Hinter dieser Saaltür wird am Landgericht Essen gegen den Dorstener verhandelt. © Martin von Braunschweig

Wütender Kumpel soll mutmaßlichen Dealer aus Dorsten verpfiffen haben

Vor dem Landgericht Essen hat der Prozess gegen einen mutmaßlichen Marihuana-Dealer aus Dorsten begonnen. Der Angeklagte ist gleich aus mehreren Gründen stocksauer.

Die Polizei soll bei einer Durchsuchung der Wohnung des 27-Jährigen im Februar 2020 neben Drogen auch Bargeld, ein Schwert, ein Teleskop-Schlagstock und vier Messer sichergestellt haben. Die Mindeststrafe für bewaffneten Drogenhandel liegt bei fünf Jahren Haft.

Verteidiger fehlt

Ungeachtet dessen präsentierte sich der Angeklagte zu Prozessbeginn eher in Angriffs- als in Verteidigungslaune. Weil lediglich sein vom Gericht bestellter Pflichtverteidiger erschienen war und der von ihm ausgewählte Rechtsanwalt durch Abwesenheit glänzte, wollte der junge Mann gar nicht erst loslegen.

„Das ist doch Schwachsinn“, murmelte er vor sich hin, als die Vorsitzende Richterin ihm erklärte, dass sie jetzt mit der Verhandlung beginnen wolle. Der Wulfener war davon überzeugt, dass ein Fehler auf der Geschäftsstelle für das Fernbleiben seines Wahlverteidigers verantwortlich war.

Und auch als die Verhandlung schließlich begonnen hatte, besserte sich die Laune des 27-Jährigen nicht. Immerhin wurde er noch einmal daran erinnert, wie es eigentlich dazu gekommen war, dass die Polizei ihn ins Visier genommen hatte.

Schuld daran war ein früherer Kumpel, der von den Richtern als erster Zeuge vernommen wurde. „Ich habe ihn aus Wut angezeigt“, sagte der 25-Jährige aus. „Ich wollte ihm eins reinwürgen.“

Angeblicher Streit unter Dealern

Angeblich hatte der Zeuge nämlich im Februar 2020 Streit mit einem ganz anderen Dealer aus Wulfen. Er fühlte sich von seinem Marihuana-Lieferanten über den Tisch gezogen und will deshalb den Angeklagten um Hilfe gebeten haben. „Der hat mich aber nur rausgeschmissen, beleidigt, ins Gesicht geschlagen und überhaupt ganz blöd behandelt“, so der Zeuge. Deshalb sei er zur Polizei gegangen.

Dort erzählte er damals, dass er selbst für den Angeklagten Drogen verkauft habe und jetzt aussteigen wolle. Davon wollte er am Dienstag zwar nichts mehr wissen. An den Vorwürfen gegen den Angeklagten änderte dies aber natürlich nichts.

Freundin erwartet Strafverfahren

Am gleichen Tag wurde damals auch die Wohnung der Lebensgefährtin des Angeklagten durchsucht. Und auch dort wurden die Beamten fündig. Rund 1,2 Kilo Marihuana lagerten in den Räumlichkeiten der jungen Frau. Auch über 1400 Euro Bargeld und diverses Verpackungsmaterial nahmen die Polizisten mit.

Die Freundin erwartet nun ein eigenes Strafverfahren vor dem Amtsgericht.

Der 27-Jährige will sich vorerst nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern. Ob sich das ändert, wenn sich seine Laune gebessert hat, weil sein favorisierter Verteidiger dann doch noch einsteigt, bleibt abzuwarten.

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