Zauberer Matthias Rauch: Virtuelle Hilfe fürs GHW im „Corona-Urlaub“

mlzInterview

Vor über zwei Monaten stand Matthias Rauch das letzte Mal auf der Bühne. Doch so schlimm fand der Zauberer aus Dorsten die Corona-Zwangspause gar nicht. Er hat neue Pläne geschmiedet.

Wulfen-Barkenberg

, 14.05.2020, 12:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Kinder und seine Frau sind im Garten, als ich mich mit Matthias Rauch zum Interview treffe. Wir bleiben aber auf Abstand und haben uns über „Zoom“ zum Video-Gespräch verabredet - eine Premiere für uns beide, die wir uns seit Jahren kennen und deshalb per „Du“ sind.

Matthias, was machst du derzeit?

Ich bin ein völlig verwahrloster Zauberer geworden (lacht). Nein, ich bin kurzzeitig der Full-Time-Kindergärtner in meiner Familie, denn ich habe schnell realisiert, dass die Coronakrise eine gute Gelegenheit ist, um ein bisschen runterzukommen - ohne Produktionsstress und Terminvorgaben. Das hat mir bis jetzt unfassbar gut getan.

Deine gute Laune hast Du offenbar nicht verloren. Keine Geldsorgen?

Ich kann ja zaubern ... Nein, der Trick mit den Geldscheinen ist ja nicht echt. Also, zum einen ist meine Frau noch berufstätig, zum anderen lautete mein bester Zauberspruch immer: viel auftreten und viel sparen. Insofern geht es uns sehr gut, aber es darf natürlich kein Dauerzustand werden, keine Auftritte zu haben. Ich merke nach der ganzen Beruhigung aber auch, wie gerne ich arbeite und dass es endlich wieder losgehen muss.

Mehr Abstand in Corona-Zeiten geht nicht: Stefan Diebäcker verabredete sich mit Zauberer Matthias Rauch zum Video-Gespräch.

Mehr Abstand in Corona-Zeiten geht nicht: Stefan Diebäcker verabredete sich mit Zauberer Matthias Rauch zum Video-Gespräch. © Matthias Rauch

Dein letzter Auftritt liegt über zwei Monate zurück. Hat das Coronavirus deine Arbeit damals schon beeinflusst?

Es lag sozusagen etwas in der Luft, aber es gab noch keine Beschränkungen. Ich bin dann bei diesem letzten Abendauftritt in Herne ein bisschen komödiantisch mit dem Thema umgegangen. Meine Frau hat mich vorher aber darauf hingewiesen, bei der ein oder anderen Darbietung etwas vorsichtig zu sein. Karten in den Mund zu nehmen, die Zuschauer vorher in den Händen gehalten haben, ist sicherlich nicht die beste Idee. Ich habe dann versucht, das lustig zu verpacken, und einer Zuschauerin und mir Handschuhe angezogen.

Und dann wurde es ernst ...

Genau. Es gab für meine Agentur und mich immer mehr Absagen von Veranstaltern. Natürlich zwangsweise und nachvollziehbar, aber trotzdem schade.

Wie geht es nach Deinem „Corona-Urlaub“ weiter?

Hauptsache, es geht überhaupt weiter. Ich habe lange genug die Füße hochgelegt. Es gibt ja inzwischen einige Autokino-Bühnen, da arbeiten meine Agentur und ich gerade an einem neuen Konzept. Ende Mai bin ich in Witten am Kemnader See. Es wird zwar ein bisschen komisch werden, Lichthupen-Applaus zu bekommen und das Publikum in einem anderen Bild wahrzunehmen, aber es ist auf jeden Fall eine Arbeitsperspektive.

Dann sehen wir Dich bald auch in Dorsten auf der Autokino-Bühne?

Jetzt ist dort erst mal die Comedy-Night, bei der ich im Oktober dabei war. Aber ja, denkbar ist das. Ich hatte aus anderen Städten Angebote für ein abendfüllendes Programm. Das Problem ist nur: Meine Show hat mindestens 70 Prozent Zuschauerbeteiligung. Die Nähe ist nicht erlaubt und im Autokino auch nicht möglich. Sich da so viel komplett neues Material aus den Fingern zu saugen, dass es einen ganzen Abend trägt, ist in kurzer Zeit sehr schwer.

Kann man das Thema „Corona“ auch komödiantisch aufarbeiten?

Witze über das Virus sind in den sozialen Medien sehr verbreitet, da ist das Publikum wahrscheinlich eher übersättigt. Nur auf die Zauberei bezogen: Es ist bestimmt lustig, wenn es wieder mehr maskierte Magier gibt, die man parodieren kann.

Nutzt Du die Pause auch für neue Tricks, neue Programminhalte?

Jetzt wieder mehr nach meinem „Corona-Urlaub“, vor allem abends, wenn die Kinder im Bett sind. Auf der Kulturbörse in Freiburg haben wir bereits im Januar mein neues Programm beworben. Das steht also, jetzt ist nur die Frage, wann es weitergehen darf und unter welchen Auflagen. Aber dafür gibt es in der Zwischenzeit ein virtuelles Theatererlebnis von mir.

Was genau verbirgt sich dahinter?

Fans haben jetzt die Chance, sich meine komplette Zaubershow „Rauchzone“ bequem von daheim anzuschauen. Der virtuelle Eintrittspreis für das 90-minütige Video kostet zehn Euro, Tickets gibt es unter www.matthias-rauch-com/aktionen . Das Geld teile ich mir mit dem Förderverein Pro GHW, denn das Gemeinschaftshaus Wulfen ist durch die Coronakrise stark betroffen und musste alle Veranstaltungen und Kurse absagen.

Im Gemeinschaftshaus Wulfen trittst Du trotzdem in diesem Jahr noch auf?

Ja klar, am 6. November mit dem neuen Programm „Bring ihr Blumen mit“. Ich hoffe, dass dann alles wieder seinen geregelten Gang gehen darf. Klar, Sicherheit und Gesundheit gehen immer vor, aber ich bin guter Dinge, dass es dann mit einigen Gästen rundgehen kann.

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