Die Theatergruppe der kfd St. Nikolaus hätte in diesem Jahr gern ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert - doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. © Privat
Karneval

Wehmut statt Frohsinn: Coronavirus bremst „Helau-Mädels“ aus

Sie wollten es aus einem guten Grund in diesem Jahr so richtig krachen lassen. Doch von allen Karnevalisten aus Dorsten hat die Coronakrise eine Frauengruppe besonders hart getroffen.

Die 21 Mädels hätten auf der Bühne alles gegeben: Musik, Tanz, Sketche – und die Kostüme im Minutentakt gewechselt. Die Frauen der Gruppe „40plus“ und die „Dreamboys“ hätten ihre Choreografien präsentiert und wären nicht ohne Zugaben von der Bühne gekommen. Wie in all den Jahren zuvor. Wie es ihre Fans gewöhnt sind.

Die wilde Truppe von der Hardt hätte in diesem Jahr eine Menge zu feiern gehabt. Hätte, hätte, Polonaisen-Kette. Denn das Corona-Virus bremst die Theatergruppe der kfd St. Nikolaus ausgerechnet in ihrem 50. Jubiläumsjahr gehörig aus.

Und das hieß auch: Keine Vorbereitungstreffen mit 21 Frauen im Wohnzimmer. Keine Schunkellieder-Proben in der Vorweihnachtszeit. Keine kreativen Kulissenbau-Abende in der Tischlerei Vennemann. Keine Texte auswendig lernen. Keine mit der einen oder anderen Flasche Sekt versüßten Proben.

Wer die „Helau-Mädels“ kennt, der weiß: In dieser Woche wird ihre Stimmung statt vom Frohsinn ganz gewaltig von Wehmut geprägt sein.

Ein Bild vom ersten Hardter Frauenkarneval 1971 (Gründerin Ulla Fleischer zweite von links als Pippi Langstrumpf verkleidet).
Ein Bild vom ersten Hardter Frauenkarneval 1971 (Gründerin Ulla Fleischer zweite von links als Pippi Langstrumpf verkleidet). © Privat © Privat

Denn der traditionelle Dienstagabend (in diesem Jahr der 9. Februar) wäre der Auftakt einer veritablen Festwoche gewesen. „Zuerst bei Schult, dann mit den Senioren, schließlich ein Jubiläumstreffen mit den Ehemaligen und zum guten Schluss beim Gemeindekarneval im Gemeindehaus mit Tanzparty“, zählt Beate Robert die eigentlich geplanten Aktivitäten auf.

Legendäre Baustellen-Sketche

Sie führt zusammen mit Anne Pitz-Fleischer seit 20 Jahren Regie für den quirligen Haufen, organisiert, schreibt Texte. 2001 hatte das Duo, dessen Bushaltestellen-Sketche als „Running Gags“ inzwischen legendär geworden sind, den Laden von Gründungsfrau Ulla Fleischer übernommen.

1970 hatte Ulla Fleischer auf einer Gemeinde-Karnevals-Sause im Wohnzimmer des damaligen St. Nikolaus-Pfarrers Bernhard Fiedler zu vorgerückter Stunde die Idee, eine Theatergruppe von Frauen für Frauen zu gründen.

Aber es war vor allem die gute Laune und weniger der ernste Bühnenstoff, der die neunköpfige Frauenschar antrieb. So traf man sich zur Vorbereitung eines ersten Frauenkarnevals wieder, der 1971 im Saal Kleinespel (ein Gemeindehaus gab es da noch nicht) erstmals für Furore sorgte.

„Augen und Ohren auf“

Ab da hieß es: Nach dem Karneval ist vor dem Karneval. „Daran hat sich bis heute nichts geändert“, sagt Beate Robert. „Wir halten das ganze Jahr Augen und Ohren offen und sammeln Texte und Ideen. Und sind auf der Suche nach der passenden Musik.“ Früher auf Schallplatten im damaligen „Pop-Shop“ am Markt gekauft, heute bei YouTube und Spotify besorgt.

Ulla Fleischer mit ihren „Nachfolgerinnen“ (Anne Pitz-Fleischer, Beate Robert, v.l.) in den damaligen, eigens für den Frauenkarneval entworfenen Kostümen,
Ulla Fleischer mit ihren „Nachfolgerinnen“ (Anne Pitz-Fleischer, Beate Robert, v.l.) in den damaligen, eigens für den Frauenkarneval entworfenen Kostümen, © Privat © Privat

„Vieles hat sich geändert“, sagt Beate Robert. „Das Geschehen auf der Bühne zum Beispiel ist lauter und schneller geworden.“ Und auch der Humor hat sich gewandelt. „Früher sehr katholisch, heute manchmal sogar anarchistisch“, so die Co-Chefin.

Inzwischen ist das musikalische Comedy-Programm von der Hardt auch überregional bekannt geworden. Denn eine rheinländische Frohnatur, die sich seit Jahren unter das Publikum beim Frauenkarneval mischt, hatte 2020 den WDR dazu gebracht, eine sechsminütige Live-Schalte von der Hardt in der „Aktuellen Stunde“ zu bringen.

„Bringen neue Ideen rein“

Das jetzige Kernteam der Theatergruppe hat sich vor 15 Jahren gefunden, inklusive aktueller Frischzellenkur. „Junges Gemüse, 20 bis 25 Jahre alt, das bringt neue Ideen rein.“

Hier ist der Nachwuchs der
Hier ist der Nachwuchs der “Hardter Mädels” zu sehen: Leonie und Anna Ponzle. © Privat © Privat

Und die „Neuen“ unterstützen die älteren Helau-Mädels auch bei digitalen Herausforderungen – wichtig in der Corona-Zeit. „Unsere Zoom-Abende hatten es in sich und taten gut.“ Doch unterm Strich geht für Beate Robert und ihre kfd-Theaterfrauen nichts über die persönlichen Treffen, das Kribbeln im Bauch, kurz bevor es losgeht und die erwartungsvollen Gesichter im Publikum.

Deshalb steht fest: „Wenn nächstes Jahr die 50+1 steht, dann gibt es einen Grund mehr, es richtig krachen zu lassen.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein

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