Zeitzeugin berichtet Schülern von der Stasi-Haft

Geschichte der Ex-DDR

DORSTEN Geschichtsunterricht mal anders: Zeitzeugin Edda Schönherz erzählt den Petrinumschülern im Foyer der VHS von Demütigungen und Folter in Stasti-Haft und wie sie es doch noch schaffte, 1979 mit ihren Kindern in den Westen auszureisen.

von Von Anke Klapsing-Reich

, 19.11.2009, 15:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine bewegende "Geschichtsstunde": Zeitzeugenreferentin  Edda Schönherz erzählte  im VHS-Forum Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Petrinum von ihrer schweren Zeit in Stasi-Haft.

Eine bewegende "Geschichtsstunde": Zeitzeugenreferentin Edda Schönherz erzählte im VHS-Forum Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Petrinum von ihrer schweren Zeit in Stasi-Haft.

Mucksmäuschenstill lauschten die Petrinum-Schüler der Geschichte von Edda Schönherz. Die Zeitzeugin erzählt in einer bewegenden „Geschichtsstunde“ im Foyer der VHS von Demütigungen und Folter in Stasti-Haft und wie sie es doch noch schaffte, 1979 mit ihren Kindern in den Westen auszureisen. „Die scheppernden Riegel der Zuchthauszellen, das Schreien der Frauen, das Getrampel der Genossen – diese Traumata lassen einen nicht mehr los.“ Edda Schönherz hatte keinen Namen. Sie war die Nummer 2, zu drei Jahren Haft verurteilt wegen „staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme und Vorbereitung eines ungesetzlichen Grenzübertritts in besonders schwerem Fall“. Schönherz war eine bekannte Moderatorin Dabei hatte sich die damalige bekannte Moderatorin und Ansagerin des DDR-Fernsehens während eines Urlaubsaufenthaltes mit ihren beiden Kindern in Budapest 1974 in den Botschaften der Bundesrepublik und den USA lediglich nach Möglichkeiten erkundigt, die DDR zu verlassen. Zwölf Stasi-Männer und eine Frau standen wenige Tage später morgens um 7 Uhr vor ihrem Bett, um sie zur Klärung eines Sachverhaltes mitzunehmen. „Dass das drei Jahre dauern würde, wusste ich damals nicht.“Unbequeme Regimekritikerin In Berlin-Hohenschönhausen schaffte man es trotz aller Kniffe psychologischer Folter nicht, die unbequeme Regimekritikerin zu brechen. Nach Monaten voller Verhöre, unmenschlicher Grausamkeiten und der ständigen Sorge um ihre Kinder und Familie wurde Edda Schönherz ins berüchtigte Frauenzuchthaus Hoheneck in Stollberg/Erzgebirge verlegt. 24 Frauen drängten sich auf engstem Raum in einer Zelle. Politische „Straftäter“ wurden zu Schwerstkriminellen gesteckt. „Ich lag neben Bohnerwachs-Elli, die ihre Zwillinge mit Wachs eingeschmiert und dann angezündet hatte“, erzählt Edda Schönherz.

Arbeit abgelehnt Sie überstand die Zeit und wurde 1977 entlassen. Doch die ihr angebotene Arbeit als Hilfskraft in einer Großbäckerei lehnte sie rigoros ab: „Für diesen Staat werde ich nicht mehr tätig“, erklärte sie kategorisch und stellte unermüdlich Anreiseanträge für sich und ihre Kinder, bis sie August 1979 nach München ausreisen konnte, wo sie beim Bayrischen Fernsehen wieder vor der Kamera stand. „Das war mein Sieg! Ich hatte solange gekämpft, bis ich mit meinen Kindern in Freiheit leben konnte. K sing

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