Warum immer mehr Kitas zur handyfreien Zone werden

mlzHandyverbote in Kitas

Eltern, die nicht von ihrem Handy lassen können, werden zunehmend zum Ärgernis in Dorstener Kindergärten. Einige Kitas reagieren mit Handyverboten – wenn alle Appelle nichts nützen.

Dorsten

, 14.08.2019, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eltern, die das Familienzentrum St. Agatha am Westwall betreten, werden gleich am Eingang daran erinnert. „Handyfreie Zone“ heißt es auf einem Schild an der Eingangstür.

Handy sind ein zunehmendes Ärgernis

Immer mehr Kitas in Dorsten und Umgebung reagieren mit solchen Hinweisen auf ein zunehmendes Ärgernis: Eltern, die ihr Telefon nicht einmal dann aus der Hand nehmen, wenn sie ihre Kinder begrüßen oder verabschieden. „Manche Eltern sind mehr mit ihrem Telefon beschäftigt als mit ihrem Kind“, sagt Claudia Jägering, Leiterin des Familienzentrums St. Agatha.

Eingeführt hatte die Kita die handyfreie Zone vor etwa einem Jahr in Abstimmung mit dem Elternrat. Mit ausschlaggebend war dabei auch die Einführung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Denn wer in der Kita fotografiert, könnte auch andere Kinder als die eigenen aufnehmen. „Das ist ein sensibles Thema“, so Jägering.

„Das Benutzen von Handys ist in den Einrichtungen ausschließlich für Telefonate im Notfall erlaubt. Das Fotografieren mit dem Handy ist untersagt“, heißt es im institutionellen Schutzkonzept der Pfarrei St. Antonius und Bonifatius in Holsterhausen.

„Jetzt ist Zeit für dein Kind“

„Das Fotografieren und Filmen verbieten wir auch“, sagt Stefanie Reich, Fachbereichsleiterin beim Verband Evangelischer Kirchengemeinden, dem fünf Dorstener Kitas angehören. Ansonsten hält sie von generellen Handyverboten wenig. „Wir suchen dann eher das direkte Gespräch“, so Reich. „Denn wir wollen ja, dass die Eltern nachvollziehen, warum wir es gerne anders hätten.“ Dabei gelte es, den Eltern vor allem eines zu vermitteln: „Jetzt ist die Zeit für dein Kind.“

Das ist auch das Anliegen von Claudia Jägering. Mit der handyfreien Zone habe die Kita „durchweg sehr positive Erfahrungen“ gemacht. „Die Eltern haben das sehr positiv angenommen und halten sich in der Regel daran“, so die Kita-Leiterin.

Jugendamt setzt auf Flyer, aber nicht immer reichen Appelle

Auch im Jugendamt der Stadt Dorsten hat man das Thema bereits aufgegriffen. Mit Flyern und Plakaten, die unter anderem in Kitas präsentiert und verteilt wurden, sollten Eltern gezielt dazu ermuntert werden, eine Auszeit vom Smartphone zu nehmen.

Doch offenbar reichen solche Hinweise auch in den städtischen Kitas nicht immer aus. „In einigen Einrichtungen gilt ein Handyverbot für Eltern in der Bring- und Abholsituation“, erklärt Karsten Hartmann, Referent des Bürgermeisters, auf Nachfrage. Wenigstens zur Begrüßung und Verabschiedung gibt es so die volle Aufmerksamkeit für die Kinder.

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