Heinz Sawitzi, ehemaliger „Dorf-Sheriff“ von Wulfen, ist von Kindesbeinen an leidenschaftlicher Briefmarkensammler. Er erzählt Geschichten in Bildern auf Briefmarken. Jetzt auch die Weihnachtsgeschichte. © Claudia Engel
Weihnachtsgeschichte

Wie Briefmarken aus aller Welt die Weihnachtsgeschichte erzählen

Die Weihnachtsgeschichte ist 1000-fach vorgetragen worden. Aber mithilfe von Briefmarkenmotiven? Das gibt es wohl nur in Dorsten.

Heinz Sawitzki aus Wulfen ist 85 Jahre alt. Der ehemalige Dorfpolizist von Wulfen (bis 1995) hat viele Hobbys. Eines davon ist Briefmarkensammeln. Im Laufe seines langen Lebens hat er Zigtausende zusammengetragen. Und sich auf eine Richtung spezialisiert: Geschichten mithilfe von Briefmarkenmotiven zu erzählen.

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Briefmarken erzählen die Weihnachtsgeschichte

Passend zur Weihnachtszeit hat er die biblische Weihnachtsgeschichte vollendet. Schade nur, dass er sie wegen der Corona-Pandemie nicht wie geplant einer größeren Gruppe von Menschen vortragen kann.

Der erste Vortrag galt Martin Luther

„Ich habe das für den Evangelischen Männerkreis getan“, sagt Sawitzki. Für die Männer seines Kreises hat er nach langen Monaten der Recherche und der Lektüre das Leben und Wirken Martin Luthers vor dem Lutherjahr 2017 (500 Jahre Reformation) zusammengetragen und im Lutherjahr anhand von Briefmarken und einem begleitenden anderthalbstündigen Vortrag veranschaulicht, welche Spuren Luther und seine Zeitgenossen im Christentum hinterlassen haben.

„Unwahrscheinlich viel über das Leben Luthers gelesen“

Die internationalen Briefmarken legen ein lebendiges Zeugnis von Luthers Biografie und Werdegang ab. „Ich habe zudem unwahrscheinlich viel über Martin Luther in dieser Zeit gelesen. Er beeindruckt mich“, sagt Sawitzki. Ein Kinderspiel sei dagegen die Weihnachtsgeschichte gewesen. „Kein Vergleich zu Luther.“

Langsam blättert Heinz Sawitzki in seinem Ordner. Auf DIN-A4-Seiten hat er die bunten Briefmarken aufgeklebt. Aus Luxemburg, Deutschland, Israel, aus dem Fürstentum Liechtenstein oder der Schweiz – je nach dem, welches Land welches Motiv zu seiner Geschichte hergeben konnte.

Die biblische Geschichte auf sieben Seiten

Die biblische Weihnachtsgeschichte hat er so auf sieben Seiten in vier Kapiteln zusammengefasst. Von dem Gebot Kaiser Augustus, dass sich die Menschen zur „Volkszählung“ von Nazareth nach Bethlehem begeben sollen, über die Geburt des Jesuskindes im Stall von Bethlehem und den Besuch der Weisen aus dem Morgenland bis hin zur Flucht nach Ägypten.

Bezugsadressen gibt es im Internet

„Das war gar nicht so schwer“, sagt der Pensionär. Denn er kennt die Bezugsadressen, die Philatelisten kennen müssen, um Geschichte oder Geschichten anhand der bunten Briefmarkenmotive erzählen zu können. Seine Ehefrau schaut leidgeprüft: „Wofür sammelst Du das alles?“, fragt sie ihn seit Jahren. Vielleicht für Kinder und Enkelkinder?

Heinz Sawitzki sieht seine Felle davonschwimmen: „Meine Söhne interessiert das nicht, meine Enkel sind noch zu klein“, sagt er. Der ganze Keller voller Briefmarken dürfte also kein interessantes Erbe sein, „wenn ich nicht mehr bin“, meint Heinz Sawitzki. Ans Sterben denkt der rüstige 85-Jährige aber noch nicht. Es gibt noch viel zu tun für ihn. „Ich bin aber kein besessener Sammler“, sagt der Wulfener.

Seine Gattin sieht das naturgemäß etwas anders, weil doch der Keller proppenvoll mit Briefmarken ist. Reichtümer seien das nicht, so Sawitzki, aber eine reiche Vielfalt von Bildern, die Einblicke in Kultur, Geschichte, Lebensart anderer Länder geben.

Motive im Internet bestellt

Angesichts seiner langjährigen Erfahrung war es für Sawitzki denn auch ein Leichtes, die Weihnachtsbildersammlung zu komplettieren. „Ich habe mir im Internet aus aller Welt die passenden Marken bestellt“, so Sawitzki. So konnte er im Wesentlichen die Motive für Weihnachten ergattern. Nun unterstreichen die hübschen Abbildungen den Text, den Sawitzki den Evangelien entnommen hat.

Ein bisschen traurig ist er, dass er andere zurzeit nicht an dieser Geschichte teilhaben lassen kann. Aber er hat eine Idee: „Vielleicht kann man das ja nach Corona mal in Gottesdiensten oder im Kindergarten bzw. der Schule verwenden.“

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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