Nach Urlaub in Risikoländern - wer meldet sich, wer kontrolliert es?

mlzCoronavirus

Wer Urlaub macht in einem Risikogebiet, muss sich nach der Rückkehr beim Gesundheitsamt melden und in häusliche Isolierung gehen. Doch wer macht das überhaupt? Und wird es kontrolliert?

Dorsten

, 24.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ferit Kocatürk hatte in den Sommerferien einen 14-tägigen Strandurlaub in der Türkei geplant. „Aber das war mir zu riskant“, sagt der Dialogbeauftragte der islamisch-türkischen Ditib-Gemeinde in Dorsten. Die Türkei ist eines von ganz vielen Ländern, die vom Robert-Koch-Institut angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie als Risikogebiet eingestuft worden sind.

Melden ist Pflicht, häusliche Isolation auch

Familie Kocatürk hat die Reise ans Mittelmeer storniert und umging damit, sich nach der Rückkehr telefonisch, per E-Mail oder über ein Online-Formular beim Gesundheitsamt melden zu müssen. So sieht es die aktuelle Corona-Einreiseverordnung in NRW vor, wenn man keinen aktuellen negativen Coronatest vorlegen kann. Dann müssen „Risiko-Urlauber“ außerdem unverzüglich in eine 14-tägige häusliche Isolation.

Kontrolliert wird das allerdings selten.

Jetzt lesen

Nach Angaben von Kreissprecher Jochem Manz haben sich in den vergangenen Wochen 1034 Menschen „aktiv bei uns gemeldet. Die Daten geben wir an die zuständigen Ordnungsbehörden vor Ort weiter“. 90 Prozent der Urlauber seien in der Türkei gewesen, einige aber auch in Ländern wie Ägypten, der Dominikanischen Republik und den USA. „Eine nennenswerte Zahl“, schätzt Manz, verschweigt allerdings die Reise in ein Risikogebiet und trägt im schlimmsten Fall dazu bei, das Coronavirus zu verbreiten.

Ordnungsbehörden auf Hinweise angewiesen

Wer gegen die Bestimmungen der Einreiseverordnung verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld belegt werden kann. Dorstens Stadtsprecher Ludger Böhne sieht indes keine Möglichkeit einer flächendeckenden Kontrolle. „Die Städte können Verstöße deshalb nur ahnden, wenn sie Hinweise auf Reiserückkehrer aus Risikogebieten erhalten, die möglicherweise gegen die Bestimmungen verstoßen.“

Ferit Kocatürk

Ferit Kocatürk ist überzeugt, dass vieler seiner Landleute aus der Ditib-Gemeinde im Sommer nicht in die Türkei reisen. © Ralf Pieper (A)

Ferit Kocatürk ist davon überzeugt, dass in diesem Sommer viele seiner türkischen Landsleute wegen der Coronakrise auf Urlaub oder Verwandtenbesuche in der Heimat verzichtet haben. „Wer doch gereist ist, hat das Flugzeug genommen. Mit dem Auto fahren die wenigsten, weil bei drei Wochen Urlaub schon fast ein Drittel durch die Fahrt verloren ginge.“

Wohl auch deshalb führt das NRW-Gesundheitsministerium nach eigenen Angaben derzeit Gespräche über die Einrichtung von Testzentren an Flughäfen.

Jetzt lesen

„Höchstens ein Drittel ist verreist“

Imbiss-Betreiber Turgut Berber ist sicher, dass höchstens ein Drittel der in Dorsten lebenden Türken in die Heimat aufgebrochen ist. Auf das Auto verzichteten die meisten auch aus einem anderen Grund: „Die Ausreise in die Türkei mit dem Auto und hin zum Feriendomizil ist kein Problem. Aber die Einreise nach Deutschland schon, weil die Regeln ständig abgeändert worden sind.“

Lesen Sie jetzt