Wegen weiterer Vergewaltigungsvorwürfe muss sich ein ehemaliger Boxweltmeister ab 16. Juni erneut vor Gericht verantworten. © Joachim Lücke (Archiv)
Prozessauftakt

Vergewaltigung: Ex-Boxweltmeister droht eine noch längere Haftstrafe

Ein ehemaliger Boxweltmeister aus Dorsten steht ab dem 16. Juni erneut vor Gericht. Wieder geht es um Vergewaltigung. Seine mutmaßlichen Opfer waren zur Tatzeit noch minderjährig.

Nach monatelangen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Essen im März 2020 erneut Anklage erhoben gegen einen ehemaligen Profiboxer, der viele Jahre in Dorsten lebte und trainierte. Und wieder wird es vor dem Landgericht Essen u.a. um Vergewaltigung gehen.

Der 29-Jährige wird aus dem Gefängnis vorgeführt. Denn dort sitzt er seit 2019 eine Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten ab – ebenfalls wegen Vergewaltigung einer damals 15-Jährigen. Dieser Prozess und die Berichterstattung hatten zwei inzwischen erwachsene Frauen offenbar darin bestärkt, ebenfalls Anzeige zu erstatten. Jahrelang hatten sie wohl aus Scham geschwiegen.

Opfer in den sozialen Medien kennengelernt

Laut Anklageschrift soll der frühere Kickbox-Weltmeister im Sommer 2011 ein damals 14-jähriges Mädchen vergewaltigt haben. Der Angeklagte selbst war damals 19 Jahre alt und somit aus juristischer Sicht noch Heranwachsender. Vier Jahre später soll er die junge Frau erneut getroffen und in deren Wohnung vergewaltigt haben.

Zwischen diesen beiden Taten verging sich der ehemalige Profiboxer laut Anklageschrift im Mai oder Juni 2013 auf einem Parkplatz in einem Waldstück an einer damals 15-Jährigen. Kennengelernt haben soll er seine Opfer in den sozialen Medien.

Zum ersten Mal war der frühere Sportstar vor fünf Jahren wegen Körperverletzung verurteilt worden: 20 Monate auf Bewährung. Der Boxer hatte einen früheren Freund – angeblich aus Notwehr – zusammengeschlagen.

Eigentlich sollte der Prozess schon im Februar beginnen, wurde dann aber auf Mitte Juni verschoben. Sieben Verhandlungstage sind bislang terminiert, das Urteil würde demnach spätestens am 7. Juli gesprochen.

In früheren Gerichtsverfahren haben wir und andere Medien den vollen Namen des Angeklagten genannt, weil er zum damaligen Zeitpunkt eine Person des öffentlichen Lebens in Dorsten war. Das ist nun nicht mehr der Fall, deshalb halten wir ihn inzwischen anonym.

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Stefan Diebäcker

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