Worauf Dorstener beim Abschluss von Verträgen in Handyshops achten sollten

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Zum Weltverbrauchertag hat sich die Verbraucherzentrale Dorsten mit Ärger in Handyshops beschäftigt. Meist händigen diese das entscheidende Blatt nicht aus und verstoßen gegen das Gesetz.

Dorsten

, 17.03.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Handyverträge bescheren der Verbraucherzentrale Dorsten alljährlich viel Arbeit. „Sie machen 34 Prozent unserer Rechtsvertretungen im Jahr aus, das heißt, dass wir uns mit dem Anbieter schriftlich oder mündlich in Verbindung setzen“, sagt Ruth Pettenpohl, Leiterin der Verbraucherzentrale NRW in Dorsten. Es geht um Kündigungen, die nicht eingehalten werden, fehlerhafte Verträge, veränderte Preise, über die der Kunde nicht informiert wurde.

Der Ärger beginne auch oft mit dem Gang in den Mobilfunkladen. „Die Kunden haben ein Problem mit dem Handy oder eine Frage zum Vertrag. Es passiert häufig, dass der Mitarbeiter die Frage dann umrundet und einfach ein neues Angebot unterbreitet, das angeblich viel besser für ihn ist“, berichtet Ruth Pettenpohl.

Handyverträge in Shops können in der Regel nicht widerrufen werden

So erging es auch einem Verbraucher, der neulich in die Dorstener Beratungsstelle kam. Er hatte seinen Vertrag gekündigt; das ging immer zum Monatsende. Die Kündigung kam aber zurück, weil er die falsche Adresse auf den Brief geschrieben hatte. Er ging damit in den Mobilfunkladen.

„Dort sagte man ihm, dass die Kündigungsfrist nicht stimme und er noch zwei Jahre diesen Vertrag hätte. Aber man habe hier sowieso einen viel besseren Vertrag mit mehr Datenvolumen für ihn. Er könne das jetzt einfach unterschreiben, eine Nacht drüber schlafen und dann einfach morgen widerrufen, wenn ihm der Vertrag dann doch nicht gefalle.“ Und das stimmt nicht.

„Kunden können Mobilfunkverträge, die sie im Shop geschlossen haben, nicht innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Das gilt nur in ganz bestimmten Fällen, zum Beispiel wenn damit zusammen ein vergünstigtes Handy gekauft wurde“, klärt die Verbraucherschützerin auf.

So verwundert es nicht, dass der Mitarbeiter von seinem Versprechen gegenüber dem Dorstener Kunden am nächsten Tag nichts mehr wissen wollte. Der Geschädigte ging zur Verbraucherzentrale. „Wir haben es geschafft, den Vertrag zu lösen. Aber man hat kein Anrecht darauf, das ist reine Kulanz des Unternehmens.“

Produktinformationsblatt ist Pflicht

Natürlich könne man Verträge in Shops abschließen. „Aber man sollte vorher wissen: Was brauche ich? Und ich muss alle Fakten zum Vertrag bekommen.“ Seit 2017 ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass Verbraucher ein Produktinformationsblatt vor dem Abschluss aller Verträge vorgelegt bekommen, die einen Internetzugang ermöglichen. „Es muss sehr gut sichtbar ausgelegt sein oder dem Kunden ausgehändigt werden.“

Darauf muss der Name des Produkts stehen, die Datenübertragungsrate, wann die Geschwindigkeit gedrosselt wird, Laufzeiten, Kündigungsfristen, Kosten und die Anschrift des Unternehmens. „Das Muster liefert die Bundesnetzagentur und die Anbieter müssen sich daran halten und das Blatt vorlegen.“ Tun sie aber nicht.

Die Verbraucherzentrale hat landesweit eine Stichprobe in 301 Telefongeschäften gemacht. Nur zwei Verkäufer händigten Kunden das Blatt von sich aus auf, 24 auf Nachfrage und 275 gar nicht. Die Dorstener Verbraucherschützer testeten auch die Shops vor Ort. „Wir waren in fünf Läden in Dorsten und hier folgt man dem Trend: Keiner gab das Produktinformationsblatt von sich aus aus und nur einer auf Nachfrage“, sagt Ruth Pettenpohl. Anhand dieser Blätter könne man aber gut vergleichen und sehen, welcher Vertrag von welchem Anbieter der richtige ist.

Oft reicht eine Prepaid-Karte

Und ob es überhaupt ein Vertrag sein muss. „Ich hatte heute zehn Beratungsgespräche mit Kunden hier“, berichtete Ruth Pettenpohl am Weltverbrauchertag. „Und die meisten wären mit einer Prepaid-Karte besser bedient, weil sie nicht das neuste Handy brauchen, das über einen Vertrag finanziert werden soll, oder das Handy nur im Notfall benötigen.“

Die Dorstener Beratungsstelle an der Julius-Ambrunn-Straße 10 stellt handliche Informationsblätter zur Verfügung, mithilfe derer man herausfinden kann: Welcher Handytyp bin ich? Welche Geschwindigkeit brauche ich?

Seit 1983 wird der Weltverbrauchertag jedes Jahr am 15. März veranstaltet, um öffentlich auf aktuelle Themen zur Verbesserung des Verbraucherschutzes hinzuweisen.
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