Vater unter Schock: „Plötzlich wurde unsere Wohnungstür aufgeschossen“

mlzMisslungener SEK-Einsatz

Ein Vater sitzt mit seiner kleinen Tochter auf der Couch im Wohnzimmer, als ihnen plötzlich mit Getöse die Wohnungstür um die Ohren fliegt. So geschehen am Dienstagabend in Barkenberg.

Wulfen-Barkenberg

, 13.05.2020, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf dem Sofa saßen an diesem Abend Peter Hardes (43) und sein zweieinhalb Jahre altes Töchterchen. Dann spielte sich alles wie im Film ab. „Plötzlich und völlig unerwartet wurde unsere Wohnungstür aufgeschossen. Direkt danach sind gleich mehrere Beamte auf mich drauf und haben mich mit ihren Maschinengewehren und Handfeuerwaffen bedroht. Meine Tochter saß neben mir auf der Couch und hat nur geschrien. Wir waren und sind noch total geschockt.“ Das schildert der Vater am Tag nach dem Polizeieinsatz in seinem Wohnhaus an der Barkenberger Allee. SEK-Einsatzkräfte hatten sich in der Wohnung geirrt.

Das Schloss wurde regelrecht aufgesprengt

An der Wohnungstür kann man noch heute die Spuren des Einsatzes sehen. Das Schloss wurde regelrecht aufgesprengt, schwarze Rußspuren sind auf dem weißen Türblatt zurückgeblieben. In der daneben liegenden Küchentür sieht man deutlich ein großes Loch in Kopfhöhe des Kindes, das von einem Schuss stammen soll. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das Kind hier zufällig gestanden hätte. Trotz notdürftiger Reparatur schließt die Tür nicht mehr richtig.

Peter Hardes und seine Tochter saßen auf der Couch im Wohnzimmer. Er hatte ein langes Messer in der Hand, um damit eine Wassermelone zu zerkleinern, als die Einsatzkräfte einfielen.

Peter Hardes und seine Tochter saßen auf der Couch im Wohnzimmer. Er hatte ein langes Messer in der Hand, um damit eine Wassermelone zu zerkleinern, als die Einsatzkräfte einfielen. © Guido Bludau

Die Familie ist auch am Tag danach noch total geschockt. Die richtige Wohnung war nur wenige Meter entfernt, ein paar Stufen höher gelegen. Zum Zeitpunkt des Polizeieinsatzes saßen Peter Hardes und seine Tochter auf der Couch im Wohnzimmer. Er hatte ein langes Messer in der Hand, um damit eine Wassermelone zu zerkleinern, erzählt der Barkenberger.

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SEK stürmte die falsche Wohnung

Genau in diesem Moment wurde die Tür aufgesprengt und jede Menge Spezialkräfte stürmten in die Wohnung. Sie hätten „Messer runter, Messer runter!“ geschrien und Peter Hardes festgehalten. Es dauerte einige Minuten, bis den Beamten klar wurde, dass sie die falsche Wohnung erwischt hatten. Dann ging alles ganz schnell. Nach einer kurzen Entschuldigung ging es raus und weiter in die Nachbarwohnung. Hier waren die Beamten dann augenscheinlich richtig.

Peter Hardes zeigt die Schäden, die die Polizei angerichtet hat.

Peter Hardes zeigt die Schäden, die die Polizei angerichtet hat. © Guido Bludau

Peter Hardes hätte gerne eine Entschuldigung

Peter Hardes war am Mittwoch immer noch völlig fertig. „Ich will jetzt keine Polizeibeamten verklagen, da sie ja eigentlich nur ihren Job gemacht haben. Aber ich hätte mir gewünscht, dass sie im Vorfeld genauer prüfen, welche Wohnung sie stürmen. Im Nachhinein geht es uns vor allem um unsere Tochter. Ich möchte, dass sie diesen Schreck möglichst schnell und gut überwindet. Sie steht immer noch voll neben sich. Vielleicht kommt jemand von der Polizei noch einmal persönlich vorbei, um sich bei meiner Tochter zu entschuldigen und ihr zu erklären, dass sie einen Fehler gemacht hat“, sagte Peter Hardes.

So sahen die Einsatzkräfte aus, die zunächst die falsche Wohnung stürmten.

So sahen die Einsatzkräfte aus, die zunächst die falsche Wohnung stürmten. © Guido Bludau

Um die kaputten Türen muss sich Peter Hardes erst einmal selbst kümmern. Zwar habe man ihm versichert, dass alles bezahlt werde, aber eine Reparatur dauere.

Außerdem hofft er auch ein wenig, dass für alle in der Siedlung deutlich wird, dass nicht seine Familie gemeint war und sie eigentlich nur das unschuldige Opfer waren. Der Großeinsatz der Polizei sorgte nämlich nicht nur im Haus, sondern auch in der gesamten Nachbarschaft für großes Aufsehen.

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