Auf jeden Fall ein wolfsähnliches Tier, vielleicht tatsächlich ein Wolf - gesichtet am frühen Donnerstagmorgen an der Marler Straße. © privat
Expertenmeinung steht noch aus

Trabte in der Frühe ein Wolf die Marler Straße entlang? (mit Video)

Morgens um 6.30 Uhr in Dorsten: An der Ecke Marler-/Bochumer Straße traut ein Autofahrer seinen Augen nicht. Trabt da etwa ein Wolf über den Gehweg? Könnte sein, sagt ein Experte.

Der Mann war am vorigen Donnerstag auf dem Weg zur Arbeit in der Innenstadt, als er das Tier auf der anderen Straßenseite entdeckte. Geistesgegenwärtig zückte er sein Handy und drehte ein super-kurzes Video.

Während der Passant davon überzeugt ist, einem leibhaftigen Wolf begegnet zu sein, wollen die Experten vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) das Video erst einmal ganz in Ruhe sichten.

Niels Ribbrock, Wolfsberater bei der Biologischen Station Lembeck, ist zuversichtlich, dass trotz der Kürze des Videos eine genaue Aussage möglich ist. „Man sieht das Tier von der Seite, und auch sein Bewegungsablauf ist gut zu erkennen. Da können sich die Experten vermutlich festlegen.“

Sollte es sich um einen Wolf handeln, wird keine genauere Identifikation möglich sein, denn anders als sein Artgenosse in Köln hat er offenbar keine weiteren Spuren hinterlassen. Weil der nach seinem Besuch im Kölner Stadtgebiet am 19. Mai in der Rheinaue vier Schafe getötet und vier weitere verletzt hatte, konnte ihn das Senckenberg Forschungsinstitut anhand von Speichelproben genau identifizieren.

Junge Wölfe sind gerade auf der Wanderschaft

Niels Ribbrock hat sich das kurze Video bereits angesehen und ein „wolfsähnliches Tier“ erkannt. Es handele sich eher nicht um einen normalen Hund. Derzeit sei die Wanderzeit der Wölfe, in der junge Wölfe sich ihr eigenes Revier suchen, erklärt er, „da ist es theoretisch schon mal möglich, dass sich ein Wolf in die Stadt verirrt.“

Der Stress mit Autos und Menschen lasse ihn jedoch in der Regel schnellstens einen Ausweg suchen. Der scheint in diesem Fall eher in Richtung Barloer Busch gelegen haben, wohin der mögliche Wolf sich schnurstracks hinzubewegen scheint, denn die Nähe zu Menschen sei nun mal nicht sein Fall.

Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Passant tatsächlich einen Wolf gesehen hat, werden die Experten aus Sachsen dem LANUV und der Öffentlichkeit in einigen Tagen mitteilen. Bis dahin wird der Mann auf dem täglichen Weg zur Arbeit auf tierische Überraschungen gefasst sein.

Im Wolfsgebiet Schermbeck ist es seit Wochen ruhig

Beim LANUV ist seit Langem bekannt, dass der Wolf in Europa in alte Lebensräume zurückkehrt, in denen er seit fast 180 Jahren ausgestorben war. Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es seit einigen Jahren wieder vereinzelte Hinweise auf durchziehende Wölfe. Einige bleiben ihrem Standort treu, zum Beispiel Wölfin Gloria im Wolfsgebiet Schermbeck, um deren Zukunft seit einiger Zeit heftig gestritten wird. Der letzte Nutztier-Riss in ihrem Territorium wurde am 1. März registriert. Auch in Haltern-Lavesum ist möglicherweise ein Wolf fotografiert worden.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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