Warum ein Bühnen-Künstler wegen Corona wohl sein Haus verkaufen wird

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Ein Show-Hypnotiseur aus Dorsten ist eigentlich auf Kreuzfahrtschiffen und Bühnen gut gebucht. Doch der neue Corona-Lockdown trifft ihn hart. Die Politik muss mehr für Künstler tun, sagt er.

Dorsten

, 04.11.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im März war für Andreas Ahnfeldt die Welt noch in bester Ordnung. Denn da war der Dorstener Bühnenkünstler, der sich als Show-Hypnotiseur bundesweit einen Namen gemacht hat, auf der „MS Amadea“, dem aktuellen „ZDF-Traumschiff“, engagiert: Kalifornien, Mexiko, Mittelamerika - so hießen Stationen des Kreuzfahrt-Jobs.

Boden unter den Füßen weggezogen

Doch dann der erste Lockdown. Und der zog „Aaron Hypnose“, so sein Künstlername, den Boden unter den Füßen weg. „Erst super langsam trudelten wieder Aufträge herein“, so der 53-Jährige. „Doch aufgrund des zweiten Lockdowns hat mir ein Großteil der Veranstalter nun alle Auftritte bis April abgesagt“, erklärt er.

Der Holsterhausener ist auch als Hypnose-Trainer tätig und hat bislang mehr als eine Million Zuschauer bei Shows in Freizeitparks wie dem Movie Park oder in Varieté-Theatern begeistert. „Es geht mir nicht darum, jetzt zu jammern und Mitleid zu erwecken“, sagt er. „Sondern ich will aufzeigen, dass die Politik immer nur den Eindruck erweckt, dass sie ganz toll hilft. „Dies mag für einige Wirtschaftszweige auch zutreffen“, meint er, aber: „Für die Künstler- und Veranstaltungsbranche ist das nicht der Fall.“

Da war die Welt noch in Ordnung: „Aaron Hypnose" vor Publikum in voll besetztem Saal.

Da war die Welt noch in Ordnung: „Aaron Hypnose" vor Publikum in voll besetztem Saal. © Privat

Zu Beginn des ersten Lockdowns hatte die „MS Amadea“ in Mexiko angelegt, als die ersten Absagen von Veranstaltern per E-Mail kamen. „Als ich zu Hause ankam, hatte ich nicht einen einzigen Auftrag mehr, und damit in den folgenden sechs Monaten überhaupt keine Einnahmen“, so Ahnfeldt.

Unklare Soforthilfen

Da er im Winter zuvor „recht gut verdient hatte“, wie er sagt, konnte er ein bis zwei Monate gut abfangen. „Danach habe ich als Solo-Selbstständiger Corona-Soforthilfen bekommen“, so der Holsterhausener. „Da diese aber nicht für den eigenen Lebensunterhalt, sondern nur für Betriebsausgaben gedacht sind, ist bis heute nicht klar, was ich davon überhaupt nutzen kann.“

Den ersten Lockdown nutzte der 53-Jährige, um seine Internet-Seite neu zu gestalten. „Ich habe außerdem an einem Online-Hypnosekurs und an einer Hypnose-CD, für die ich auch die Musik selbst einspiele, gebastelt.“

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Vor allem aber musste Andreas Ahnfeldt sein Showkonzept komplett überarbeiten, sodass er auch unter Corona-Bedingungen auftreten kann. Im September durfte er dies erstmals in der Praxis anwenden. Ein paar Hoffnungsschimmer: Auftritte in Leipzig, in Düsseldorf, zwei Wochen auf einem Fluss-Kreuzfahrtschiff.

Während des Corona-Lockdowns arbeitet Andreas Ahnfeldt an einer Hypnose-CD, für die er in seinem Studio auch die Musik einspielt.

Während des Corona-Lockdowns arbeitet Andreas Ahnfeldt an einer Hypnose-CD, für die er in seinem Studio auch die Musik einspielt. © Privat

Und dann der nächste Rückschlag. Ahnfeldt: „Gerade dieser November-Lockdown hat für mich ganz extreme Auswirkungen. Denn jetzt bucht auch kein Veranstalter für den Winter einen Künstler, weil er selber nicht weiß, ob die Veranstaltung überhaupt wird stattfinden können.“

Komplettes Weihnachtsgeschäft weg

Heißt: Auch das komplette Weihnachtsgeschäft ist weg. „Das ist so eine Art Hochsaison für mich, in der ich viel Umsatz mache.“ Auch im neuerlichen Lockdown vermisst er die nötige Unterstützung vom Bund: „Selbst wenn der Staat nun bis zu 75 Prozent der Einnahmen vom November 2019 verspricht, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Denn Ahnfeldt wird nach dem „Zuflussprinzip“ besteuert. Heißt: „Letztes Jahr im November habe ich einige Rechnung geschrieben, das Geld aber erst im Dezember bekommen. Ich würde also von den geplanten Zuschüssen nicht groß profitieren.“

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Er hat jetzt vorsorglich seine Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr aufgelöst, um den Winter hindurch flüssig zu sein. „Und ich werde wohl mein Haus, das eigentlich als Altersvorsorge gedacht war, verkaufen. Nicht weil ich müsste, sondern ich will es verkaufen, bevor ich es muss.“

„Hoffe, dass Politik nachbessert“

Ahnfeldt betont: „Ich will nicht Corona-Beschränkungen kritisieren oder eine Diskussion losbrechen, welche Maßnahmen richtig oder falsch sind. Ich will nur, dass die Politik bei uns Künstlern etwas nachbessert.“

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