Wie der Dorstener Kulturpreis bis heute in der Versenkung verschwinden konnte

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Für sein Lebenswerk erhielt der Architekt Professor Manfred Ludes 2008 eine Medaille. Seitdem hat man nie wieder etwas von einem „Dorstener Kulturpreis“ gehört. Eine Spurensuche.

Dorsten

, 08.03.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kollektives Schulterzucken - diese Reaktion erntete Petra Somberg-Romanski (SPD) jüngst im Kulturausschuss auf ihre Frage, wie der „Dorstener Kulturpreis“ in Vergessenheit geraten konnte. Mehr noch: Kaum jemand - weder aus Politik noch Verwaltung - konnte sich überhaupt entsinnen, dass der Preis 2008 erstmalig vergeben wurde.

Und seitdem nie wieder.

Initiative von Heinz Ritter

Initiert hatte den Preis Ex-Bürgermeister Heinz Ritter. Die Auszeichnung war von ihm als Ergänzung zum Tisa-Kunstpreis gedacht, der alle drei Jahre verliehen wird. Heinz Ritter schlug als Preis eine Medaille vor, gestaltet nach einem Flachrelief der Dorstener Künstlerin Tisa von der Schulenburg, das einen Garbenbinder darstellt.

Zähe Diskussionen

Ende 2007 beschloss die Politik, alle drei Jahre damit eine kulturell tätige Person zu ehren, die „das Ansehen der Stadt hervorhebt“.

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2008 wurde der erste Kulturpreisträger auserkoren: Dem renommierten Dorstener Achitekten Prof. Dr. Manfred Ludes wurde an dessen 80. Geburtstag die Medaille für sein Lebenswerk verliehen.

Im Alten Rathaus

Die Übergabe fand im Alten Rathaus statt. „In einem sehr würdigen Rahmen“, erinnert sich Dr. Josef Ulfkotte vom gastgebenden Trägerverein.

Professor Dr. Manfred Ludes (links) bei der Preisverleihung des 1. Dorstener Kulturpreises im Alten Rathaus, rechts Laudator Professor Heinz Dahmen.

Professor Dr. Manfred Ludes (links) bei der Preisverleihung des 1. Dorstener Kulturpreises im Alten Rathaus, rechts Laudator Professor Heinz Dahmen. © privat

Initiator Heinz Ritter starb 2009. Warum der Preis dann sang- und klanglos aus dem Bewusstsein geriet? Vonseiten der Stadt lasse sich das heute nicht mehr nachvollziehen, erklärt Christoph Winkel (Pressestelle): „Die damals beteiligten Akteure sind im Ruhestand. Es war aber keine bewusste Entscheidung.“

„Außerordentliche Leistung“

Altbürgermeister Lambert Lütkenhorst hat die Erinnerung, dass damals „vor allem die außerordentliche Leistung von Manfred Ludes als Architekt und Kirchbaumeister gewürdigt werden sollte“. Anschließend habe aber niemand mehr weitere mögliche Preis-Aspiranten ins Spiel gebracht.

Bürgermeister Lambert Lütkenhorst (rechts) überreichten den Preis an Manfred Ludes.

Bürgermeister Lambert Lütkenhorst (rechts) überreichte den Preis an Manfred Ludes. © privat

Petra Somberg-Romanski wundert sich, dass die Stadt nichts Schriftliches in den Akten hat. Sie möchte den Kulturpreis wieder aufleben lassen und stellt einen SPD-Antrag in Aussicht: „Ich würde gerne wissen, ob es weitere Exemplare der Medaille bei der Stadt gibt.“

„Impuls aufgreifen“

Bürgermeister Tobias Stockhoff möchte laut Stadt den Impuls aus dem Kulturausschuss aufgreifen, wieder dauerhaft einen Kulturpreis zu vergeben. Dr. Josef Ulfkotte erklärt dazu: „Wichtig ist, dass man sich vorab über Kriterien Gedanken macht, zum Beispiel, welches Gremium über einen überzeugenden Kandidaten befinden soll.“

„In der Bürgerschaft verankern“

Und auch, wer aus dem Kulturleben als Preisträger infrage kommt. Nur Kreative oder auch Förderer und Vereinsaktive? „Das kulturelle Leben in Dorsten ist breit, es ist wichtig, dass der Preis von den Bürgern mitgetragen wird“, so Ulfkotte.

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