Trostreiche Abschiede mit ganz viel Nähe nach Corona nachholen

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Weil Abschiede sich in Coronazeiten wegen der Kontaktbeschränkungen unvollständig anfühlen, plädiert der evangelische Theologe Frank Maibaum für „Nach-Corona-Trauerfeiern“.

Dorsten

, 07.05.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Trauer braucht Nähe“, sagt der Pfarrer im Ruhestand, Frank Maibaum. „Und die ist derzeit nicht gegeben.“ Er hat in den vergangenen Wochen ein paar Beerdigungen unter Corona-Bedingungen erlebt - und sich Ende April mit einem Brief an die Leitung der Evangelischen Kirche in Deutschland gewandt. Denn der erfahrene Theologe, Pädagoge und Verhaltenstherapeut sorgt sich um die Trauerbewältigung, die aufgrund der Corona-Pandemie harten Beschränkungen unterliegt.

Pfarrer i.R. Frank Maibaum plädiert für „Nach-Corona-Trauerfeiern“.

Pfarrer i.R. Frank Maibaum plädiert für „Nach-Corona-Trauerfeiern“. © privat

Er wünscht jeder Trauerfeier einen „würdigen Abschluss“ und jedem Trauerfall einen „vollendeten Abschied“. Auch wenn inzwischen wieder mehr Teilnehmer bei Trauerfeiern erlaubt seien, „das eingeschränkte Abschiednehmen bedrückt viele Hinterbliebene nachhaltig“, weiß der Theologe und schlägt deshalb spätere „Nach-Corona-Trauerfeiern“ vor.

Derzeit bleibt der Abschied irgendwie unvollständig

Maibaum hat die Erfahrung gemacht, dass Hinterbliebene schon unter Kleinigkeiten, die bei Bestattungen nicht so funktioniert haben wie es eigentlich geplant war, lange leiden. Möglicherweise machen sie sich sogar Vorwürfe, weil sie wissen, dass sich ihr verstorbener Angehöriger seine Trauerfeier anders vorstellt hatte.

Auch für Freunde, Nachbarn, Kollegen und der Gemeinde seien die derzeit möglichen beschränkten Abschiedsrituale unvollständig. Für alle könne deshalb eine spätere Trauerfeier mit Öffentlichkeit und Nähe eine segensreiche Erfahrung sein.

Beim Jahresamt kann man sich gemeinsam erinnern

Ein Treffen in Kirche oder Friedhofskapelle mit Liedern und Musik, ein gemeinsamer Besuch des Grabes, an dem Kerzen angezündet oder Blumen niedergelegt werden könnten - so kann sich Frank Maibaum den nachgeholten Abschied vorstellen, und er appelliert an die Kirchenleitung, dass die Kirchen den Hinterbliebenen aus seelsorglichen Gründen und der Verantwortung der Gemeinde gegenüber diese „Nach-Corona-Trauerfeiern“ offensiv vorschlagen.

„Das kann zum Beispiel im Rahmen eines Jahresamtes geschehen“, sagt Frank Maibaum, „wo Trauernde gemeinsam Abschied nehmen und im Erinnern zusammen sein können, später, aber rückwirkend.“ Wo vor allem Nähe erlaubt ist, wo man sich in den Arm nehmen oder tröstend die Hand halten darf, wo keinerlei Unsicherheit wegen der geltenden Kontaktregeln die Konzentration auf Abschied und Erinnerung stört.

Pfarrer bittet seine Kirche um ein Zeichen der Hoffnung

Maibaum bittet seine Kirche um entsprechende Empfehlungen und praktische Hilfen für die Gemeinden. „Die Bedingungen für solche Trauerfeiern sollten so vereinfacht sein, dass sie für den jeweiligen Geistlichen keine unzumutbare Belastung darstellen.“ Und an Kommunen und Zeitungsverlage appelliert er, Trauerhallen und Anzeigenplatz zu Sonderkonditionen zur Verfügung zu stellen.

Regelungen für Beisetzungen gelockert

20 Personen dürfen Abstand haltend teilnehmen - Trauerhallen öffnen
  • In den Städten des Kreises Recklinghausen sind bei Trauergesellschaften nun bis zu 20 Personen zulässig sind – unabhängig vom Verwandtschaftsgrad.
  • In Dorsten können dabei auf städtischen Friedhöfen auch wieder Trauerhallen genutzt werden. Je zehn Quadratmeter Fläche darf sich eine Person in der Halle aufhalten. Die örtlichen Bestatter wurden über die Regelungen informiert.
  • Die Teilnehmer einer Beisetzung sollen ausreichend Abstand zueinander halten. Die Stadt Dorsten empfiehlt zudem, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen.
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