Todesfahrt am Schloss: Staatsanwaltschaft will Urteil nicht hinnehmen

mlzLandgericht Essen

Im Prozess um das Todesdrama auf dem Parkplatz von Schloss Lembeck ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Das Strafverfahren könnte in die Fortsetzung gehen.

Lembeck/ Essen

, 26.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch nach dem Urteil im Prozess um das tödliche Ehedrama auf dem Parkplatz von Schloss Lembeck können die Akten nicht geschlossen werden. Wie am Donnerstag bekannt wurde, wird der Fall demnächst wohl auch den Bundesgerichtshof in Karlsruhe beschäftigen.

Tragischer Unfall oder kaltblütige Absicht? Über diese Frage war im Prozess am Essener Landgericht bis zuletzt gestritten worden. Die Richter hatten sich am Ende festgelegt und auf fahrlässige Tötung entschieden. Die Strafe: drei Jahre Haft.

Anklägerin war von absichtlicher Tötung überzeugt

Genau das will die Staatsanwaltschaft jedoch nicht akzeptieren und hat Revision eingelegt. Die Anklägerin hatte im Prozess neun Jahre Haft wegen Totschlags gefordert. „Die Frau ist gestürzt und lag am Boden. Das hat der Angeklagte im Rückspiegel gesehen und ist absichtlich rückwärts über den Körper gefahren“, hatte es in ihrem Plädoyer geheißen. Anfangs war sogar von einem Mord die Rede gewesen.

Der 79-jährige Angeklagte war nach der Urteilsverkündung nach mehr als sechs Monaten Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß gekommen. Daran wird sich auch nichts ändern. Wäre das Urteil rechtskräftig geworden, hätte der Rentner aus Bochum wahrscheinlich in einigen Wochen eine Ladung vom Gefängnis bekommen, um den Rest der Strafe abzusitzen. Dazu wird es nun erstmal nicht kommen.

Frau war auf dem Parkplatz verblutet

Der Angeklagte selbst hatte im Prozess immer beteuert, dass er seine Frau auf keinen Fall absichtlich überfahren habe. Sie müsse unter das Auto geraten sein, als er in Panik losgefahren sei.

Es war im September 2018, als der 79-Jährige sich auf dem Parkplatz von Schloss Lembeck mit seiner heimlichen Geliebten getroffen hatte. Was er nicht ahnte: Seine Ehefrau war ihm gefolgt und plötzlich an der Beifahrertür aufgetaucht.

Die 65-Jährige ist vom rechten Hinterrad seines schweren SUVs überrollt worden und war praktisch sofort tot. Eine Herzkammer war gerissen. Die Frau ist auf dem Parkplatz verblutet.

Entscheidung des Bundesgerichtshofs wird dauern

Ein Kfz-Gutachter war zwar zu dem Schluss gekommen war, dass die 65-Jährige rückwärts überrollt worden ist. Überzeugen konnte er die Richter jedoch nicht. Sie glauben, dass die Frau im Vorwärtsgang überfahren wurde. Sie müsse beim Anfahren zwischen Vorderrad und Hinterrad des Autos geraten sein, hieß es im Urteil.

Eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs wird frühestens in einigen Monaten erfolgen. Sollte das Urteil des Essener Landgerichts aufgehoben werden, müssten andere Richter erneut über den Fall verhandeln.

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