Über 5000 Kinderpornos auf dem Handy: Richter greifen durch

mlzLandgericht Essen

Ein Mann aus Altendorf-Ulfkotte sammelt in einer Tour kinderpornographische Bilder und Videos. Außerdem treibt er sich vor Schulen herum. Jetzt haben die Richter durchgegriffen.

Essen, Dorsten

, 06.11.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst sammelte er Kinderpornos, dann trieb er sich vor Schulen herum: Ein 28-jähriger Mann aus Altendorf-Ulfkotte ist am Donnerstag zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Damit haben die Richter am Essener Landgericht ein früheres Urteil des Amtsgerichts Dorsten in zweiter Instanz bestätigt.

Die Richter zeigten sich vor allem von der hohen Rückfallgeschwindigkeit alarmiert. Der Angeklagte war Dezember 2018 erstmals zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Auch damals ging es um Kinderpornographie.

Mädchen waren erst drei oder vier

Das Urteil war aber offenbar keine Warnung. Nur wenige Monate später hatte der 28-Jährige erneut damit begonnen, unfassbar schreckliche Bilder und Videos von kleinen Mädchen und erwachsenen Männern aus dem Internet herunterzuladen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung im vergangenen Sommer waren 5300 Dateien auf seinem Handy gefunden worden. Die Kinder, die darauf zu sehen waren, waren zum Teil erst drei oder vier Jahre alt. Bei einem Psychiater hatte der Altendorfer später erzählt, dass er sich auch schon in Gebüschen versteckt habe – in der Nähe von Schulen. Dabei habe er Kinder beobachtet und fotografiert.

Keine Freunde, kaum Hobbys

Im Prozess am Essener Landgericht sprach der Gutachter von „Hypersexualität“ mit einer pädophilen Nebenströmung. Damit würde der 28-Jährige die Leere und Langeweile in seinem Leben kompensieren. Er habe keine Freunde, keinen richtigen Job, kaum Hobbys. Auch wenn er im Moment therapeutische Hilfe in Anspruch nehme und sich nach eigenen Angaben nicht mehr auf kinderpornographischen Internetseiten tummele, sei er noch längst nicht stabil. „Der Risikofaktor, dass er wieder in alte Muster zurückfällt, ist hoch“, so der Psychiater vor Gericht.

Richter von Steigerung alarmiert

Was den Richtern große Sorgen bereitet, ist die Entwicklung. Erst seien nur Bilder gesammelt worden, dann habe sich der Angeklagte auch an Schulen herumgetrieben. „Das ist eine Steigerung“, so Richter Roland Wissel. Was komme als nächstes?

Der Angeklagte selbst hatte das Sammeln kinderpornographischer Bilder und Videos auch im Berufungsprozess gestanden. „Ich kann nur sagen, dass sich das nicht wiederholt“, sagte er den Richtern. Die Therapie sei da eine große Hilfe. „Ich würde sie gerne weiterführen.“

Therapie-Erfolg laut Urteil unklar

Die Richter am Essener Landgericht überzeugte das allerdings nicht. Es sei bis jetzt nicht einmal klar, ob die Therapie überhaupt anschlage. Außerdem sei der Angeklagte Bewährungsversager und habe nach der ersten Verurteilung praktisch sofort weitergemacht. An einer Gefängnisstrafe gehe deshalb kein Weg vorbei. Das Urteil ist allerdings immer noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte kann noch Revision einlegen.

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