Wohin geht die Reise der Agathaschule?

Gutachter-Empfehlung für Umzug

In einer Abschlusspräsentation empfiehlt ein Architekturbüro, die Geschwister-Scholl-Schule am Nonnenkamp zu sanieren, damit die Agathaschule einziehen kann. Das sei aus wirtschaftlichen und anderen Gründen empfehlenswert. Teile der Politik und die Elternschaft der Agathaschule sehen das anders.

Dorsten

, 02.08.2017, 11:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Diskussion um den künftigen Standort der Agatha-Grundschule beschäftigt die Fraktionen mitten in den Ferien: „Wir müssen ja schon am 5. September, das ist kurz nach Ferienende, in der gemeinsamen Bau- und Schulausschusssitzung eine Entscheidung treffen“, sagte die SPD auf Anfrage.

Sie hat sich deshalb klar positioniert: „Wir sind für die Beibehaltung des Traditionsstandortes am Vosskamp“, so Michael Baune, stellv. SPD-Fraktionsvorsitzender. Baune spricht damit der Elternschaft der Agathaschule aus dem Herzen. Denn die Schulkonferenz der Schule hat am 13. Juli ebenfalls ein klares Bekenntnis zum Vosskamp abgegeben: „Eine Schule ist der Motor eines Stadtteils, ein Verlagern der Agathaschule auf die Hardt hat Konsequenzen für Einrichtungen wie Kirchengemeinde, Vereine und soziale Einrichtungen in der Altstadt“, so die Schulkonferenz in einer ausführlichen Stellungnahme an die Ratsfraktionen. Das Leben verarme in der Altstadt, wenn es die Agathaschule dort nicht mehr gebe, heißt es weiter.

Studie ist online zu finden

Zwischenzeitlich hat die Stadt Dorsten nach der letzten Schulausschusssitzung vor den Ferien die Abschlusspräsentation der verschiedenen Standorte des Architektenbüros Energum veröffentlicht. Eine entsprechende Datei mit allen Einzelheiten wurde auf www.dorsten.de im Ratsinformationssystem den Unterlagen für den Ausschuss am 10. Juli angehängt. „In der Ausschusssitzung ist angekündigt worden, dass die Ergebnisse auf unserer Homepage veröffentlicht werden“, sagte stellv. Stadt-Pressesprecher Ludger Böhne gestern auf Anfrage. Völlig überrumpelt davon gaben sich SPD und Linke: „Das habe ich nicht gewusst“, so Wilhelm Zachraj von den Linken. Und die SPD will die Unterlagen erst „per Zufall im Netz entdeckt haben“, wie Dirk Groß, der SPD-Schulausschussvorsitzende, sagte. „Das ist so nicht kommuniziert worden“, meinte er.

Das beste Ergebnis der Studie

Dabei enthalte die Abschlusspräsentation wichtige Aspekte, über die die Öffentlichkeit nicht informiert ist: „Das Fazit und die Empfehlung des Architektenbüros, welcher Standort der am besten geeignete ist.“ So schreibt Energum: „Unter Berücksichtigung der Bebaubarkeit, der Softfacts und der Wirtschaftlichkeit erzielt die Variante Sanierung der Geschwister-Scholl-Schule und Umzug der Agathaschule das beste Ergebnis in dieser Studie.“ Trotzdem bleibt die SPD bei ihrer Wahl. Baune fordert eine Machbarkeitsstudie für einen Neubau der Agathaschule am Vosskamp. „Der Standort ist aus unserer Sicht der einzig wahre.“

Und das meint die Schulpflegschaft:

Die Schulpflegschaft der Schule favorisiert ebenfalls den Vosskamp und erteilt einem Umzug an die Marler Straße, wie von einigen Eltern bei einem Elterninformationsabend vor den Ferien gefordert, eine Absage: "Nicht anschließen können wir uns dem Wunsch einiger Eltern, das Johannesquartier als Standort für die Agathaschule zu wählen. Die vorhandenen Gebäude sind für eine langfristige Nutzung nicht geeignet; die Klassenräume sind zu klein, die Gebäude alt und sanierungsbedürftig. Ein Neubau an dieser Stelle würde bedeuten, dass langfristig fünf Sechstel unserer Schülerschaft einen längeren Weg zu diesem Schulstandort bewältigen müssten.

Mit Sorge sieht die Schulpflegschaft indes einen Umzug in ein saniertes Gebäude der Geschwister-Scholl-Schule am Nonnenkamp entgegen, denn das Gebäude sei alt, sanierungsbedürftig und an vielen Stellen nicht grundschulgemäß. 

Das sagt die CDU

Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Bernd Schwane ist die Standortfrage zur Agathaschule in seiner Fraktion noch nicht geklärt: „Es gibt noch Diskussionsbedarf.“ Es sei nicht einfach, eine Entscheidung zu treffen: „Wir haben die Alternativen in den Blick genommen, die Schulgebäude schon vor längerer Zeit eingehend besichtigt“, sagt Schwane. Der Zustand der Agathaschule sei nicht mehr hinnehmbar. Dass sich die Schulpflegschaft mehrheitlich für die Beibehaltung des Schulstandortes am Vosskamp ausgesprochen habe, hat Schwane registriert. „Der Elternwille soll maßgeblich sein, doch er kann nicht der ausschlaggebende Grund für eine Standortwahl sein.“ Die knappe Zeit bis zur Ausschusssitzung nach den Ferien ist für ihn kein Problem: „Wir werden rechtzeitig zu einer einvernehmlichen Lösung kommen.“

Das sagt die FDP

Die FDP befindet sich noch mitten in den Abstimmungen, gibt aber in ihren Überlegungen Tendenzen zu erkennen, wie Tristan Zielinsksi, Fraktionsvorsitzender, in einer Stellungnahme an den Bürgermeister erläutert. Die FDP erörtere die Idee, die Agathaschule am Vosskamp kleiner als bislang untersucht neu zu bauen. „Wir diskutieren die Frage, ob beispielsweise eine drei- bzw. 3,5-zügige Agathaschule verstärkt mit der Pestalozzischule kooperieren könnte, welche nach diesem theoretischen Modell noch weitere Schüler aufnehmen würde“, schreibt Zielinski. Dadurch, so die FDP weiter, ließen sich Schwankungsspitzen bei den Schüleranmeldezahlen ausgleichen. Die Verwaltung möge diesen Aspekt in einer Kostenrechnung verdeutlichen, wünscht die FDP. Sie fragt zudem, ob der Bebauungsplan für den Bereich am Vosskamp einen viergeschossigen Neubau der Grundschule zulasse.

Das sagen die Grünen

Günter Fraund hat in der letzten Schulausschusssitzung seine Meinung verdeutlicht, dass die Bewahrung des Traditionsstandortes für ihn persönlich wichtig sei. Die Grüne Fraktion hat indes noch keine Richtungsentscheidung gefällt: „Erst einmal begrüßen wir, dass man von der Idee, den Altbau der Agathaschule zu sanieren, abgerückt ist und sich für einen Neubau als mögliche Alternative entschieden hat“, so Fraund. Beide Optionen, Beibehaltung Traditionsstandort Vosskamp mit Neubau oder Umzug in das bestehende Gebäude der Geschwister-Scholl-Schule nach der Sanierung, seien bei den Grünen noch im Gespräch. „Wir haben gründlich Für und Wider abgewogen, sind aber noch nicht zu einem Ergebnis gekommen“, sagt Fraund. „Die Wirtschaftlichkeitsprüfung ist erst sehr spät nachgereicht worden, es wäre schön gewesen, wenn wir sie früher eher für eine abschließende Meinungsbildung bekommen hätten.“

Das sagen die Linken

Die Linken haben nach Auskunft ihres Fraktionssprechers Wilhelm Zachraj noch kein abschließendes Urteil gefällt, es sei aber eine Tendenz in den Diskussionen erkennbar: „Die Verlagerung des Schulstandortes der Agatha-Schule an den Nonnenkamp“, hält Zachraj für die wirtschaftlichste Lösung. Allerdings: „Ich wusste gar nicht, dass die Rechnung jetzt öffentlich gemacht worden ist. Das muss ich mir erst einmal ansehen“, sagte er auf Anfrage. 

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