Dieser Rehbock hatte sich am Samstag gegen Abend in einem umzäunten Garten in einem Wohngebiet im Dorstener Stadtteil Hervest verirrt. © Privat
Tiergeschichte

Ungewöhnlicher Gast im Wohngebiet: Rehbock verirrt sich in Garten

Eine Hausbesitzerin in einem Wohngebiet in Dorsten traute ihren Augen nicht: In ihrem umzäunten Garten ließ sich ein besonderer Besucher nieder. Das könnte einen bestimmten Grund haben.

Holger Bekeschus bekam den Anruf seiner Mutter am Samstag (23. Januar) um 15.45 Uhr: „Die Bundesligaspiele waren kurz vorher angepfiffen worden“, erzählt er. Doch statt Fußball stand für den Holsterhausener ein spontaner „Notfall“ auf dem Nachmittags-Programm. „Meine Mutter sagte mir „da steht ein Tier mit Hörnern in ihrem Garten“.

Als er nach ein paar Minuten am Haus seiner Mutter Christa Bekeschus am Meisenweg im Stadtteil Hervest ankam, traute er seinen Augen nicht. Denn es war ein wirklich ungewöhnlicher Gast, der sich da „apathisch und verstört“ auf dem Rasen vor der Terrasse niedergelassen hatte. Ein ausgewachsener Rehbock, wohl zwei, drei Jahre alt.

„Keine Ahnung, wie er es dorthin geschafft hat“, sagt der Dorstener. Denn das Haus liegt in einem Wohngebiet, der Garten ist nahezu vollständig von einem hohen Kunststoffzaun umgeben. „Auch über die Gartenhecke kommt so ein Tier nicht einfach drüber“, betont er. „Doch irgendwie muss sich das Reh da doch durchgeschlängelt haben.“

Jäger-Rat: „Ruhe bewahren“

Was also tun? Holger Bekeschus rief die Feuerwehr an. „Die sagte mir, dass sie den für diese Gegend zuständigen Jagdpächter informieren würde.“ Franz Josef Gövert heißt dieser erfahrene Jäger, sein Rat: „Ruhe bewahren, Hektik und Störung vermeiden.“

Die Lippeaue in Dorsten-Hervest. Hier sind schon mal Rehe anzutreffen.
Die Lippeaue in Dorsten-Hervest. Hier sind schon mal Rehe anzutreffen. © Privat © Privat

Goldrichtig: „Das Reh hatte sich in der Dämmerung bereits in eine andere Gartenecke bewegt und war noch vor dem nächsten Morgen weg“, so Holger Bekeschus. „Denn Spuren im Neuschnee haben wir da nicht gefunden.“ Er geht davon aus, dass sich das Wildtier zurück in die nahe gelegene Lippeaue gemacht hat.

„Abseits der Wege unterwegs“

Doch wie kommt es eigentlich, dass sich ein Reh in ein Wohngebiet verirrt? Denn es ist sehr selten, dass sich die scheuen Tiere in die Nähe von Menschen wagen. Hermann Wolf, Leiter des Hegerings der Herrlichkeit Lembeck, geht davon aus, dass die Corona-Zeit damit zu tun hat.

„Ich habe die Beobachtung gemacht, dass viel mehr Menschen als sonst draußen spazieren gehen, auch abseits der normalen Wege und das auch mit ihren Hunden.“

Deswegen würden sich die in den heimischen Wäldern und Auen lebenden Tiere „gestört und unter Druck gesetzt fühlen“, so der Experte. „Und dann verlassen sie ihr Refugium und suchen woanders Ruhe“ – und das dann vielleicht auch mal in einem Garten am Meisenweg.

Begegnung mit einem Emu

Für Holger Bekeschus war dies übrigens nicht die erste überraschende Begegnung mit einem Tier. „Vor zehn Jahren bin ich am Blauen See einem Emu über den Weg gelaufen“, sagt er. „Die Polizei wollte mir erst gar nicht glauben, als ich sie angerufen hatte.“ Der Laufvogel war damals von einem Bauernhof in der Nähe ausgebüxt.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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