Wie die Songs entstanden sind

DORSTEN 13 Songs finden sich auf dem neuen Album „Details in a bigger picture“ der Band „On Purpose“. Zu den einzelnen Songs des Albums haben die Musiker folgende Hintergrundinfos zum Entstehen, zu Text und Musik geliefert:

von Dorstener Zeitung

, 02.03.2009, 15:41 Uhr / Lesedauer: 4 min

Smile: Ist einer der Songs, die es schon länger gibt und die sich über die Zeit entwickelt haben. Die Musik hat eine Leichtigkeit und einen positiven, ermutigenden Ton und er fließt weich dahin. Textlich ist er (nicht zuletzt deswegen) ein Lied über das Verliebtsein, bei dem das Lächeln des Partners wichtiger wird als alles andere.

Pleasant day: Geht unvermittelt „in medias res“ und vermittelt musikalisch ebenfalls ein optimistisches Gefühl, dazu einen tänzelnden Rhythmus. Folglich handelt der Text von dem perfekten Tag, an dem alles klappt und man rundum zufrieden sein kann, nicht alles wird gut, sondern alles „ist“ gut.

City of hope: Trägt musikalisch eine nachdenkliche Version von angedeuteter Latinmusik in sich, die durch das eher im Hintergrund spielende Schlagwerk leicht unterstützt wird. Dennoch soll die nachdenkliche Stimmung nicht gestört werden, so dass ein leicht sehnsüchtiges Gefühl entsteht. Textlich dreht sich darum auch alles um die Hoffnung auf das Gute und Schöne, die sich auf einen Ort auf dieser Welt projiziert. Zwar ist die Songidee schon gut 2 Jahre alt, aber durch die Geschehnisse und den Stimmungsumschwung rund um den Wahlsieg Obamas hat er eine von uns nicht erwartete Aktualität gewonnen. So stark, wie Menschen und Medien momentan ihre Hoffnungen auf das „Gute“ nach Washington D.C. projizieren, könnte man meinen, dass (auch) dort unsere „City of hope“ liegen könnte.

Highway: Ist einfach unsere Lust daran, uns musikalisch auszuprobieren, da wir uns stilistisch keine engen Grenzen setzen. Auch als rein unplugged spielende Band schreiben wir eine „Stadionrock“-Nummer, geradeaus, mitreißend und sogar mit Mitsingteil. Es ist Rock à la „AC/DC“ oder den „Rolling Stones“ aber mit deutlich mehr Akkorden und Abwechslung trotz Stakkato-Cello à la „Apocalyptica“. Bei „Highway“ teilen sich Lena und Kristoff die Gesangspassagen. Textlich geht es dann auch um unser Verständnis von Musik: Sie ist unser umfassendes Elixir für alle Lebenslagen. Wir persönlich denken weder als Musikfans noch als Musiker in Genregrenzen, nicht in E- oder U-Musik. Für uns gibt es nur „gute“ Musik (die uns gefällt) oder „schlechte“ Musik (die uns nicht gefällt). So, wie wir Musik hören und verstehen, gehen wir auch ans Komponieren. Die Grenzen liegen nicht in den Genres, sondern in dem, was instrumental machbar ist, so dass es für uns „gut“ klingt.

Easy: Dieser Song wurde so geschrieben, wie er zu hören ist. Die erste Idee dazu ist zugleich die erste Akkordfolge von Martins Gitarre. Und damit war sofort klar: Das wird ein sommerlich-entspannter, atmosphärischer Song, bei dem einem im Refrain das Herz aufgeht. Der Text handelt eben von einem solchen leichten Leben, eine idyllische momentane Lebenserfahrung einer Frau am Strand. Dennoch hat „Easy“ eine unterliegende Schwingung, die eine gewisse Melancholie mit sich trägt. Darum bleibt die Geschichte auch nicht bei der Idylle stehen, denn, wie textlich im abrupten Ende des Songs deutlich wird: Die Schönheit des Moments ist leider nur äußerlicher Balsam dafür, dass sie von ihrem Mann, ihrer großen Liebe verlassen wird oder worden ist - eine Realität, die sie wieder einholt, sobald sie vom Strand nach Hause zurückkehrt.

People Changing: Musikalisch wird es leicht jazzig bzw. be-“swingt“ und wieder melancholisch. Textlich geht es, wie der Titel schon sagt, darum, wie sehr sich Leute, gute/beste Freunde in der eigenen Wahrnehmung ändern können, überraschend und unerwartet. Plötzlich sind sie einem näher als zuvor und plötzlich bricht der Kontakt ganz ab und die Frage bleibt: Wer hat sich nun verändert? Der andere oder ich?

( ... ):  Der Titel soll stutzig machen, denn es gibt keinen feststehenden, da der Song selbstreflexiv ist. Der Autor fragt sich, wovon dieser Song handeln könnte. Liegt es daran, dass die Musik nicht „spricht“ oder daran, dass der Autor selbst in einer undefinierbaren Stimmung ist? Auch musikalisch ist „(...)“ etwas experimenteller ausgefallen: Die Gitarrenidee verlangte nach kleinen Rhythmusverschiebungen, um den Fluss der Melodien zu transportieren, so dass dieser Song sicherlich der am wenigsten tanzbare der CD ist, was uns allerdings unwichtig ist. Eine weitere Facette von musikalischen Vorlieben bei „On Purpose“: Progressiver Rock.

Nothing of worth: Nach dem „Kopfkino“ des vorhergehenden Songs wieder ein Song, der verhältnismäßig geradeaus rockt. Die Energie der Musik drückt textlich eine Abrechnung uns unangenehmer Zeitgenossen aus. Selbstgerechte, grenzenlos eingebildete, rein materiell orientierte Menschen, denen egoistischer, rücksichtsloser Erfolg alles bedeutet und die letztendlich, unserer Meinung nach, nichts anderes erreichen als wirklich Wertloses - eine gewisse Aktualität hat auch dieser Song durch die Finanz- und Wirtschaftskrise erhalten, aber im Grunde ist dieses Thema (leider) nie nicht aktuell.

No Distance: Martin kreierte auf seiner Konzertgitarre die leicht klassich anmutenden Eröffnungsakkorde dieses melancholischen Songs, der nicht viel mehr braucht als Gitarrenharmonie und Lenas eindringlicher Gesang. Demzufolge ist alles andere sehr zurückgenommen. Textlich geht es darum seinen Weg im Leben zu finden, Freunde und Liebe zu finden und sie trotz aller Unwegbarkeiten nicht völlig aus den Augen zu verlieren. Wahre Freundschaft/Liebe übersteht jede Distanz, wenn nur ihren Wert erkennt und es will.

Stars: Musikalisch sicherlich in weiten Teilen minimalistisch und rein rhythmisch gehalten, entfacht es zu Refrain eine ganz eigene, mitreißende Kraft. Textlich geht es, an dieses Gefühl angelehnt, um das Suchen und Finden der Liebe. Es geht darum, dass man sie ganz eindrücklich in den kleinen Dingen finden kann, wie zum Beispiel im sternengleichen Funkeln der Augen des oder der Liebsten.

What I've always asked myself: Ist von der Musik her ein antreibendes, bluesorientiertes Stück, das einen beschwingt-spielerischen Unterton hat. Der Text entstand spontan an einem dieser Tage als mal wieder alles nach Murphys Gesetz zu laufen schien. Regenschirm vergessen und pudelnass werden, trotz eigener Pünktlichkeit den Zug verpassen, den lebenswichtigen Anruf nicht zuende führen können, weil der Handyakku leer ist usw. Da fühlt man sich zwangsläufig verärgert an Murphy erinnert ... doch es geht auch darum, dass einem das Wissen um Murphys Gesetz so einen Tag mit Gelassenheit ertragen lässt.

Sailing time: Auf das schnelle Bluegrass-ähnliche Gitarrenzupfen von Martin bei einer Probe kurz vor der CD-Aufnahme improvisierte Lena ihre Gesangsmelodieideen mit einem Text, den Kristoff schon 1995 ohne musikalische Vorstellung im Hinterkopf verfasst hatte. Das Erstaunliche: Er passt ohne Umarbeitung oder Anpassung in die musikalische Songstruktur und auch thematisch korrespondiert die Idee, gemeinsam auf den Wogen der Zeit durchs Leben zu reisen bzw. segeln mit der wogenden, immer weiter strebenden Musik.

Rain: Eingerahmt haben wir die Musik in Aufnahmen von echtem Dorstener Regen, wie er auf ein Dachfenster prasselt. In seiner traurig-melancholischen, ja, fast düsteren Stimmung ist „Rain“ die Essenz der sehr nachdenklichen und leisen „On Purpose“-Musik, die trotz aller Niedergeschlagenheit eine mitfühlende Wärme entwickelt. Der tieftraurige Text handelt vom Sich-Verlieren, von Vertrauensverlust, von Trennung - der ideal Schlusspunkt der CD, die sich mit Dorstener Regen verabschiedet.

Lesen Sie jetzt