Der Rundbau am Wulfener Markt ist prägnant, die neue Mitte soll es werden. Vorher aber muss über Abriss und/oder Neubau des Wulfener Marktes entschieden werden. © Guido Bludau (A)
Neue Mitte Wulfen

Wulfener Markt: Abriss, Neubau? Wahrscheinlich ist eine Variante

Der Wulfener Markt ist eine heruntergekommene Schrottimmobilie mit Altlasten. Viele Wulfener wünschen ihn weit weg. Sie möchten eine neue Mitte für ihren Stadtteil. Das könnte was werden.

Eine Ahnung, wie der Wulfener Markt einmal aussehen könnte, dämmerte den Mitgliedern des Umwelt- und Planungsausschusses am Dienstagabend. In einer Online-Präsentation stellte Architekt Hannes Schmidt-Domogalla auf Wunsch der Entwicklungsgesellschaft Wulfen und der Stadt Dorsten Ergebnisse seiner Analyse vor. Mehr als 1.000 Dorstener und andere Interessenten haben diese Videopräsentation mittlerweile gesehen. Am Abend waren es 140.

Die Analyse soll als Anregung und Diskussionsgrundlage für das weitere Vorgehen dienen. Aber erst ein Architekten- und Investorenwettbewerb ebnet nach umfassender Bürgerbeteiligung und politischen Entscheidungen den Weg zu einer wie auch immer gearteten „Neuen Mitte“ für Wulfen.

Ausschussvorsitzender Friedhelm Fragemann schickte den Zeitplan voraus, bevor der Architekt die Ergebnisse seiner Analyse präsentieren konnte. „Die nächste Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses ist am 23. März. Dann wird die Rahmenplanung beschlossen. Ab dem 21. April beginnt die Bürgerbeteiligung.“

Mehrere denkbare Szenarien beleuchtet

Der Wulfener Architekt hatte den Auftrag, zu untersuchen, was mit dem Wulfener Markt unter verschiedenen Vorzeichen geschehen bzw. anstelle der Immobilie aus den 1970er-Jahren treten könnte. Das Büro Schmidtplanung hat sich mit mehreren denkbaren Szenarien wie Sanierung, Teilabriss, Abriss und Neubau beschäftigt.

Vieles deutet schon jetzt darauf hin, ohne dass der Vortragende darauf Einfluss genommen hätte, dass ein Abriss des bestehenden Baukörpers und ein Neubau vermutlich am ehesten Sinn machen. Rainer Thieken, ebenfalls Architekt, nahm in die Beratungen seiner Fraktion, der CDU, Folgendes mit: „Der Gebäudeerhalt ist nicht wirklich realisierbar, auch ein Teilabriss wäre sicher teurer als ein Gesamtabriss.“ Darüber werde zu sprechen sein.

Teilabriss ist für seriöse Investoren keine Option

Stadtbaurat Holger Lohse erläuterte aus seiner Sicht, warum die Stadt voraussichtlich nicht um einen Neubau umhin kommen wird. Ein Teilabriss sei für seriöse Investoren keine Option, weil Abrisskosten, Kernsanierung und Altlastenbeseitigung unüberschaubare Risiken für Kaufinteressenten bergen.

Zahlreiche Bauteile des Wulfener Marktes sind bekanntermaßen Asbest-belastet, wie auch der vortragende Architekt deutlich gemacht hat. Was zusätzlich noch unter Steinen und Beton vergraben ist, weiß niemand genau. Dieses finanzielle Risiko lohnt aus Sicht der Investoren nicht, weil sie die Investitionskosten nicht im vollen Umfang auf Preise für Neubauwohnungen am Wulfener Markt umlegen lassen könnten. Das gibt der Markt nicht her.

Immobilie war seit jeher hochumstritten

Als der Wulfener Markt in den 1970er-Jahren errichtet wurde, hätte er in Berlin oder einer anderen Großstadt sicher Sinn gemacht: „In Berlin würde man heute für den Gebäudekomplex vielleicht sogar vielfältige neue Nutzungsmöglichkeiten finden“, so Hannes Schmidt-Domogalla. Auf der grünen Wiese in Dorsten war die Immobilie von jeher hochumstritten, weil sie nicht ins Umfeld passte.

Eine mögliche Inanspruchnahme eines Teiles der Nutzflächen im Wulfener Markt als Outletcenter oder tierisches Themencenter für Katze, Hund und Kaninchen oder, wie von der SPD immer wieder heraufbeschworen, als Universitätscampus, schloss Stadtbaurat Holger Lohse aus. Ein Outletcenter sei mit dem Einzelhandelskonzept der Stadt „unvereinbar“ und auch die Landesregierung würde einem solchen Projekt nicht zustimmen, da sie die Fördergelder in Aussicht gestellt hat.

Hochschulstandort ist auch vom Tisch

Nicht verhandelbar sei überdies ein Universitätscampus: „Die Bemühungen darum reichen weit in die Vergangenheit zurück, seit zwei Jahrzehnten versucht Dorsten, Hochschulstandort zu werden. Im Abgleich der Kräfte wurde aber festgestellt, dass in Dorsten nicht genügend Potenzial für die Dependance eines Hochschulstandortes vorhanden ist.“

So verdichten sich die Indizien, dass ein Neubau am ehesten Sinn am alten Standort macht. Wie der aussehen könnte?

Perspektiven für den Wulfener Markt wünschen sich viele Wulfener: Hier eine vorstellbare Lösung aus dem Analyse-Entwurf des Architekturbüros Schmidtplanung. © Architekturbüros Schmidtplanung © Architekturbüros Schmidtplanung

An der bestehenden Verbindungsachse zwischen Wulfener Markt und Alt-Wulfen, der Verlängerung von Napoleonsweg zum Alt-Wulfener Kern, die heute schon als Laufweg durch die alte Ladenpassage sichtbar ist, könnten sich bis zu viergeschossige Bauten ohne Glaskuppel schmiegen, die verschiedene Wohn-, Arbeits- und Freizeitzwecke beherbergen. Was wo hinkommen könnte, soll individuell entschieden werden und vor allem: „Flexibel zu handhaben sein.“

Einfamilienhäuser passen nicht zum Wulfener Markt

Einfamilienhäuser hält das Schmidt-Planungsbüro nicht für denkbar, da sie sich nicht in die bestehende Bebauung zwischen Gesamtschule, Gemeinschaftshaus Wulfen und Rundbau am Markt fügen würden.

Alles in allem aber könnte Wulfens Mitte sein grünes Gesicht wiederbekommen mit zentralen Plätzen, die sich zwischen den Gebäuden befinden und von viel Grün umgeben sind. Kleinere Plätze, die zum Verweilen unter Bäumen und an Spielplätzen einladen anstelle des sehr großzügig bemessenen, weiträumigen Wulfener Marktplatzes – das wäre ebenfalls eine Option.

Und gleich nebenan, zu Füßen des ehemaligen Toom-Gebäudes, in dem ein Investor bereits mit der Neugestaltung begonnen hat, soll am Standort des Wäldchens Alter Kamp eine neue Kindertagesstätte gebaut werden. Das hat die Stadt schon vor. Drumherum könnten weitere Wohnhäuser entstehen.

Viele interessante Perspektiven für einen Stadtteil, der diese dringend nötig hat.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Seit 20 Jahren als Lokalredakteurin in Dorsten tätig. Immer ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt, die nicht meine Geburtsstadt ist. Das ist Essen. Ehefrau, dreifache Mutter, zweifache Oma. Konfliktfähig und meinungsfreudig. Wichtige Kriterien für meine Arbeit als Lokalreporterin. Das kommt nicht immer gut an. Muss es auch nicht. Die Leser und ihre Anliegen sind mir wichtig.
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Claudia Engel

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