Ein Verteilzentrum, wie es das Unternehmen Levi Strauss & Co. in Wulfen plant, muss offenbar kein schmuckloser Betonkasten sein. © Delta Development Group
Levi Strauss

Weltmarktführer suchte in Europa – und wurde in Dorsten fündig

Der Weltmarktführer für Jeanswaren plant in Dorsten ein Verteilzentrum für Europa. Die Freude ist groß, aber manch einer fragt sich: Wie konnte das passieren?

Das Paketzentrum von DHL im Gewerbegebiet Ost und die riesigen Hallen von Arvato im Indupark Dorsten/Marl sind ja eher schmucklos. Funktional, würden Architekten vielleicht sagen. Aber was der Jeans-Riese Levi‘s auf dem ehemaligen Zechengelände in Wulfen plant, sieht nicht gerade wie ein Distributionszentrum aus. Wie eine Drehscheibe für den europäischen Markt.

„Mensch und Region in Einklang bringen“

Ein Gebäude mit viel Glas und geschwungenen Linien, Parkplätze, die von viel Grün umrahmt werden – der Fokus der Baumaßnahmen und der spätere Betrieb des Distributionszentrums im Industriepark Große Heide liegt nach Unternehmensangaben auf dem Thema Nachhaltigkeit. „Levi’s denkt auch auf der Mitarbeiterebene zukunftsgerichtet und will einen Ort schaffen, der Mensch und Region in Einklang bringt“, heißt es in einer Mitteilung, die eine Berliner PR-Agentur am Freitag verbreitete. „Außerdem wird das Distributionszentrum so errichtet, dass während der Realisierung und Inbetriebnahme wenig Auswirkungen auf die angrenzenden Gebiete erwartet werden.“

Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Ebenso, wie die Nachricht, dass sich ein Weltunternehmen aus Übersee ausgerechnet für Dorsten als Logistikzentrale für Europa entschieden hat. Wie konnte das passieren? „Der Planung und Verwirklichung dieses Projektes ging eine detaillierte Studie voraus“, teilte Levi Strauss & Co. mit. Die Amerikaner sind offenbar mit einer Lupe über die Europa-Karte gegangen, um „an einer zentralen Lokation die Vertriebskapazität aufzustocken“.

Knapp zweieinhalb Jahre, nachdem Bürgermeister Tobias Stockhoff und Markus Masuth von der RAG Immobilien GmbH den städtebaulichen Vertrag für den Industriepark Große Heide unterschrieben haben, ist die erste Ansiedlung unter Dach und Fach.
Knapp zweieinhalb Jahre, nachdem Bürgermeister Tobias Stockhoff und Markus Masuth von der RAG Immobilien GmbH den städtebaulichen Vertrag für den Industriepark Große Heide unterschrieben haben, ist die erste Ansiedlung unter Dach und Fach. © Stefan Diebäcker (Archiv) © Stefan Diebäcker (Archiv)

Und da hat sich die Region Dorsten nach intensiver Suche und „Überprüfung des internen Vertriebsnetzwerks“ als bestmöglicher Standort erwiesen. „Die gute Anbindung Dorstens und die zentrale Lage zu wichtigen Märkten in ganz Europa ermöglichen es Levi’s, mit diesem Zentrum ihr Distributionsnetz zu optimalisieren.“ Bei der Vollzugsmeldung sind sogar neue Wortschöpfungen erlaubt, während sich alle Beteiligten bei der Frage nach Kauf- und Investitionskosten wortkarg geben.

In dem Distributionszentrum sollen ab Ende 2023 bis zu 55 Millionen Artikel aus den verschiedensten Levi’s-Bereichen verteilt werden. Dorsten wird zur Europa-Drehscheibe eines US-Konzern. Das und die Aussicht auf bis zu 650 Arbeitsplätze sorgen für Begeisterung in der örtlichen und regionalen Wirtschaft.

Freude bei Landrat und IHK-Leiter

Landrat Bodo Klimpel wird in einer Mitteilung von RAG und Stadt Dorsten mit den Worten zitiert: „Gerade in diesen Zeiten die Aussicht auf neue Arbeitsplätze in dieser Größenordnung zu bekommen, spricht für den Standort und ist ein wichtiges, sehr positives Signal für die Menschen im Kreis Recklinghausen.“ Und der Leiter des IHK-Standorts Emscher-Lippe, Dr. Jochen Grütters, glaubt: „Mit dieser Entscheidung, die europaweit Beachtung findet, baut die Emscher-Lippe-Region ihre Stellung als Handelszentrum weiter aus.“

Über den Autor
Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker

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