Wie „Ruhrpott Heinz“ aus Dorsten die Menschen für das Thema Elektro-Autos begeistern will

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Heinz-Peter Wäscher hat sich einen Hyundai Kona als Elektro-Modell zugelegt. Er ist so begeistert von der Technik, dass er nun eine „E-Mobilität-Mission“ in seiner Heimatstadt beginnen will.

Dorsten

, 23.02.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Früher, da waren seine Autos für Heinz-Peter Wäscher reine Gebrauchsgegenstände - zumal er auch beruflich viel mit ihnen unterwegs ist, sie also auch als Firmenwagen nutzen muss. „Doch jetzt habe ich den totalen Spaß in den Backen“, sagt der 59-Jährige. Denn vor gut zwei Monaten hat sich der Wulfener ein ganz besonderes Fahrzeug zugelegt. So besonders, dass er nun auch andere Autofahrer für diese Technik begeistern will.

Ein Jahr Lieferzeit

Denn das Auto, das sich der selbstständige Kaufmann Anfang Dezember bei seinem Händler nach fast einjähriger Lieferzeit endlich abholen durfte, ist ein E-Mobil. Ein Hyundai Kona, 204 PS, in 6,9 Sekunden ist er von 0 auf 100 km/h. 46.000 Euro Listenpreis abzüglich Händler- und Bundeszuschuss und NRW-Förderung, die er als Gewerbetreibender erhält, hat er für das Gefährt 33.000 Euro auf den Tisch gelegt.

Heinz-Peter Wäscher hat in seiner Garage einen 380 KV-Stromanschluss installieren lassen.

Heinz-Peter Wäscher hat in seiner Garage einen 380 KV-Stromanschluss installieren lassen. © Michael Klein

„Ist zwar auch für mich eine Menge Geld, da hätte ich zwei Berlingos für bekommen, die ich in den letzten Jahren immer gekauft habe“, sagt er. „Es ist aber jeden Cent Wert“, sagt Heinz-Peter Wäscher. Denn keine teure Inspektionen mehr, kein Wechsel der Bremsbeläge mehr (weil der Neue mit dem Motor bremst), und steuerfrei ist der Wagen sowieso. Der Strom-Ladevorgang ist nur halb so teuer wie das Diesel-Tanken. Den Strom tankt er bequem zu Hause, dafür hat er sich eigens einen 380-Volt-Kabelanschluss in der Garage installieren lassen. „Wenn der Wagen über Nacht sieben, acht Stunden bis zum Voll-Laden am Stecker hängt, komme ich anschließend locker 400 Kilometer weit“, sagt der Wulfener.

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Heinz-Peter Wäscher vertreibt und verkauft Fenster- und Haustür-Systeme, er ist jeden Tag zu Kunden im ganzen Ruhrgebiet unterwegs. 200 bis 300 Kilometer fährt er pro Arbeitstag, „ich hatte niemals Schwierigkeiten mit der Ladeleistung“. Und selbst wenn: „Unterwegs findet man nahe von Autobahnen immer eine Schnell-Ladestation“, und seine App lotst ihn auch zu Gratis-Stromtankstellen. „Bei Aldi-Süd in Hünxe kann man zum Beispiel schnorren“, sagt Wäscher. „Und meine Frau freut sich, wie gerne ich jetzt dort mit ihr zum Einkaufen gehe.“

Erster E-Mobilitäts-Stammtisch

Heinz-Peter Wäscher ist es wichtig, „den Leuten diese unbegründete Angst zu nehmen, dass sie im Alltag zu wenig Reichweite haben.“ Darüber und über seine Erlebnisse will der Wulfener am 27. Februar (Donnerstag) um 17.30 Uhr in der „Bar 61“ im Wulfener Gemeinschaftshaus (Wulfener Markt) erzählen. Mit Gleichgesinnten aus der hiesigen E-Wagen-Szene organisiert er dann den ersten „1. Dorstener E-Mobilitäts-Stammtisch“. „Wer vorbei kommt, sollte aber aufgetankt haben“, so der Wulfener: „Am Gemeinschaftshaus gibt es nämlich keine Ladestation.“

Auch der Wulfener Oliver Zwiehoff (rechts) mit seinem roten Tesla wird sein Auto beim Stammtisch präsentieren.

Auch der Wulfener Oliver Zwiehoff (rechts) mit seinem roten Tesla wird sein Auto beim Stammtisch präsentieren. © Michael Klein

An dem Tag sind einige E-Autos zu besichtigen, aus Dorsten und Umgebung. „Die E-Autofahrer erkennen sich sofort“, sagt Wäscher. Woran? „Unsere Autos haben keinen Kühlergrill - wo kein Motor, da muss auch nichts gekühlt werden.“

Neben dem Hyundai Kona von Heinz-Peter Wäscher (in dem Interessierte auch mal eine Runde mitfahren dürfen) sind beim Stammtisch auf jeden Fall ein BMW i3, ein Nissan Leaf und ein Tesla Model 3 des Wulfeners Oliver Zwiehoff dabei. „Plug In Hybride oder Hybrid-Autos sind kein Thema“ sagt Wäscher: „Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes, das ist nicht so unser Ding.“

Auf Dauer hofft der Wulfener, dass aus dem ersten Treffen eine regelmäßige Sache wird - „und dass vielleicht auch mal irgendwann ein so großes Ding wie die Fahrzeugtreffen am Zechengelände dabei herauskommt.“

Der 59-Jährige und seine Mitstreiter wollen nicht indoktrinieren, sondern informieren. „Wir haben einiges an Material zusammengetragen“, sagt er. Auch Prospekte von Fahrzeugherstellern - allerdings nur wenige von deutschen Fabrikaten. „Als ich deswegen die Autohäuser in der Region abgefahren habe, habe ich eigentlich nur bei BMW Glück gehabt“, so der Wulfener: „Ich glaube, die anderen haben dieses wichtige Thema überhaupt noch nicht auf dem Schirm.“

Die einzige Stromtankstelle in Wulfen.

Die einzige Stromtankstelle in Wulfen steht an der Hervester Straße. © Claudia Engel

Als vor zwei Jahren das Thema „Dieselfahrverbote“ aufploppte, begann Heinz-Peter Wäscher damit, sich mit E-Autos zu beschäftigen. „Nicht aus ideologischen Gründen“, betont er. „Das Klima werden wir auch damit nicht retten“, sagt der Wulfener: „Denn dass die Rohstofflieferketten ihre Schattenseiten haben und dass das Lithium für die Akkus endlich ist, das ist mir auch bewusst.“ Doch für Wäscher sind E-Autos vorerst „die einzige Option für uns, Abgase in der Luft zu vermeiden“.

Ruhrpott-Heinz

Inzwischen hat der Wulfener sogar einen eigenen Video-Kanal auf der Internet-Plattform „Youtube“. Unter dem Pseudonym „Ruhrpott-Heinz“ produziert er da fast wöchentlich seine Geschichten rund um das Thema „E-Autos“. „Das machen viele in der Szene, das wollte ich auch mal ausprobieren.“ Mit vielen Tipps und immer auch ein bisschen lustig, „mal mit und mal ohne viel Gesabbel“, so der Wulfener.

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Er erzählt dabei vom „ersten Mal im Elektroauto“, erklärt, „wie man zu Hause lädt“, informiert über „den Monatsverbrauch und Kosten“, filmt E-Lade-Stationen. Das Thema „Laden“ mit seinen unterschiedlichen Abrechungs- und Kartensystemen und den Lade-Spannungen „ist nämlich das, was die Leute am meisten beschäftigt“. Die nächstgelegene Ladestation in seinem Wohnort Wulfen ist die kürzlich von Stadt und innogy installierte 22 kV-Station an der Hervester Straße. „Ein schlechter Standort, weil dies keine Schnellladestation ist“, meint der Wulfener. „Wer stellt sich denn da hin und wartet ein paar Stunden, bis der Wagen voll ist“, fragt er sich. „Da ist doch nichts los, womit man sich in der Zwischenzeit beschäftigen kann.“ Und da das Gerät Wechselstrom und keinen Gleichstrom hat, komme die Station für seinen Hyundai sowieso nicht infrage.

Baumspenden

Seit sich Heinz-Peter Wäscher immer mehr Gedanken über den Klimaschutz macht, hat er übrigens auch sein Wohnmobil ökologischer gestaltet. „Das hat jetzt ein Solardach.“ Es fährt zwar weiterhin mit Diesel. „Aber dafür machen wir bei der Aktion Plants for the planet mit.“ Heißt: Für jede gefahrenen 100 Urlaubs-Kilometer spendet das Ehepaar Wäscher einen Baum.

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