Die Spannung wächst: Wer bekommt einen Kita-Platz und wer geht leer aus?

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Gibt es einen Kita-Platz? Wie weit ist er von zu Hause weg? Bei vielen Dorstener Familien wächst die Spannung, denn das Vergabeverfahren neigt sich dem Ende zu. Es gibt auch schon Panik.

Dorsten

, 24.02.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kann das Kind ab Sommer in die Kita gehen? Können beide Elternteile ihre Berufstätigkeit wieder aufnehmen? Braucht die Familie womöglich ein zweites Auto, um den Nachwuchs zu einer entfernt liegenden Kita zu chauffieren, weil man in der Nachbarschaft keinen Platz ergattern konnte? Spannende Zeiten für junge Familien, und in manchen Stadtteilen, zum Beispiel in Rhade, ist schon Panik ausgebrochen.

Derzeit läuft das Anmeldeverfahren für die Tagesbetreuung. Nach Auskunft der Stadt wird das formale Verfahren am 15. März abgeschlossen sein. „Bis heute“, so teilte Stadtsprecher Ludger Böhne auf Anfrage der Redaktion am Mittwoch mit, „sind bereits 589 Betreuungsverträge in den Tageseinrichtungen abgeschlossen worden.“ Dabei habe die Stadt gute Erfahrungen mit dem neuen Kita-Navigator gemacht, das als neues Online-Vormerksystem gut gestartet sei und von den Familien sehr gut angenommen werde.

Bei Absagen hilft das Amt für Familie weiter

Böhne: „Es sind viele Kinder - vor allem Kinder von unter einem Jahr bis zum zweiten Lebensjahr - für das kommenden Kindergartenjahr vorgemerkt worden.“ Auch eine Familie aus Rhade hatte im Kita-Navigator drei Wunsch-Einrichtungen angegeben. Die Mutter eines Jungen, der im Sommer als Dreijähriger seine „Kita-Karriere“ beginnen sollte, weiß schon seit Anfang Februar, dass es für ihren Sprössling keinen der gewünschten Plätze geben wird. Sie appellierte bei Facebook an alle betroffenen Eltern, sich möglichst schnell beim Amt für Familie zu melden, damit die Stadt die Not der Eltern frühzeitig erkennen könne.

Das ist kein Geheimtipp, denn dazu rät die Stadt ganz offiziell auch selbst. Am 4. Februar seien erste Absagen verschickt worden, erklärt Ludger Böhne. „Die Eltern erhalten dabei gleichzeitig das Angebot, sich an das Amt für Familie und Jugend zur weiteren Unterstützung zu wenden. Die Mitarbeiterinnen helfen den Eltern, alternative Betreuungsmöglichkeiten, zum Beispiel in anderen Tageseinrichtungen oder in der Tagespflege zu finden.“

Haben Kinder unter drei Jahren die besseren Chancen?

Für die Familie aus Rhade könnte das bedeuten, dass der Junior täglich bis zu 18 Kilometer chauffiert werden muss zum Kindergarten. Sofern sich nicht noch was tut im Nachrückverfahren. Die Mutter ist enttäuscht: „Ich glaube, für Kinder unter drei Jahren stehen die allgemeinen Chancen besser. Wir haben uns entschlossen, unseren Sohn in den ersten drei Jahren zu Hause zu betreuen und haben jetzt das Gefühl, dadurch unsere Chancen auf einen Platz deutlich verschlechtert zu haben.“

Ob die Situation in Rhade dramatischer ist als in anderen Stadtteilen, haben wir bei der Stadt ebenfalls nachgefragt. Und auch, ob Wege von bis zu 17 Kilometern zum Kindergarten zumutbar sind. Ebenso wie die Frage nach den Vergabe-Kriterien, die manchen Eltern offenbar nicht nachvollziehbar erscheinen, sind diese Fragen von der Stadt nicht beantwortet worden.

Dafür gab es einen Ausblick auf bessere Zeiten: „Wie jedes Jahr werden bis zum Start des Kindergartenjahres noch viele Gespräche zu führen und Einzellösungen zu suchen sein. Spätestens mit der Eröffnung des neuen Kindergartens in Holsterhausen (derzeit im Bau) wird es sicherlich gelingen, für alle Kinder über drei Jahren einen Betreuungsplatz anbieten zu können – wenn auch nicht immer in der Wunsch-Kita.“

160 Tagespflegeplätze ergänzen das Kita-Angebot

Für dieses Kindergartenjahr werde darüber hinaus eine Tageseinrichtung in den Räumen der ehemaligen Ganztagsschule der Agatha-Schule mit 25 Plätzen für über dreijährige Kinder angeboten. Eine weitere neue Gruppe mit 20 Plätzen für unter und über dreijährige Kinder ist bereits im Herbst des vergangenen Jahres an der Heinrichstraße in Holsterhausen an den Start gegangen.

160 Betreuungsplätze in der Tagespflege ergänzen das Angebot in der der Tagesbetreuung. Diese werden nach Auskunft der Stadt gerade für junge Kinder bevorzugt von Familien gewählt und angenommen.

Die Stadt plant weitere neue Tageseinrichtungen: in Wulfen auf dem Grundstück an der Marktallee, in Hervest auf dem Grundstück der Hohefeldstraße, auf der Hardt auf dem Grundstück der Ziegelstraße. In Holsterhausen am Antoniusplatz sollen schon ab November dieses Jahres 80 Kinder im Alter von eins bis sechs Jahren betreut werden.
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