Eine junge Frau aus Dorsten wurde wegen Internet-Betrugs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/dpa-tmn
Gerichtsprozess

„Überaus schäbig“: Junge Frau betrügt ihre eigene arme Mutter

Eine junge Frau aus Dorsten reißt die eigene arme Mutter in einen Betrugshandel hinein. Sogar das Konto der Seniorin wird deswegen gepfändet. Ankläger und Richterin finden harte Worte.

Die 61-jährige Sozialhilfeempfängerin hatte eh kaum Geld. „Und dann kamen plötzlich diese Schreiben von Inkasso-Unternehmen und vom Gerichtsvollzieher und ich wusste überhaupt nicht wieso“, erklärte die Frau am Mittwoch vor dem Dorstener Schöffengericht. Sogar ihr Konto wurde gepfändet – wegen 700 Euro, die sie nicht gezahlt haben soll.

Wie sich herausstellte, war es die eigene Tochter, die die arme Frau betrogen hatte. Die 28-Jährige aus dem Dorstener Stadtteil Holsterhausen musste sich dafür am Mittwoch im Saal 105 des Amtsgerichts verantworten.

„Ganz fieser Nachgeschmack“

„Das hat einen ganz fiesen Nachgeschmack, was Sie getan haben“, redete ihr Strafrichterin Lisa Hinkers ins Gewissen. Und auch der Staatsanwalt fand deutliche Worte für die Angeklagte: „Überaus schäbig“, sei ihre Tat – und zudem „sehr bescheuert“. Denn es war klar, dass sie über kurz oder lang auffliegen würde.

Denn die junge Frau, Mutter von zwei kleinen Kindern, bestellte zwischen August und November 2019 in diversen Internet-Portalen Waren auf Rechnung an ihre Adresse, verschleierte dabei aber ihre Identität. Sie gab nämlich den Namen ihrer Mutter an – die angelieferte Waren zahlte sie aber nicht. In zwei Fällen quittierte sie gegenüber den Paketboten digitale Empfangsquittungen mit dem Namenszug ihrer Mutter.

Rund 1.700 Euro Schaden

Zwölf Bestellungen waren es insgesamt, Schaden: rund 1.700 Euro. Vornehmlich waren es Kinderkleidung und Lernmaterialien, aber auch Lampen für die Wohnung. Trotz Unterhaltszahlungen für das erste Kind und Kindergeld, trotz eines Einkommens des Ehemannes in Höhe von 2.400 Euro sei das Geld knapp gewesen, erklärte die Frau. Und Freunde, die sie mit gebrauchten Kindersachen hätten unterstützen können, habe sie nicht.

Wie sie überhaupt auf die Idee kam, ihrer Mutter so zu schaden? „Einmal hat meine Mutter eine Bestellung von mir bezahlt, und dann habe ich einfach ohne Wissen weitergemacht“, so die 28-Jährige. Erst nachdem einige Forderungen aufgelaufen waren, hatte dann auch die lange gutgläubige Mutter ihre Tochter im Verdacht.

„Ich habe sie deshalb bei der Polizei angezeigt“, sagte die 61-Jährige aus. „Doch erst, als sie zu dieser Gerichtsverhandlung geladen wurde, gab sie mir gegenüber alles zu.“

Bewährungsstrafe

Das Schöffengericht verurteilte die bereits vorbestrafte Angeklagte zu zehn Monaten auf Bewährung und 360 Sozialstunden. „Sie haben Glück, dass sie zwei kleine Kinder haben, sonst wäre es eng geworden“, so die Richterin in der Urteilsbegründung. Den Schaden gegenüber der Mutter und den Gläubigern muss die 28-Jährige wiedergutmachen. Ansonsten droht ihr die Haft.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
Zur Autorenseite
Michael Klein

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt