Wildwest im Straßenverkehr: „Ich schlag' dich kaputt“

mlzLandgericht Essen

Ein Autofahrer aus Dorsten überholt rechts und droht einer Frau brutale Schläge an. Jetzt ist er in Essen auch in zweiter Instanz verurteilt worden.

Essen, Dorsten

, 09.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Angeklagte war sich keiner Schuld bewusst, die Richter hatten am Ende keine Zweifel: Nach einer Wildwest-Aktion im Straßenverkehr muss ein Autofahrer aus Dorsten-Hervest eine Geldstrafe in Höhe von 1900 Euro zahlen. Außerdem wurde eine sechsmonatige Führerscheinsperre verhängt. Damit hat das Essener Landgericht am Montag eine frühere Entscheidung des Amtsgerichts Gelsenkirchen bestätigt.

Rechts überholt, dann Vollbremsung

Es war Rosenmontag 2019, abends um acht. Der Dorstener war mit einem Freund in Gelsenkirchen unterwegs, als plötzlich ein kleiner Smart vor ihm auftauchte. Ob er ihm zu langsam war oder er sich sonst geärgert hat, ist nicht ganz klar. Laut Urteil ist er auf jeden Fall plötzlich nach rechts ausgeschert, hat den Smart über einen Parkstreifen überholt und dann zu einer Vollbremsung gezwungen. An der nächsten Ampel drohte er der Fahrerin nach Überzeugung der Richter auch noch Prügel an: „Halt die Fresse, sonst schlag' ich dich kaputt.“

„Die Frau lügt“

Im Prozess wollte der 31-Jährige davon allerdings nichts wissen. „Die Frau lügt“, sagte er den Richtern am Essener Landgericht. „Ich war nicht auf dem Standstreifen.“ Er halte sich immer an die Verkehrsregeln, fahre nicht mal zu schnell. Und bedroht habe er die Frau auch nicht.

Die Smart-Fahrerin hatte damals allerdings sofort die Polizei alarmiert. „Ich dachte, gleich knallt’s.“ Und auch ihr heute 14-jähriger Sohn, der damals auf dem Beifahrersitz saß, sagte vor Gericht: „Ich hatte Angst.“

Er war es dann auch, der den Richtern genau vorführte, was aus seiner Sicht passiert ist – mit einer großen Skizze und zwei Matchboxautos.

Aufgabe mit in die Schule genommen

Außerdem hatte der Schüler noch mal alles ausgemessen und den Überholvorgang gemeinsam mit seinen Lehrern berechnet. „Wir hatten sowas gerade in Mathe gemacht.“ Das Ergebnis: „Da kann man auf jeden Fall überholen.“

Seine Mutter – Anwältin von Beruf – hatte den Vorfall als Zeugin vor Gericht so geschildert: „Der Angeklagte ist über die Parkplätze an mir vorbeigeschossen, hat sich direkt vor mich gesetzt und gebremst, ich bin voll in die Eisen gegangen.“

„Das war wahnsinnig gefährlich“

Weil sie den Dorstener nicht davonkommen lassen wollte, hatte sie ihren Sohn gebeten, Fotos zu machen und der Polizei auch sofort am Telefon das Kennzeichen durchgegeben. „Das war wahnsinnig gefährlich“, sagte sie den Richtern. „Ich hatte ja auch ein Kind neben mir sitzen.“

Für eine frei erfundenen Aussage – so wie vom Angeklagten behauptet – sahen die Richter schließlich keine Anhaltspunkte.

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