Sicherheitspoller in der Dorstener Fußgängerzone bieten Angriffsflächen - für Raucher

mlzUmweltverschmutzung in Dorsten

Wohin mit den Zigarettenkippen in der Fußgängerzone? Sie auf den Boden zu schnippen, ist verboten. Raucher haben einen „Aschenbecher“ am Essener Tor aufgespürt - der ist aber ungeeignet.

Dorsten

, 31.01.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stadt hat ihren Bußgeldkatalog überarbeitet. Kleine Umweltsünden werden mit hohen Bußgeldern belegt. 100 Euro kostet es etwa, wenn man eine Zigarettenkippe achtlos auf den Boden oder ins Baumbeet wegwirft und dabei erwischt wird.

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Findige Raucher oder solche, die glauben, sauber zu sein, haben in der Dorstener Fußgängerzone eine Möglichkeit gefunden, ihre Kippe vermeintlich vorschriftsmäßig zu entsorgen: auf einem Sicherheitspoller an der Essener Straße. Der konnte wegen der Bauarbeiten in der Essener Straße nicht abgesenkt werden. In der Folge häuften sich die Kippen auf dem Poller.

Poller sind aus Sicherheitsgründen aufgestellt worden

Die Poller erfüllen eigentlich nur einen Zweck: Menschen, die in terroristischer Absicht in die Fußgängerzone in der Altstadt mit Fahrzeugen hineinbrettern wollen, sollen so von ihrem schändlichen Tun abgehalten werden.

In den Hauptzufahrten zur Altstadt, in der Lippestraße, Klosterstraße, Essener Straße und Recklinghäuser Straße, wurden 2019 vollautomatische Abwehr-Poller installiert, in zwei Nebenstraßen (Hühnerstraße und Im Kühl) wurden halbautomatische Poller aufgestellt. Insgesamt 46 sind es.

Kein Abfalleimer und auch kein Aschenbecher

So auch im Eingangsbereich Essener Tor der Fußgängerzone. Sie sind aber keine Abfalleimer, geschweige denn Aschenbecher. Obwohl der flache „Teller“ auf den etwa einen Meter hohen Pollern Vorbeiflanierende augenscheinlich dazu einlädt, Kippen auf ihm auszudrücken.

Mit Kippenresten bestückt ist der „Abschlussteller“ eines Pollers direkt vor dem Dili-Grill: „Das sind nicht wir und das waren auch nicht unsere Gäste“, sagt ein Mitarbeiter des Imbiss entschieden. Das seien Passanten gewesen, die die Zigaretten dort hinterlassen hätten.

Direkt vor dem Denkmal am Essener Tor

Da, wo Schaf, Bauer und Bürger in der Essener Straße zu Hause sind, die als Denkmal symbolisch für den Brauch des „Schafholens“ stehen, weil die Dorstener Schützen 1585 den Bauern bei der Belagerung ihres Landstrichs zur Hilfe gekommen waren und die sich im Gegenzug alle sieben Jahre mit einem Schaf für die Schützenhilfe bedanken wollten, wird der gerade erneuerte Eingangsbereich zur Altstadt durch diese Umweltsünde beeinträchtigt.

Achtlos weggeworfene Kippen säumen überall den Weg in die Stadt. Die Stadtverwaltung hat angekündigt, einzugreifen: Kontrollen sollen erhöht, solche Umweltsünder härter bestraft werden. Zunächst mit 100 Euro, im Wiederholungsfall mit noch höheren Beträgen.

15 Jahre Abbauzeit für einen einzigen Zigarettenstummel

Was vielen Rauchern vielleicht egal oder auch nicht bewusst ist: Es dauert 15 Jahre, bis sich ein Zigarettenstummel abbaut. Die Überreste der Glimmstängel enthalten Schadstoffe wie Kupfer, Arsen und Blei. Das belastet Böden und Grundwasser.

Das ist ein Abfalleimer mit separatem Aschenbecher: Hier können Raucher ihre Kippen ausdrücken und entsorgen.

Das ist ein Abfalleimer mit separatem Aschenbecher: Hier können Raucher ihre Kippen ausdrücken und entsorgen. © Claudia Engel

Die achtlos weggeworfenen Überreste des Zigarettenkonsums stinken vielen Dorstener Bürgern. Die CDU Altstadt dazu: „Viele Raucher scheinen nicht zu wissen, dass sich in den neuen Papierkörben in der Fußgängerzone extra eingebaute Aschenbecher finden.“ Übrigens: Nur wenige Meter von dem Sicherheitspoller entfernt steht ein solcher, sehr gut geeigneter Abfallbehälter.

Am Freitag dürften sich einige Fußgänger noch mehr ärgern. Dann werden die Poller für den Lieferverkehr abgesenkt. Die Zigarettenstummel liegen dann ganz sicher auf dem Boden herum.

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