Umweltschützer sprüht vor Zorn, weil Straßen.NRW Biozid versprüht

mlzEichenprozessionsspinner

Dass Straßen.NRW ein Biozid gegen Eichenprozessionsspinnerraupen einsetzt, will ein Leser nicht einfach schlucken: „Diese Biozide töten nicht nur die Raupen, sondern auch andere Lebewesen.“

Dorsten

, 12.11.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Leser Dietmar Claus sprüht vor Zorn, nachdem er unseren Artikel über den Biozideinsatz von Straßen.NRW an von Eichenprozessionsspinnerraupen besonders befallenen Wegen und Trassen in unserem Medium gelesen hat.

Er sagt: „Da ich mich intensiv mit den eingesetzten Bioziden beschäftigt habe, kann ich mitteilen, dass diese nicht nur wesentlich zum Insektensterben und damit auch zum Sterben von Vögeln und sonstigen Insektenfressern, wie Igeln, beitragen, sondern auch zur Massenvermehrung des Eichenprozessionsspinners.“ Er hält den Einsatz von Straßen.NRW für „verantwortungslos“ und „umweltschädigend“.

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Straßen.NRW setzt seit Neuestem im Kampf gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners auf den Bacillus Thuringiensis (Dipel ES). Dieses Biozid habe sich im Kampf gegen Eichenprozessionsspinner bewährt, meint Straßen.NRW und sei auch erlaubt. Um die Einsätze effektiv gestalten zu können, hat Straßen.NRW neue Einsatzfahrzeuge mit Sprühdüsen angeschafft. Die werden im kommenden Frühjahr u.a. an stark befallenen Streckenabschnitten in Dorsten eingesetzt.

Kritik an Einsätzen gibt es des Öfteren

Frank Hoffmann, Sachgebietsleiter Betrieb und Verkehr, ist Kritik an Einsätzen seiner Behörde nicht fremd. „Wir können es nicht allen Menschen recht machen. Das Biozid ist ein zugelassenes Mittel und wir setzen es zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit an Straßen und Wegen ein“, sagt Hoffmann. Im Frühjahr 2020 habe Straßen.NRW in einem besonders befallenen Gebiet „mannshohe Nester“ mit diesen Schädlingen ohne Biozidhilfe abräumen müssen: „Eine Woche später waren die Bäume wieder voll damit.“ Der Einsatz mit dem Dipel ES sorge dafür, dass die Eichenprozessionsspinnerbestände dezimiert werden.

Vogelbrut und Igel gehen nach dem Verzehr ein

„Aber auch viele Tierarten, die sich von Raupen ernähren“, entgegnet Dietmar Claus. Zum Beispiel Vogelbrut, die nach dem Füttern mit diesen kontaminierten Raupen zugrunde gingen. Oder auch Igel, die sich von den Insekten ernährten. Und nicht zuletzt andere Falterarten. „Die sterben genauso wie die Eichenprozessionsspinnerraupen ab.“

Verboten ist der Einsatz des Biozids nicht. Allerdings empfiehlt das Bundesumweltministerium seit 2019 vor jeder Bekämpfungsmaßnahme eine Risiko-Nutzen-Abwägung. „Eine vorsorgliche Ausbringung des Biozidprodukts ohne einen zuvor festgestellten Befall anhand von Monitoringdaten ist nicht zulässig“, heißt es auch. Stattdessen solle geprüft werden, ob nicht eher mechanische Entfernung der Raupen und Nester oder zeitweises Absperren der betroffenen Areale möglich seien.

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