Aufatmen bei Politik, Verwaltung und Anwohnern: Auch der Kreis möchte nicht mehr, dass in der Emmelkämper Brauck zwischen A 31 und Holsterhausen-Dorf ein Gewerbegebiet entsteht. © Guido Bludau (Archiv)
Industriegebiet

Umstrittenes Gewerbegebiet in Dorsten: Kreis macht einen Rückzieher

Aufatmen bei Stadt, Politik und Anwohnern in Dorsten: Der Kreis nimmt überraschend Abstand von einem umstrittenen Gewerbegebiet in Dorsten. Ob der RVR Ersatzflächen gewährt, ist fraglich.

Hiesige Vertreter von SPD und CDU hatten am späten Dienstagnachmittag in der Sitzung des Dorstener Umwelt- und Planungsausschusses noch einmal ausdrücklich betont, dass sie die Einschätzung der Kreisverwaltung zum umstrittenen Gewerbegebiet „Emmelkämper Brauck“ missbilligen würden – da waren sie aber schon ohne ihr Wissen von der aktuellen Entwicklung überrollt worden.

Denn der Kreis Recklinghausen hatte kurz zuvor einen Rückzieher gemacht – und das hat in Dorsten jetzt für Aufatmen gesorgt: Er will sowohl den „Emmelkamp“ in Holsterhausen als auch den Gewerbestandort „Dillenburg“ (Datteln/Oer-Erkenschwick) jetzt doch nicht für den Regionalplan des Ruhrgebiets vorschlagen. In Datteln und Dorsten hatten sich die Stadträte gegen die Ansiedlung von Unternehmen auf diesen landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgesprochen.

Kreis geht Risiko ein

Der Kreis geht mit der Kurskorrektur allerdings das Risiko ein, Flächenkontingente für die Wirtschaft zu verlieren. Die „Emmelkämper Brauck“ gehört zu den fünf „Regionalen Kooperationsstandorten“ im Kreis Recklinghausen, die im neuen Regionalplan des Regionalverbandes Ruhr (RVR) planerisch abgesichert werden sollen. Im gesamten Ruhrgebiet gibt es 24 solcher Gebiete für gewerbliche und industrielle Nutzung. Gesamtgröße: 1.300 Hektar.

In seiner Stellungnahme zum Regionalplan (den das Ruhrparlament noch beschließen muss) will der Kreis jetzt nur noch die drei Standorte zur Realisierung benennen, die im Vest unstrittig sind. Drunter auch die Flächen „Südlich Schwatten Jans“ in Marl/Dorsten (26 Hektar).

„Nicht gegen die Städte agieren“

Die Wende der Kreisverwaltung kam überraschend. Denn im Entwurf der Stellungnahme, die dem Kreis-Wirtschaftsausschuss am Dienstag zur Beratung vorlag, hieß es noch, dass alle fünf Standorte regionalplanerisch gesichert werden sollen. Landrat Bodo Klimpel (CDU) erklärte am Dienstag noch vor der Sitzung, der Kreis wolle nicht gegen Beschlüsse der Stadträte agieren.

Doch gegen den Willen der Städte hätten an den umstrittenen Standorten ohnehin keine Unternehmensansiedlungen erfolgen können, weil die Kommunen immer noch die Planungshoheit besitzen.

Erwartungen gedämpft

Die Kreisverwaltung will nun mit dem RVR darüber verhandeln, ob die rund 120 Hektar Fläche, die für „Dillenburg“ und „Emmelkamp“ vorgesehen waren, an anderer Stelle im Vest umgesetzt werden können. Peter Haumann, Fachbereichsleiter im Kreis, dämpfte allerdings die Erwartungen: „Die Kontingente stehen dem Kreis nicht automatisch zu.“ Sie würden wieder in den Topf für das gesamte Ruhrgebiet wandern.

Die Stadt Dorsten hat mit dem „Rüster Feld“ auf dem Gebiet der Gemeinden Dorsten und Schermbeck schon eine Ersatzfläche ins Spiel gebracht.

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Geboren 1960 in Haltern am See, aufgewachsen in Marl und jetzt wohnhaft in Dorsten: Ein Mensch, der tief verwurzelt ist im Kreis Recklinghausen und dort auch seit mehreren Jahrzehnten seine journalistische Heimat gefunden hat. Schwerpunkte sind die Kommunal- und Regionalpolitik sowie Wirtschafts- und Verbraucherthemen.
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Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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