Die Coronakrise hat Wirtschaft und Handel in Dorsten hart getroffen. Doch es gibt auch positive Signale in den schwierigen Zeiten. © Stefan Diebäcker (A)
Coronavirus

Umfrage: Wirtschaft in Dorsten ist für 2021 vorsichtig optimistisch

Der Lockdown im Frühjahr war richtig, die Mehrwertsteuersenkung überflüssig. Eine Umfrage dieser Zeitung zeichnet ein Stimmungsbild über die Situation der Dorstener Wirtschaft.

Welche Folgen hat die Corona-Pandemie bislang für Ihren Betrieb? Mit welcher Umsatzentwicklung rechnen Sie wegen der Corona-Pandemie für das Jahr 2020? Das sind zwei von 18 Fragen, die die Dorstener Zeitung Anfang Dezember Unternehmen aus dem Einzelhandel, der Gastronomie und des Handwerks sowie sonstigen Dienstleistern in Dorsten gestellt hat.

122 Unternehmen haben bis zum 13. Dezember an der Umfrage teilgenommen. Zu einem Zeitpunkt, als sich der zweite Lockdown zumindest schon abzeichnete, weil die Infektionszahlen konstant hoch blieben. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, zeichnen aber zumindest ein Stimmungsbild. Eine wichtige Erkenntnis: Nach einem harten Corona-Jahr 2020 sind viele Firmen für 2021 vorsichtig optimistisch. Auf einer Skala von 1 (hoffnungslos) bis 10 (sehr optimistisch) beträgt der Durchschnittswert aller Teilnehmer 6,3.

Ein Unternehmer schrieb: „Es nützt ja nichts, den Kopf in den Sand zu stecken!“

Weniger Kunden, logistische Engpässe – darunter haben viele Firmen in der Coronakrise gelitten. Doch fast ein Viertel der Teilnehmer hat höhere Umsätze registriert, jeder siebte hatte Bedarf an zusätzlichen Mitarbeitern.

Mehr Stress durch neue Vorschriften, ein „leicht erhöhter Aufwand bei der Koordination von Mitarbeitern im Homeoffice“ oder generell die Arbeitsüberlastung – all das sind nach Angaben von Teilnehmern Folgen der Coronakrise, die sich schwer in Zahlen fassen lassen.

Der „Ausfall sämtlicher Veranstaltungen“ oder „Umsätze im Reisebüro gegen Null“ lassen allerdings auch erkennen, dass manche Unternehmen ums Überleben kämpfen. Sechs Teilnehmer der Umfrage gaben an, von einer Insolvenz bedroht zu sein.

Mehr als die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer hat im Jahr 2020 Umsatzeinbußen verzeichnet, etwa jeder fünfte Betroffene von mehr als 50 Prozent. Aber: Ein Viertel aller Unternehmen schließt das Jahr 2020 mit einem Plus ab. Um über die Runden zu kommen, haben viele Firmen finanzielle Unterstützung in Anspruch genommen. Fast die Hälfte der Teilnehmer (48 Prozent) haben auf Kurzarbeitergeld, Soforthilfe, Steuerstundungen oder Tilgungsaussetzung von Krediten jedoch verzichtet.

Der Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft WinDor, Josef Hadick, warnte davor, alle Branchen über einen Kamm zu scheren. Es gebe auch in Dorsten eine starke Spreizung. „Das Handwerk ist sicherlich ganz oben, die Auftragsbücher sind voll. Die Gastronomie oder die Eventbranche sind dagegen ganz unten.“ Und: „Mit Beginn des zweiten Lockdowns wird sich manche etwas positivere Einschätzung womöglich noch mal ändern.“

Hadick bestätigte indes, dass es in der örtlichen Wirtschaft eine „sehr hohe Akzeptanz“ für die Corona-Maßnahmen in Dorsten gebe. Dass die Stadt in diesem Jahr ein sattes Plus bei den Gewerbesteuereinnahmen mache, habe mit dem „sehr guten Branchenmix“ zu tun. „In der Gesamtheit wirkt sich das positiv aus.“

Zum zweiten Mal in diesem Jahr müssen viele Händler ab dem 16. Dezember ihre Läden schließen. Den wochenlangen Lockdown im Frühjahr fanden 70 Prozent der Umfrage-Teilnehmer allerdings richtig. „Wichtige Veränderungen werden jetzt forciert. Die kollektive Entschleunigung und Rückbesinnung auf wirklich wichtige Werte war dringend notwendig“, lautete eine Stellungnahme.

Was offenbar nicht so gut ankam in Dorsten: die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer. „So eine zeitlich begrenzte Maßnahme bringt nichts“, meinte jeder Zweite.

Weitere Ergebnisse der Umfrage folgen in den nächsten Tagen. Wenn Sie sich zur wirtschaftlichen Situation in der Coronakrise äußern möchten, schreiben Sie uns eine E-Mail an redaktion@dorstenerzeitung.de .

Über den Autor
Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
Zur Autorenseite
Stefan Diebäcker

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.