle Reanimationsmaßnahmen mussten leider ins Leere laufen.“

Opfer hatte noch ein Beweisfoto gemacht

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, seine Ehefrau am 30. September 2018 absichtlich überfahren zu haben, um sie loszuwerden. Der Bochumer hatte sich auf dem Parkplatz von Schloss Lembeck mit seiner heimlichen Geliebten getroffen, als er von seiner Frau erwischt wurde. Ihr hatte er erzählt, dass er zum Flohmarkt fahre.

Die Ehefrau hatte kurz vor ihrem Tod sogar noch ein Handyfoto vom Auto ihres Mannes gemacht – wahrscheinlich als Beweis für dessen angebliche Untreue. Der Prozess wird fortgesetzt.

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