Wie Bestatter sich um das digitale Erbe von Verstorbenen kümmern

mlzDigitaler Nachlass

Amazon-Einkauf, Netflix-Konto, Social-Media-Profil: Je virtueller das Leben, desto wichtiger die Regelung des digitalen Nachlasses. Bestatter helfen - natürlich digital.

Dorsten

, 29.07.2019, 13:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Todesfall beginnt der bürokratische Aufwand. Versicherungen, Versorgungsverträge und Mitgliedschaften müssen gekündigt werden. Konten, Immobilien und Grundstücke gehen gegebenenfalls auf Erben über. Neben diesen greifbaren Dingen hinterlassen Verstorbene heutzutage aber auch zunehmend ein digitales Erbe. Da reicht es schon, einmal bei Amazon eingekauft zu haben.

An Daten zu kommen, die auf externen Servern gespeichert sind, kann mitunter ziemlich schwierig sein. Um vollen Zugriff auf das Facebook-Profil ihrer verstorbenen Tochter zu erhalten, mussten deren Eltern im vergangenen Jahr erst bis vor den Bundesgerichtshof ziehen. Der BGH entschied in einem Grundsatzurteil, dass digitale Inhalte nicht anders zu behandeln sind als analoge und Social-Media-Konten demnach genauso auf den Erben übergehen wie beispielsweise Briefe.

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Johannes Lenert, Inhaber des gleichnamigen Bestattungsinstituts in Dorsten, stellt schon länger fest, dass der digitale Nachlass bei seinen Kunden eine zunehmend wichtigere Rolle spielt. „Das kommt natürlich auf die Altersstruktur der Verstorbenen an“, sagt er.

Wer seinen digitalen Nachlass schon zu Lebzeiten regelt, indem er zum Beispiel sämtliche Zugangsdaten seiner Internetkonten notiert, erleichtert seinen Angehörigen die Arbeit. Ansonsten bieten viele Bestatter auch explizit Unterstützung bei der Regelung des digitalen Nachlasses an.

Software durchforstet das Netz nach Online-Konten

Johannes Lenert kooperiert dafür mit dem Berliner Start-Up Columba. „Im Prinzip ist es ein digitaler Nachlassverwalter, bei dem Sachen gekündigt werden können“, sagt er. Lenert braucht nur eine E-Mail-Adresse des Verstorbenen, dann schaltet er bei Bedarf von seinem Computer aus den Zugang zur Columba-Software frei. Auch die Angehörigen bekommen dann Zugang zu dem Portal und können so verfolgen, was alles gekündigt wird.

Die Abmeldungen kann Lenert selbst vornehmen, nachdem die Columba-Software das Internet nach Konten durchforstet hat, die mit der E-Mail-Adresse des Verstorbenen verknüpft sind. „Das ist schon ein mächtiger EDV-Apparat, der dahinter sitzt, aber es ist sehr praktisch.“ Die Zeiten, in denen Lenert Abmeldungen ausschließlich analog oder per Fax gemacht hat, sind lange vorbei.

Die digitale Nachlassverwaltung sei trotzdem noch immer eine Zukunftsbranche, so Lenert. „Bei heute 80- oder 90-Jährigen ist der Bedarf noch nicht unbedingt da. Es lohnt sich aber, sich da frühzeitig richtig aufzustellen.“

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