Feinmotorik, Sensorik - Lehrer und Kinder- und Jugendmediziner können aus Beobachtungen von Schulneulingen Schlüsse für Förderbedarf ziehen. © picture alliance / Markus Scholz
Coronavirus

Überraschungspaket Schulneulinge: „Das wird ein besonderer Jahrgang“

Die Zahl der Schulneulinge ist groß. Ob aber alle 623 Kinder in Dorsten eine Schuleingangsuntersuchung zum Schulstart am 13. August absolviert haben? Das gilt als unwahrscheinlich.

Wiebke Selle ist Leiterin des Kinder-, Jugend- und zahnärztlichen Dienstes beim Kreis Recklinghausen. Wegen der Corona-Pandemie und des Lockdowns wurde dieser Dienst wochenlang lahmgelegt.

Das zeigt sich auch an der Zahl noch nicht erledigter Schuleingangsuntersuchungen bei den Schulneulingen. „Von 5400 Kindern kreisweit sind 1300 Kinder in den zehn Kreisstädten noch nicht untersucht worden“, sagt Selle. Das sei zwar eine deutlich kleinere Gruppe als in anderen Städten, die teils über 50 Prozent der Kinder noch nicht gesichtet hätten. „Aber es sind eben doch noch einige.“ Genaue Zahlen zu Dorsten konnte die Ärztin nicht liefern. „Das schlüsseln wir nicht nach Gemeinden auf“, so Selle.

Einige Sechsjährige dürften durchs Netz geschlüpft sein

Aber auch in Dorsten dürften einige Sechsjährige, die ab dem 13. August eine der Dorstener Grundschulen besuchen werden, noch nicht begutachtet worden sein. 623 Schulneulinge gibt es an den zehn Dorstener Grundschulen mit ihren drei Teilstandorten. In der Regel beginnt das Kinder- und jugendmedizinische Team des Kreises im September des Jahres vor der Einschulung mit den Schuleingangsuntersuchungen.

Das war auch dieses Mal so, bis die Corona-Pandemie die volle Aufmerksamkeit des kreismedizinischen Personals beanspruchte. „Seit Anfang März war die gesamte Belegschaft für den Infektionsdienst zur Kontaktverfolgung abgestellt“, sagt Wiebke Selle.

Kinder mit besonderem Förderbedarf

Jetzt, wo die Zahl der Infizierten im Kreis deutlich gesunken ist, „sind wir vor Ort wieder aktiv“. „Wir konnten in dieser Zeit viele Gutachten abarbeiten, insbesondere die Gutachten zu Kindern mit potenziell besonderem Förderbedarf“, sagt Wiebke Selle.

Ein besonderes Augenmerk liegt seit einigen Jahren aber auch auf der zahnmedizinischen Seite der Schuleingangsuntersuchung. 2018 hat der Kinder- und Jugenddienst einen bemerkenswerten Bericht zur Zahngesundheit der Kinder im Kreis vorgelegt. In Dorsten gibt es Stadtteile, in denen mehr als 50 Prozent der Kinder kranke Zähne haben. Sie leiden unter Karies oder Kreidezähnen. Diese Untersuchungen hätten in Coronazeiten leider ebenfalls nicht durchgeführt werden können, bedauert Wiebke Selle.

Es gibt erheblichen Aufholbedarf

Für die Mediziner und das medizinische Fachpersonal der Dependancen in Dorsten und anderswo gibt es also erheblichen Aufholbedarf. Wiebke Selle hofft, dass Eltern, Lehrern, Kindergärten und Mediziner an einem Strang ziehen, um die Versäumnisse aufzuholen. „Um einen Fehlstart einzelner Kinder zu verhindern, sind alle aufgerufen, sich bei uns zu melden, damit es nicht dazu kommt“, so Selle.

Aber auch ihr ist klar: „Die Schulneulinge 2020 sind ein besonderer Jahrgang.“

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Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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