Vorgesetzter greift immer wieder in die Kasse seines Discounter-Markts

mlzGerichtsprozess

Als stellvertretender Filialleiter griff er in die Kasse seines Discounters. Er betrog bei „Ebay“ und versetzte gefälschte Goldbarren. Jetzt bekam ein junger Mann aus Dorsten die Quittung.

Dorsten

, 03.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Trotz seiner jungen Jahre war der Holsterhausener bereits stellvertretender Marktleiter einer Discounter-Kette in Dorsten. Doch mit der beruflichen Karriere war es vorbei, nachdem der damals 21-Jährige 2018 damit begann, immer wieder in die Filial-Kasse zu greifen. Mal erleichterte er seinen Arbeitgeber um 69 Euro, mal um 299 Euro, dann um 546 Euro. Schaden insgesamt: mehr als 2000 Euro in ein paar Wochen.

„Nur die Spitze des Eisbergs“

Doch damit nicht genug. „Wir verhandeln hier nur die Spitze eines Eisbergs“, erklärte Strafrichterin Lisa Hinkers am Mittwoch im Dorstener Amtsgericht, wo sich der inzwischen 23-Jährige wegen zahlreicher weitere Betrugsvorwürfe verantworten musste.

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Der Angeklagte, der inzwischen als Altenpfleger sein Geld verdient, hat nämlich auch über das Internet-Auktionshaus „Ebay“ zahlreiche gutgläubige Opfer geprellt. Er bot unter anderem Thermomix-Geräte an, teure Smartphones, Digital-Kameras und auch mal Tickets für das Bundesliga-Derby Borussia Dortmund gegen Schalke 04. Die Kunden überwiesen dem Dorstener das Geld, doch die angekündigte Ware erhielten sie nicht. Schaden: weitere 13.000 Euro.

Dubiose Goldbarren-Geschichte

Und dann noch die dubiose Geschichte mit den Goldbarren: Laut Anklage verschaffte sich der Dorstener bei einem Bekannten gefälschte Goldbarren, um diese für insgesamt 11.000 Euro in Pfandhäusern in Marl und Dorsten als Echtgold zu versetzen.

„Dass sie falsch waren, wusste ich nicht“, so der Angeklagte. Das Gegenteil konnte ihm vor Gericht nicht nachgewiesen werden, dieser Anklagepunkt wurde eingestellt.

Angeklagter ist spielsüchtig

Der 26-Jährige sagte aus: „Ich brauchte das Geld, um meine Spielsucht finanzieren zu können.“ Inzwischen habe er sich an die Suchtberatung des Caritasverbandes gewandt, die ihm eine einjährige ambulante Therapie ermöglichen werde: „Die Anträge habe ich bereits gestellt.“

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In der Untersuchungshaft vor ein paar Monaten sei ihm klar geworden, dass er sein Leben auf „Reset“ drücken müsse, betonte der junge Mann. Inzwischen sei er auf einem guten Weg. Seine Lebensgefährtin hatte sich zwar nach den Vorfällen von ihm getrennt, „inzwischen aber versuchen wir es beide noch mal“, so der Angeklagte: „Und kümmern uns um unser einjähriges Kind.“

Bewährungsstrafe

Und so gab ihm das Schöffengericht noch einmal eine Chance: Ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung, lautete das Urteil. Die Ebay-Schadenssumme in Höhe von 13.000 Euro wird eingezogen. Wie der Anwalt des jungen Mannes und die Staatsanwältin erklärten, gibt es weitere Gerichtsakten mit derartigen Vorwürfen - sie dürften aber angesichts des aktuellen Urteils eingestellt werden.

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