Trauer, Sorge, Unmut: Reaktionen aus Dorsten auf den Kultur-Lockdown

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Die Coronakrise sorgt für einen neuerlichen Lockdown auch im Kulturbereich in Dorsten. Wieder werden Veranstaltungen verschoben oder ganz abgesagt. Hier eine Übersicht und Reaktionen.

Dorsten

, 30.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Agora des Gemeinschaftshauses Wulfen ist großzügig gestaltet, hier gibt es keine Probleme, Corona-Schutzmaßnahmen umzusetzen. „Wir haben dabei alles gegeben, bei jeglicher Form von Veranstaltung“, betont Leiterin Marlies Krause-Flaßbeck. Und gerade deshalb fühlt sich der November-Lockdown für das Team der AWO-Einrichtung an, „als würde uns der Boden unter den Füßen weggezogen“.

Auch die Kultur fällt hier für mindestens vier Wochen komplett flach. Schade vor allem deshalb, weil davon auch Dorstener Künstler betroffen sind: „Matthias Rauch lädt ein!“ auf den 1. Oktober 2021 verschoben, die „Sisters of Comedy“ mit Jutta Wilbertz - nun erst am 8. November 2021.

Auftrittsmöglichkeiten geschaffen

„Die letzten Veranstaltungen mit den leeren Plätzen dazwischen waren zwar merkwürdig, aber immerhin haben wir Künstlern so Auftrittsmöglichkeiten geben können“, blickt Krause-Flaßbeck auf die Aufführungen unter „Corona-Bedingungen“ zurück.

Aber sie weiß: Wäre statt des Lockdowns die Platz-Beschränkung offiziell noch weiter reduziert worden, hätte man die Gegenrechnung aufmachen müssen: „Unter 100 Leuten lohnt es sich nicht, es muss ja für die Technik, die Künstler und das Haus immerhin etwas an Einnahmen übrig bleiben.“

Es ging eigentlich wieder gut los - doch nun ist das Wulfener Gemeinschaftshaus erneut von dem Lockdown betroffen.

Es ging eigentlich wieder gut los - doch nun ist das Wulfener Gemeinschaftshaus erneut von dem Lockdown betroffen. © Privat

Und die Perspektive nach November? „Wir müssen jetzt die nächsten 14 Tage abwarten“, sagt sie. Ob das für den 4. Dezember mit der Stadtagentur geplante Projekt „Nachgewürzt on tour & Band“ als „schöner Jahresabschluss“ wird stattfinden können, sei mehr als fraglich.

Die Stadtagentur Dorsten muss auch Kultur-Veranstaltungen absagen. „Abgesehen davon, wie traurig das alles ist, haben wir damit gerechnet“, sagt Leiterin Sabine Fischer. Das betrifft zum Beispiel das Theaterstück „Tartuffe“, das am 9. November stattfinden sollte.

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Auch die Stadtagentur hat in jüngster Zeit unter „Corona-Bedingungen“ Veranstaltungen organisiert. Beispielswiese den Jazzfrühschoppen, der sonst immer Ende Oktober bei Maas-Timpert stattfindet, diesmal aber in der „Galerie der Traumfänger“ umgesetzt wurde. „Was super gelaufen ist. Aber statt der rund 150 Gäste waren es diesmal zwei Durchgänge mit jeweils rund 40 Gästen, um den ausreichenden Abstand einzuhalten.“

Sorge um die Künstler

Bei den Theateraufführungen sei es bislang so gewesen, „dass die Besucher ganz viel Verständnis und auch Disziplin gezeigt haben“, so Sabine Fischer: „Viele kämen aber erst gar nicht, weil sie zu den Risikogruppen gehören „und sich natürlich sorgen“. Angesichts des neuen Lockdowns hat sie die Sorge, dass uns „die Kultur, die Künstler und Veranstalter wegbrechen, wir müssen schauen, was wir dagegen tun können“.

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Selbst die Programmgestaltung für 2021 sei inzwischen schwierig. „Da wir schon Veranstaltungen aus dem Programm 2019/2020 verlegen mussten, müssen wir jetzt prüfen, was an den bisherigen Plänen überhaupt noch möglich ist.“

Auch der Förderverein Gnadenkirche Wulfen hat sich Mühe gegeben, unter schwierigen Bedingungen Angebote zu realisieren. „Am Sonntag war das Konzert mit dem Saxofonquartett Nexus ausgebucht“, sagt die künstlerische Leiterin Sabine Bornemann. „Die Menschen haben ein Bedürfnis nach Kultur, selbst wenn es nur kleine Veranstaltungen sind.“

Ausfallen muss nun das Benefizkonzert mit dem „Kiewer Orgeltrio“. „Absagen müssen wir wohl auch das A-Cappella-Chorkonzert, das in der Matthäuskirche stattfinden sollte“, sagt sie. Die große Kirche hat eigentlich Platz für 400 Besucher, von denen aber nur 100 freigegeben seien. Zwischen der Apsis und der ersten Zuschauerbank seien ungefähr zehn Meter Luftlinie: „Ich sehe da keine Gefahr, aber es wird eben einfach alles über einen Kamm geschoren“, so Sabine Bornemann. Für 2021 habe der Förderverein bereits wieder zehn Veranstaltungen organisiert: „Wir wollen uns nicht unterkriegen lassen.“

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