Waffenschein für Dorstens Bürgermeister kein Thema, dennoch macht er sich Sorgen

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Ein Bürgermeister aus dem Rheinland will sich bewaffnen, weil er sich bedroht fühlt. Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff hält das für das falsche Signal, macht sich aber auch Sorgen.

Dorsten

, 12.01.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ist im Oktober 2015 mit einem Jagdmesser niedergestochen worden. Ihr Amtskollege Andreas Hollstein aus Altena wurde zwei Jahre später ebenfalls mit einem Messer attackiert. Jetzt fordert ein Bürgermeister aus dem Rheinland einen großen Waffenschein, weil er sich von Rechtsextremisten bedroht fühlt.

Dorstens Bürgermeister wurde noch nicht direkt bedroht

Tobias Stockhoff hält das für das „falsche Signal“. Der Christdemokrat (38) ist seit fünfeinhalb Jahren Bürgermeister von Dorsten und in dieser Zeit „noch nicht direkt bedroht worden“. Vielleicht liegt es an seiner Körpergröße von fast zwei Metern, vielleicht auch daran, dass viele Menschen in seiner Heimatstadt ihn seit Jahrzehnten kennen und schätzen.

Doch konfliktfrei ist das berufliche Leben von Tobias Stockhoff keineswegs. „Die Tonlage wird gelegentlich ruppiger, Einsicht und Akzeptanz schwinden, dass eine Stadtverwaltung kein Dienstleister ist, der bedingungslos Individualinteressen erfüllt“, bestätigte er auf Anfrage. Das sei manchmal nicht schön und bereite ihm Sorgen, „aber das muss ein Bürgermeister, eine Verwaltung, eine Gesellschaft dennoch aushalten“.

„Die Tonlage wird manchmal ruppiger, aber das muss ein Bürgermeister aushalten.“
Tobias Stockhoff

Stockhoff sagt, dass Auseinandersetzungen „nicht grundsätzlich etwas Schlechtes“ seien, sondern dass es wichtig und richtig sei, sich mit Themen auseinanderzusetzen, Einzel- und Gemeinwohlinteressen gegeneinander abzuwägen - „auch wenn der Ton manchmal schrill wird, aber das kann ich vertragen. Unsere Gesellschaft lebt davon, dass es keine Barrieren gibt. Dass ein Bürgermeister, ein Ratsmitglied, ein Mitglied einer demokratischen Partei nahbar bleibt.“ Das sei ein Grundpfeiler der Demokratie.

Schwerer einzuschätzen und handzuhaben sind für Dorstens Bürgermeister irrationale Aggressionen gegen Funktions- und Mandatsträger – „und darum geht es wohl dem Amtskollegen, der sich bewaffnen möchte“. Diese Einzelgänger seien die größere Gefahr für die persönliche Unversehrtheit.

Menschen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen

Unerträglich sei es, so Stockhoff, wenn ein Mensch bedroht, angegriffen, verletzt, im schlimmsten Fall ums Leben gebracht werde, der sich im Ehrenamt oder im Hauptamt, als Mitglied einer Partei, als Ratsfrau oder Ratsherr, als Mitarbeiter oder Führungskraft einer Verwaltung für das Gemeinwohl einsetze. Er denkt dabei auch an seinen Amtskollegen in der Nachbargemeinde Schermbeck.

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