Die Lippe ein See, der Bauernhof die Hallig: So sah es beim Jahrhundert-Hochwasser 2003 in Dorsten aus. © Heinz Kleine Vossbeck
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Winter 2003 – Als das Wasser in Dorsten „Oberkante Unterlippe“ stand

Dorsten ist von der aktuellen Hochwasser-Katastrophe verschont geblieben. Im Januar 2003 wären Teile der Stadt aber um ein Haar überflutet worden - Augenzeugen erinnern sich.

Es war der erste Samstag des Jahres 2003. Auf dem Hammbach waren wegen des Hochwassers einzelne Kanuten unterwegs in Richtung Lippe. Rainer Kauschke setzte sich auf sein Fahrrad und fuhr von Holsterhausen in Richtung Hochstadenbrücke, um sich ein Bild von der Situation zu machen. „Aus Interesse, aber auch ein wenig aus Sorge über die weitere Entwicklung“, sagt er rückblickend.

Die Bauernhöfe sahen aus wie Halligen

Rainer Kauschke erinnert sich noch gut an die Bauernhöfe, „die das Bild einer Hallig vermittelten“. Und die Lippedeiche haben damals zum Glück gehalten, „ansonsten hätte eine Überflutung des Gemeindedreiecks gedroht“. Doch es war knapp, sehr knapp.

Das Hochwasser der ersten Tage im Jahr 2003 geht als „Jahrhundert-Hochwasser“ in die jüngere Geschichte der Stadt Dorsten an. Die Lippe, dieser beschauliche kleine Fluss, war binnen weniger Tage zu einer Seenlandschaft angeschwollen. In der Spitze stand der Dorstener Pegel bei 9,88 Meter – diese Marke wurde seitdem nie wieder erreicht.

Auch nicht Anfang 2011, als der Pegel bei 9,26 Meter verharrte und dann wieder zurückging.

Deich wurde um einen Meter erhöht

Heinz Kleine-Vossbeck hat die Ereignisse von damals in vielen Bildern festgehalten. Wasser, viel Wasser ist da zu sehen. Die Deiche ragten wie kleine Berggipfel aus den Fluten heraus. Die Hohenkampbrücke wurde angehoben, Bauernhöfe wurden evakuiert. Bis in die Nacht an diesem 5. Januar 2003 waren Arbeiter damit beschäftigt, einen 600 Meter langen Deichabschnitt, der Holsterhausen vor der Lippe schützt, um einen Meter zu erhöhen.

130 Lkw lieferten insgesamt 3000 Kubikmeter Waschberge an. Das Gestein, das im Bergbau mit der Kohle zu Tage gefördert wird, war „unbedingt nötig“, betonte ein Sprecher des Lippeverbandes damals. „Wir durften es nicht riskieren, dass das Wasser bis an die Kante der Deichkrone reicht.“

Es fehlten nur wenige Zentimeter, zum Glück jedoch regnete es an diesem Wochenende kaum noch. Sonst wäre in Dorsten wohl der Katastrophenfall eingetreten, mit Schäden ungeahnten Ausmaßes.

Erinnerungen an die Kindheit

Auch Manfred Lenz schaute sich damals das Hochwasser an. „Ich wollte mal sehen, wie die Spielplätze unserer Jugend bei so einem Ereignis aussehen“, erinnert er sich. Manfred Lenz lebte damals schon in Wulfen-Barkenberg, wurde aber auf der Hardt geboren.

„Einer meiner Schulkameraden kam vom Bauernhof Albers, direkt an der Lippe“, berichtet er. „Dort gab es fast jedes Jahr Hochwasser, und die Wiesen, der Schweinestall sowie der ganze Hofbereich standen unter Wasser.“ In manchen Jahren kam dann Frost und das Wasser wurde zu Eis.

Manfred Lenz und seine Freunde liefen dann Schlittschuh, „das war herrlich“. Wenn es etwas wärmer war, ruderten die Kinder gerne mit einer Kalklöschpfanne bei Hochwasser über die Lippe, um einen Freund aus Holsterhausen zu transportieren. „Als unsere Eltern davon erfuhren, brachte uns das verständlicherweise eine Tracht Prügel ein. Und dann Erleichterung über unsere Unversehrtheit.“

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Stefan Diebäcker

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